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Chile
Abschaffung der Sklaverei verfügt und selbst Preßfreiheit eingeführt, obschon Chilenoch keine Druckerpresse besaß. Die erste langte am 21. Nov. 1811 von Neuyorkin Santiago an und druckte mit dem neuen Jahr 1812 die erste Zeitung: „An-rol-Ä cle Odile". 'Aber die schöne Morgenröthe, welche an Chiles Himmel ausging,verdunkelte. Drei Brüder, Jose Miguel, Juan Jose und Luis Carrera, aus einerreichen und angesehenen Familie, jung, unerfahren, ausschweifend, aber nicht ohneTalent und machtig vom Ehrgeiz getrieben, suchten und verschafften sich, unter-stützt von ihrer reizenden Schwester Anna, einen Anhang, brachten die neue Re-gierung in Verwirrung, lösten den Congreß auf und stellten sich selbst an die Spitzedes Staats. Ihr ehrgeiziges, übelbcrechnetes Treiben stürzte das Land in Anar-chie, und diese wurde von den Spaniern benutzt, um Chile wieder in seine vorige Ab-hängigkeit zu bringen. General Pareja langte mit spanischen Truppen aus Limaim Anfange des Jahres 1813 an, wurde aber von den Patrioten bei Perbas Beu-nas, nordwärts vom Maulefluß, geschlagen; sein Nachfolger im Oberbefehl, San-chez, war glücklicher; er behauptete sich in der Stadt Chillan an der Küste, gewanndie Araucanos für sich und wiegelte durch die spanischen Missionarien und die Lan-desgeistlichkeit die Chilenos selbst gegen ihre Regierung auf, was ihm um so leich-ter gelang, da sich die Gebrüder Carrera durch ihre Zügellosigkeit und Gewaltthatenallgemein verhaßt gemacht. Die Junta in Santiago entsetzte die Brüder ihrerÄmter und foderte sie vor ihre Schranken. Auf dem Wege nach der Hauptstadtwurden Jose Miguel und Luis von spanischen Streiscorps gefangen; den Befehlüber die Armee der Patrioten erhielt der Oberst Don Bernardo O'Higgins, eintalentvoller Mann, muthiger Soldat und freisinniger Bürger, dem Chile sehrviel verdankt. Die Spanier in Chile erhielten Verstärkung und an dem GeneralGainza einen erfahrenen Anführer; sie eroberten die Stadt Talca, am nördlichenUfer des Maule, und schlössen hier mit dem mittlerweile an die Stelle der Regie-rungsjunta ernannten Oberdirector Don Francisco Lastra, am 5. Mai 1814 unterenglischer Vermittelung einen Vertrag ab. Aber dieser diente den Spaniern nurzu einem listigen Vorwande, sich in Chile so lange zu halten, bis eine neue stärkereArmee im Stande sein würde, die überraschten Chilenos wieder ganzlich zu unter-werfen. Und in der That gelang dieser schändliche Plan vollkommen. Umsonst ver-einigten sich die entzweiten Patrioten, umsonst bot O'Higgins Alles auf, was Hel-denmut!) und wahre Begeisterung vermögen. Die Ubermacht der Spanier siegte,Chile ergab sich, O'Higgins mit etwa 1400 Personen wanderte aus. In Mendozafanden sie alle gastfreundliche Aufnahme und entwarfen neue Pläne zur Befreiungihres Vaterlandes, welches wieder zwei und ein halbes Jahr lang durch die will-kürlichsten und greulichsten Thaten der spanischen Anführer-und ihrer Söldlingezertreten wurde. Kurze Zeit nach dem ewig denkwürdigen Zuge des ausgezeichnetenPatrioten und Generals San-Martin aus Buenos Apres mit dem in Mendozagesammelten Befreiungsheer über die Anden, deren fünf Hauptpässe auf derOstseite alle 15 — 16,000 Fuß hoch sind,, entschied der Sieg der Patrioten beiChacabuco, am 12. Febr. 1817, der vorzüglich unter O'Higgins'Mitwirkungerfochten und von Don Manuel Nodriguez, einem kühnen und glücklichen Gue-rillasführer, vorbereitet worden, Chiles Schicksal. O'Higgins wurde von den dank-baren Chilenos, welche sich aufs Neue für unabhängig erklärten, im Januar 1818zum Oberdirector des Staates ernannt; aber seine Unabhängigkeit wurde erst durchden wichtigen Sieg am Mappu, welchen San-Martin den 5. April 1818 erfocht,fester begründet. Seine ganzliche Befreiung von der Macht der Spanier erzwangsich Chile durch seine neugeschaffene Flotte, die zwar an Zahl der Schisse gering,aber den berühmten Lord Cochrane (s. Dundonald) als Oberbefehlshaber derSeemacht Chiles zum Anführer hatte. Nach der Eroberung der Hafenbucht vonValdivia, im Januar 1820, war das ganze Festland Chile von Spaniern befreit;
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