Chile 4!l
sehr gemäßigt und äußerst gesund; die stärkste Wärme fällt auf das Mittelland'wischen dem Gebirge und Meere, doch steigt sie höchstens auf 25° Reaum.; den-noch gedeihen hier tropische Früchte vollkommen. Der Frühling beginnt den 22.September, der Sommer im December; in beiden Jahreszeiten ist die Atmosphäreimmer heiter, und Gewitter und Hagelwetter kennt man nicht; der Herbst fangt imMär; an, im April und Mai ist Weinlese; der Winter tritt im Inn.' ein. Dievorherrschenden Winde sind der Nord- und Nordwest- und der Süd- und Südwest-wind; den Ostwind kennt man kaum. Unter den Produeten des Landes sind die.edeln Metalle, Gold, das aus 14 Bergwerken zu Tage gefördert und auch imFlußsande gefunden wird, und Silber von großer Bedeutung; nächst diesen Kupfer,das allein zwischen den Städten Copiapo und Coquimbo in 1000 offenen Grubengefunden wird, Eisen, Quecksilber und Zinn. Der Betrag der Gold- und Silber-minen wird von Humboldt vor der Revolution auf 2,060,000 Piaster angegeben;nach Miers betrugen sie 181'7noch 1,101,282Piasterund 1824nurnoch 138,094Piaster. Die Ausfuhr des Kupfers wird vor der Revolution auf 20,00l) Cmtnerjahrlich angegeben. Chile erfreut sich eines ausgezeichneten Pflanzenreichs; außerseinen einheimischen Gewächsen, der Papa, Quinua, Oca, Bananas, Coco,Tunau., gedeihen alle europaische Getreide- und Obstarten; erstere sind stark imAnbau und wachsen sehr üppig; sie geben die Aussaat 50—lOOfaltig. Getreidewird viel, namentlich nach Peru, ausgeführt; ebenso sind getrocknete FrüchteGegenstand des Handels. Die Viehzucht ist, durch die Lage und das Klima desLandes begünstigt, blühend; das Pferd ist schön und in zahlreichen Heerdcn überdas ganze Land verbreitet; Rindviehheerden findet man 10 — 12,000 Stückstark; Fleisch, Talg und Haute bilden daher bedeutende Aussuhrartikel. Schafeund Ziegen besitzt Chile in noch größerer Anzahl als Rindvieh, und die Wolle, vor-züglich der Schafe an den Anden, ist von ausgezeichneter Güte. Der Handel insAusland geht aus den Hafen Coquimbo, Valparaiso, La Concepcion und dem Ha-fen San-Carlos auf Chiloe. Bei befestigter Ordnung und ruhiger Fortentwickelungdiefes Freistaats wird sein Handel mit Europa Bedeutung gewinnen. Die Be-völkerung unterscheidet sich der Abstammung nach in Ureinwohner und Ankömm-linge; jene sind freie Jndianerstämme, wie die Araucanos, und gehören zudemHauptvolke der Molurschen; die Ankömmlinge aber theilen sich in Creolcn, nachden Indianern die stärksten an Zahl, Mischlinge und Neger, welche letztere jedochblos auf 40,000 geschätzt werden.
Zweihundertsechzig Jahre lang war Chile, seit der Eroberung durch Pedrode Valdivia, eine spanische Colonie gewesen, als die Einwohner der HauptstadtSantiago am 18. Jul. 1810 den Generalcapitain Carrasco absetzten, und an seineStelle einen Eingeborenen, den Grafen de la Conquista, wählten. Unter diesemwurde der Plan zum Abfall von Spanien entworfen, und auf Betrieb des vonBuenos Ayres nach Chile gesendeten Alvarez de Jonte, eines Mannes, der umdie Befreiung Südamerikas große Verdienste hat, am 18. Sept. desselbenJahres eine Regicrungsjunta aus sieben der angesehensten Einwohner der Haupt-stadt eingesetzt. Die Provinzen bestätigten mir Freuden, was die Hauptstadt be-gonnen. Leicht und ohne alles Blutvergießen kam die Revolution zu Stande, denndie Zahl der Altspanier war in Chile gering, und Widerstand ihnen unmöglich. DerVersuch eines Spaniers, des Obersten Figuerra, die neuerrichtete Regierung zustürzen, mislang sl. April 1811), und brachte dem Urheber Verderben. Der ersteEongreß versammelte sich im Jun. 1811, und seine ersten Maßregeln zeugen eben-sowol von gesundem Verstand als von Freisinnigkcit: es wurden viele Misbräuchein der Verwaltung abgeschafft, unnöthige Amter eingezogen, Handelsfreiheit füralle Artikel, die im Lande selbst nicht fabricirt werden, proclamirt; die Besoldungder Geistlichkeit beschränkt und von der Staatskasse übernommen; die allmälige