Chateaubriand
397
ins il
Borschlag der ewigen Verbannung und zur Verteidigung seines Princkps der Legi-limitat. Eine neue Gelegenheit, sein politisches Glaubensbekenntniß zu bestätigen,bot sich ihm dar, als die Polizeibehörde zu Paris ein Geschenk von 12,000 Francs,das die Herzogin von Berry nach dem Ausbruche der Cholera zur Unterstützung derArmen einsendete, abgelehnt hatte, weil sie dieser milden Gabe politische Absichtenunterlegte und ynt den Umtrieben der Karlisten in Verbindung setzte. C. sprach indm Zeitungen und in einer Flugschrist lebhast für diese Angelegenheit, bestritt dieKefugniß der Behörde, ein den Armen bestimmtes Geschenk abzuweisen, suchte denVorwand der Weigerung zu widerlegen und unterzog sich selbst der Vertheilung derGabe. — Gegen das Jahr 1827 hatten die Buchhändler Lefevre und LadvocatC. das Verlagsrecht seiner sämmtlichen Schriften für 550,000 Francs abgekauft.Hiervon soll er jedoch in der Folge aus freien Stücken 200,000 Francs abgelassenhaben, da die Verleger bei dem Ungeheuern Kaufpreise ihre Rechnung keineswegsgefunden hatten, weil von C.'s ältern Schriften schon eine Menge von Auflagenuud 'Nachdrücken veranstaltet worden waren. Die Prachtausgabe seiner Schriftenvon Lefevre und Ladvocat ist in den Jahren 1829 — 31 in 20 Bänden und einemSupplementhefte erschienen. Einige Andeutungen über das Neue, das diese Samm-lung enthält, dürften hier an ihrer Stelle sein. Den ersten Band, der C.'s erstesWerk: „Lssui Zur les revolutions", umfaßt, eröffnet eine allgemeine Vorrede, woriner in seiner Manier über sein unstätes Schicksal klagt. „Mein Leben", sagt er, „istsehr unruhig gewesen; mehrmals bin ich übers Meer gesegelt. In der Hütte derWilden habe ich gelebt und im Palaste der Könige, in den Gefilden und in den Städ-ten; zwei Gewichte, die an meinem Schicksale hängen, machen, daß ich beständigin gleichem Verhältnisse auf- und absteige. Man nimmt und verläßt mich; dannnimmt man mich nackt wieder; Tages darauf wirst man mir einen Mantel zu,um ihn hernach wieder wegzuziehen. Dafür habe ich mich an die Windstöße ge-wöhnt, und in welchem Hafen ich auch anlange, so betrachte ich mich doch stetswie einen Reisenden, der bald wieder das Schiff besteigen wird, und denke auf demfesten Lande an keine stete Niederlassung. Zwei Stunden haben zugereicht, umdas Ministerium zu verlassen und die Schlüssel des Hotels Demjenigen, der es be-wohnen sollte, zu übergeben." Dem „Lssm" fügt er viele kritische und berichti-gende Anmerkungen und eine interessante Vorrede hinzu, worin er über die Ent-stehung dieses Werkes und über seine frühern Lebensumstände Ausschlüsse gibt.Er gesteht, daß die Gesellschaft, die er besuchte, die Bücher, die er damals las, aufjene Schrift großen Einfluß hatten. Er wollte zeigen, daß es nichts Neues unterder Sonne gebe, und daß sich in alten und neuern Staaten ähnliche Begebenheitenals in Frankreich zugetragen hatten. Dies gab Gelegenheit zu manchen auffallen-den, aber auch zu einigen gezwungenen Vergleichungen. Die Bitterkeit einigerseiner Urtheile entschuldigt er mit dem Ausdrucke: „Ein Schriftsteller, welcher amZiele seiner Laufbahn zu stehen glaubte und in der Verlassenheit seiner Verban-nung seinen Leichenstein zum Schreibpult brauchte, konnte keinen heitern Blickauf die Welt werfen; man muß es ihm verzeihen, wenn er sich zuweilen den Vor-urtheilen des Unglücks überläßt; denn das Unglück hat seine Ungerechtigkeiten,wie das Glück seine Härte und seine Undankbarkeit." Als C. 1800 nachFrankreich zurückgekehrt war, und sich hier als religiösen Schriftsteller gezeigt hatte,ließ man späterhin einige Auszüge aus seinem Werke über die Revolutionen wie-der abdrucken. Er wollte es selbst ganz wieder herausgeben. Dies aber fandSchwierigkeit unter der Napoleonischen Polizei. Nach der Rückkehr der Bourbonswurde das Werk ohne seine Zustimmung wieder abgedruckt*), und dies bewogihn, es mit zahlreichen Anmerkungen und strengen Rügen in die Sammlung sei-
*) Ein correcter Abdruck der frühern Ausgabe erschien Leipzig 1816 in 2 Bdn.