Chemie 407
per auf verschiedene Anordnung derselben Bestandteile. (Vergl. eine Zusammen-stellung der isomerischen Verbindungen in Fechner's „Repertorium der Physik", 1,S. 23.) 3) Von neuen einfachen Stoffen sind seit der in das Jahr 1826 fallen-den Auffindung des Brom (f. d.), eines dem Chlor analogen Stoffs, durch Ba-lard, bloß dasVanadin und dasThorium (s. d.), zwei neue Metalle, entdecktworden, mindestens hat das von Osann im uralschen Platinerz angekündigte neueMetall, Pluran, seitdem keine neue Bestätigungen erhalten. 4) Große Rei-hen neuer eigenthümlicher salzartiger Verbindungen sind neuerdings entdecktoder zuerst genau untersucht worden, so die Schwefelsalze, Selensalze, Telluvsalzedurch Berzclius; die Chlorquecksilbersalze, Chlorpalladiumsalze, Chlorplatinsalzeu. s. w. (in welchen Quecksilberchlorid, Palladiumchlorid, Platinchlorid u. s. w.nach Art einer Saure, mit einen, Basi'sstelle dagegen vertretenden Chlormetalleverbunden ist) durch Bonsdorff; die Verbindungen von wasserfreien Oxyden undChlormetallen mit Ammoniak und Phosphorwasserstoffgas durch Rose und Persoz;die sogenannten entzündlichen Platinsalze durch Zeise. 5) Die Platinerzmetalle,Rhodium, Iridium, Palladium und Osmium sind von Berzelius einer neuendurchgreifenden Untersuchung theils ihrer Scheidung, theils ihren Eigenschaftennach unterworfen worden. 6) Die Atomgewichte mehrer einfachen Stoffe sind,besonders durch Berzclius, berichtigt oder zuerst bestimmt worden, so diederPlatin-erzmctalle und des Platins selbst, des Broms, Jods, Mangans, Thoriums, Lithiums,Titans (letzteres durch Rose). 7) Im Bereiche der organischen Chemie sind einesehr große Menge neuer eigenthümlicher Substanzen, zum Theil von sehr merkwür-digen Eigenschaften, entdeckt worden, so, um nur einige der interessantesten zunennen: das Amygdalin, Arlhanitin, die Caincasaure, das Columbin, Coniin,Elaterin, Erythem, Eupion, Granadin, Jmperatorin, Liriodendrin, Orcin, Oxa-mid, Paraffin, Plumbagin, Populin, Salicin, Santonin, Variolarin, Vulpu-lin u. s. w. Ferner ist die Zusammensetzung mehrer wichtigen organischen Bestand-theile genauer als bisher bestimmt worden, in welchem Bezüge vor allen Liebig'sBestimmung der Zusammensetzung der Alkaloide erwähnt zu werden verdient.
Die Erörterung der neuen chemischen Classification und Nomenklaturdurch Berzelius knüpft sich am natürlichsten an den Begriff der Salze. Frü-her hielc man es als wesentlich für den Begriff eines Salzes, daß ein zusam-mengesetzter Körper electronegativer Beschaffenheit (Säure) mit einem andernzusammengesetzten Körper elcktropositiver Beschaffenheit (Oxyde) verbunden,und daß der letztere eine Verbindung aus einem Metalle mit Sauerstoff sei.Nach Berzelius' neuer Ansicht dagegen heißt jede Verbindung eines Metalls, in»reicher eine Neutralisation der verbundenen Bestandteile stattfindet, Salz, un-angesehen die Verbindungsstuse, auf der sich das Metall befindet, und er stellt dem-gemäß folgende Classen und Ordnungen von Salzen auf: n) Sauerstosssalze,d. i. die gewöhnlichsten Salze, welche entstehen, »venu eine Sauerstoff haltendeSaure, wie Schwefelsäure,' Salpetersäure u. s. w., sich mit einem Oxyde, wieKali, Kupferoxyd u. s w., verbindet. K) Schwefelsalze, d. i. eine von Berze-lius erst neuerdings aufgestellte, und großenteils auch erst entdeckte Classe vonVerbindungen, »reiche entsteht, wenn ein elektropositives Schwefelmetall, wieSchweselkalium, Schwefelnatrium, Schwcfelzink u. s. w., sich als Basis mit einerelektronegativen Schwcfelvcrbindung, die Säurestelle dagegen vertritt, verbindet;sodaß also die Schwefelsalze den Sauerstosssalzen ganz analog sind, nur daß so-»vol in der Säure als Basis der Sauerstoff durch Schwefel vertreten wird. DieSchwefelverbindungen, welche als Säuren gegen elektropositive Schwefelmetalleauftreten, sind die höhern Schwefelungsstufen des Antimons, Arseniks, Molyb-däns, Tellurs, Wolframs, der Schwefelwasserstoff, Schwefelkohlenstoff, undman unterscheidet demgemäß Arsenikschwefelsalze, Molybdänschwefelsalze u. s. w,