Druckschrift 
Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
404
Einzelbild herunterladen
 

404

Chemie

und C.'s Vater dahin versetzt ward, vollendete er seine Schulstudien auf demGymnasium zu Heidelberg, das er im noch nicht vollendeten fünfzehnten Jahre,mit einer gründlichen Schulbildung ausgerüstet, verließ. Memlos denn umdiese Zeit starb sein Vater, und seine Mutter hatte erschon als Kind verloren undmit sehr geringem Vermögen war er nun sich selbst überlassen. So ungünstig die Aus-sichten waren, so groß war C.'s Hang zum Studium der Medicin, dem er sich mitgroßer Anstrengung von 1808 12 zu Heidelberg widmete. Seine Schriftüber die Anwendung der kalten und warmen Fomentationen bei Kopfverletzun-gen wurde 1811 von der medicinischen Facultät gekrönt; 1812 promovirte er.Darauf wendete er sich nach München, wo er unter Harz und Haberl das Militair-und Civilhospital besuchte. C. ward mit Harz sehr bald befreundet, und ihm somanche Gelegenheit, sich praktisch auszubilden. Im Winter 1812 18besuchte C. Landshut, wo damals Walther lehrte, kehrte jedoch nach Münchenzurück, und übernahm im November die Stelle eines Hospitalarztes in Ingol-stadt, wo ein verheerender Typhus unter den zahlreichen französischen Gefangenenherrschte. C. ward selbst von der genannten Krankheit befallen, und begab sichzu seiner völligen Wiederherstellung nach München, wo ihm von dem großherzog-lich badischen Kriegsministerium die Stelle eines Regimentsarztes angetragenward, die er unter der Bedingung annahm, nach geendigtem Feldzuge mit Bei-behaltung dieser Stelle seine literarische Bildungsreise fortsetzen zu dürfen. Erfolgte den badischen Truppen nach Frankreich; nach dem Frieden kehrte er mit die-sen nach Karlsruhe zurück, wo er kurze Zeit im Garnisonhospitale den ärztlichenDienst besorgte. Sehr bald ging er jedoch nach Wien, wo er die Kliniken vonHildenbrand, Zang, Beer, Rust, Kern besuchte, und nach neunmonatlichemAufenthalt bei dem Ausbruche des zweiten französischen Krieges wiederum denTruppen nach Frankreich folgte. Nach beendigtem Kriege ging C. nach Göttin-gen, und nach einem fünfmonatlichen Aufenthalte daselbst über Dresden nach Ber-lin, wo er sechs Monate blieb; von da über Halle, Leipzig, Jena, Würzburg nachParis. Hier erhielt er 1817 den Ruf als außerordentlicher Professor der Chi-rurgie nach Heidelberg. Dort angelangt, errichtete er die chirurgisch-ophthal-miatrische Klinik, und eröffnete seinen Hörsaal, aus dem seit jener Zeit eine großeMenge ausgezeichneter Ärzte hervorgegangen ist. C. gehört zu den ersten deut-schen Lehrern der Chirurgie und hat in Bezug auf das Wissenschaftliche undPraktisch-Nützliche seiner Lehrmethode eine Meisterschaft erreicht, die ihm keindeutscher Lehrer dieser Disciplin streitig machen kann. Er ist ein ebenso großerArzt als Wundarzt, und das beredteste Beispiel, daß nur auf wissenschaftlichemWege die wahre chirurgische Ausbildung erreicht werden kann. C. hat sich um dieAufklärung der schwierigsten Lehren der Chirurgie, Augenheilkunde und der Meoi-cin wahres und bleibendes Verdienst erworben. Ein Meisterwerk hat er in seinemHandbuche der Chirurgie" (2 Bde., vierte Aufl. Heidelberg 1832) geliefert,das in Bezug auf Styl, Darstellung, Anordnung, Deutlichkeit und Ausführungvon keinem Werke des In- und Auslandes übertroffen wird, und das trotz Nach-druck und Lehrerkabale im ganzen gebildeten Europa verbreitet worden ist. Außer-dem hat C. andere und große schriftstellerische Verdienste. Er ward 1819 ordent-licher Professor, 1821 Hofrath, 1826 geheimer Hofrath, 1827 Ritter des Ordensvom zähringer Löwen und 1831 Ritter des großherzoglich darmstädtischen Haus-und Verdienstordens. (2)

* Chemie. Unter den Wissenschaften, welche in der neuesten Zeit dieraschesten Fortschritte gemacht haben, verdient vielleicht die Chemie obenanzu stehen, und auch jetzt ist noch kein Stillstand in ihr sichtbar, vielmehr bringtjedes Jahr eine so große Masse neuer Thatsachen im Gebiete derselben zumVorschein, daß es schwer fällt, ihren Fortschritten zu folgen und eine Übersicht

i?

Fl' M"

ZO---

Ä

M, kK h!-

AM»»«-

Ali llN

k!l>