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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
421
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Chlor, ChlorgaS, Chlorkalk

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dem neutralen Namen: grüne salzsaure Luft bekannt war, den Namen Chlor. Dasreine untermischte Chlor kann sowol in fester und flüssiger, als auch in luftförmi-ger Gestalt (als Chlorgas) dargestellt werden, doch ist die letztere Form die amleichtesten zu erzeugende. Das Chlorgas ist für sich zum Athmen untauglich, jaes beschwert selbst die Athmungsorgane, wenn es in einigermaßen reichlicherMnge mit der gewöhnlichen Luft eines Zimmers vermischt ist; es hat einen ei-genthümlichen stechenden Geruch und zerstört die meisten Pflanzenfarben, sowiedie in der Luft verbreiteten Gerüche und Ausdünstungen. Auf dieser letztern Eigen-schaft beruht die desinsicirende oder ansteckungzerstörende Kraft des Chlorgases,durch welches dasselbe in der Typhusepidemie wohlthatig wurde und gewiß auchin der Choleraepidemke dasselbe leisten würde, wenn die Ansteckung der Choleraebenso bedeutend wäre, als die des Typhus war. Da es aber gegen die allgemeinenepidemischen Einflüsse nichts vermag, sondern nur Krankheitsgifte und thierischcEssluvien zerstören kann, so muß sein Nutzen gegen die Verbreitung der Choleraein beschränkter sein. Dennoch ist dieser Nutzen unleugbar sehr betrachtlich, nur mußman das Chlorgas als Reinigungsmittel der Luft, und nicht etwa als Specificumgegen die Cholera ansehen; das letztere ist es nicht, das erstere aber unbezwei-silt. Zum BeHufe der Reinigung oder Desinfektion von Zimmern, Kleidungs-stücken, Gcräthschasten w. entwickelt man das Chlorgas theils aus dem mitBraunstein vermischten Kochsalze durch Zugießen von Schwefelsaure, oder aus demChlorkalk.

Die erstere Art der Entwickelung des Chlorgases, die schon im Eingange die-ses Artikels gezeigt wurde, nennt man nach dem französischen Chemiker Guyton-Morveau, der sie sehr allgemein zur Luftreinigung empfahl/die Guyton-Morveau'-schen Raucherungen, unter welchem Namen jede gute Apotheke die dazu nörhigenIngredienzien liefert. Man kann diese Räucherungcn nur in Zimmern anwenden,aus welchen die Menschen sich entfernt haben, und aus welchen man feinere metal-lische Kunstwerke, gute Gemälde, kostbare gefärbte Zeuche weggebracht hat, denndas entwickelte Gas greift sehr die Lungen an, macht bei reizbaren lungenkrankenPersonen heftigen Husten und Erstickungsanfälle, und hat auf Metalle, Farbenund dergl. eine meist nachtheilige Einwirkung zur Folge. Man breitet das trockeneGemeng des Kochsalzes und Braunsteines aus einer irdenen oder gläsermn Schaleaus und tropft die Schwefelsäure in sehr kleinen Portionen darauf, rührt dasGanze oft mit einem hölzernen oder gläsernen (nicht metallenen) Spatel um, undlaßt den Apparat in dem leeren und verschlossenen Zimmer stehen, welches erst nach12 oder L4 Stunden wieder geöffnet und dann gelüftet wird, sodaß der Chlor-gcruch bis auf Weniges verschwindet und eine reine Lust das Zimmer erfüllt. Fürein gewöhnliches, nicht zu kleines Wohnzimmer braucht man etwa vier Loch destrockenen Gemenges und zwei Loch Schwefelsäure. Auch auf Gänge, Abtritte, inLeichenkammern, Vorrathsgewölbe, Keller zc. können solche Schalen gesetzt werden.Für Zimmer, aus welchen die Personen nicht entfernt werden können, bedient mansich zur Entwickelung des Chlorgases der sogenannten Schutzfläschchen, welche da-durch entstehen, daß man kleine Flaschchen von starkem Glase mit dem angegebe-nen Gemenge aus Braunstein un«d Kochsalz zum dritten Theile anfüllt und mit ver-dünnter Schwefelsäure befeuchtet; diese Fläschchen behalten ihre Wirksamkeitlange Zeit hindurch und werden offen so lange in das Krankenzimmer gestellt,bis der eigenthümliche Chlorgeruch sich überall hin verbreitet hat; zu Ath-mungsbeklemmung, Husten und ähnlichen Beschwerden darf es aber bei denim Zimmer dabei befindlichen Personen nicht kommen. Das gehörig wiederverschlossene und entfernte Fläschchen kann diese Wirksamkeit vielmal äußern, be-sonders wenn man das Gemisch darin wieder etwas mit Schwefelsaure befeuchtet.

Die zweite Art der Entwickelung des Chlorgases ist die durch Chlorkalk.

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