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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
422
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422 Chodzko

Dieser stellt ein leicht feuchtwerdendes gröbliches Pulver dar, welches stark nachChlorgas riecht, weil es dieses Gas nur locker gebunden enthalt und dasselbe schonbei der Einwirkung der atmosphärischen Luft allmälig ausströmen laßt; starker ge-schieht dieses Ausströmen von Chlorgas aus dem Chlorkalke, wenn man etwasSaure und Wasser darauf gießt. Es hat der Chlorkalk vor den Guyton-Morveau'-schen Raucherungen den großen Vorzug, daß man die Menge und Heftigkeit desausströmenden Chlorgases ganz in seiner Gewalt hat, und er eignet sich besonderszur Luftreinigung von solchen Zimmern und Behaltnissen, welche nicht von Men-schen verlassen werden können, wie Wohnstuben und Krankenzimmer, die sich nichtdurch andere einstweilen ersetzen lassen. Es- reicht dazu hin, den auf flachen Glas-schalen, Porzellanuntertassen und irdenen Tellern ausgebreiteten Chlorkalk in dasZimmer zu stellen, von Zeit zu Zeit mit einigen Tropfen Wassers zu besprengenund denselben alle vier oder sechs Tage mit frischem zu vertauschen. Die eigneEmpfindung der im Zimmer sich aufhaltenden Personen wird lehren, ob zu vielChlorgas dabei entwickelt werde oder nicht; es darf auch hierbei niemals zu Ath-mungsbeschwerden oder Husten kommen, in welchem Falle der Chlorkalk sogleichaus dem Zimmer zu entfernen sein würde. Ähnliche Schalen und Teller mitChlorkalk würden in andere zu reinigende Gemacher gestellt werden können. Willman eine stärkere Entwickelung des Chlorgases haben, so entferne man Personen,feine Metallwaaren und gute Gemälde aus dem Zimmer, breite eine PortionChlorkalk (zwei bis vier Loch) auf einer Schale oder einem Teller aus, gieße all-mälig einige Loth verdünnte Schwefel- oder Salzsäure darauf und lasse das Ge-misch ebenso in dem menschenleeren und verschlossenen Zimmer stehen, wie bei denGuyton-Morveau'schen Räucherungen angegeben wurde. Zu demselben Zweckekann man den Chlorkalk portionenweise (z. B. zu halben Theelöffeln) in ein Ge-fäß mit verdünnter Schwefel- oder Salzsäure eintragen, jedoch so, daß manzwischen den einzelnen Portionen eine kurze Zeit (5 15 Minuten) vergehenläßt. Löst man den Chlorkalk in Wasser auf, so erhält man eine farbenzerstö-rende Flüssigkeit (Schnellbleichwasser), mit welcher man aber auch Geräthe des-insi'ciren oder von Krankheitsgiften reinigen kann. Auch hält eine solche Chlorkalk-lösung die Faulniß der Leichen auf, wenn man diese mit derselben besprengt oderwascht, oder in Tücher einschlägt, welche in Chlorkalklösung getaucht sind und wie-derholt mit derselben befeuchtet werden. Nicht weniger dient die Chlorkalklösungzum Reinigen der Hände und des Gesichtes für solche Personen, welche mit an-steckenden Kranken oder Tobten in Berührung gekommen sind. Übrigens ist derChlorkalk schon seit längerer Zeit als Tennant'sches Bleichpulver bekannt, da dergenannte Chemiker dasselbe im Jahre 1798 entdeckte; die Bereitung wird meistensin chemischen Fabriken im Großen vorgenommen, indem man Chlorgas durchzerfallenen Kalk streichen läßt, wobei sehr viel auf die Wahl eines möglichst thon-und eisenfreien Kalkes ankommt. Man bewahrt den Chlorkalk in verschlossenenGefäßen auf, weil Luft und Licht zersetzend auf ihn wirken. (42)

Chodzko (Jakob Leonhard), polnischer Patriot und Gelehrter, wurde zuDborek im Palatinat Wilna am 6. Nov. 1800 geboren. Er machte seine erstenStudien in den Anstalten zu Molodeczno und wurde dort ein vertrau-ter Freunddes nachherigen berühmten Patrioten Thomas Zan. Von Molodeczno begab sichder junge C. nach Wilna und hörte die geschichtlichen Vorlesungen Joachim Lele-vel's. Er begleitete 1819 als Secretair den Senator Fürsten Michael Oginskinach Deutschland, Rußland, Frankreich und England, und diese Reise bot ihm Ge-legenheit, mit den ausgezeichnetsten Politikern und Gelehrten der genannten Län-der Verbindungen zu knüpfen. Nach seiner Ankunft zu Paris, 1826, beschäftigteer sich mit Herausgabe von Oginski's Memoiren, sammelte darauf Materialien zuxiner neuern Geschichte Polens, stand zugleich an der Spitze des patriotischen pol-