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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
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Chateaubriand

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einschreiben zu lassen, damit sie im Falle einer Auflösung der Deputirtenkammersogleich bereit seien, andere Volksvertreter zu wählen. Diese Warnung an die Wahl-manner schloß mit einer kräftigen Warnung an die Minister, denen er zurief,mit ihrer Censur und andern gewaltsamen Maßregeln hatten sie das Übel schlimmergemacht. Wollten sie alle Gemüther besänftigen, so sollten sie einzig der Staats-verfassung gehorchen, da diese ein Bedürfniß der Zeit sei. So lange aber das trau-rige Regierungssystem der Minister dauere, welches der Krone schade, die Freiheitersticke, die Meinungen unterdrücke, Handel und Gewerbe zerstöre, könnten dieBürger nur in unabhängigen Wahlen 'ihr Heil finden. Da Villele's Mini-sterium noch im folgenden Jahre fortbestand, so schlug C. in der Pairskammerbei Erörterung des jährlichen Budgets vor, den Ministern keinen Heller zuzugeste-hen und sie dadurch zu zwingen, ihre Entlassung zu suchen, und einem verständi-gem Ministerium Platz zu machen. Er erklärte, daß Villele's Verwaltung ihmmehr Besorgniß als Zutrauen einflöße, und daß von derselben die gänzliche Zerstö-rung der Freiheiten der Nation, besonders der Preßsreiheit, zu befürchten sei. DasBudget ging zwar durch, als aber bei den Wahlen zur nächsten Sitzung die Libera-len in der Mehrzahl erschienen, begriff Villele, daß er gegen die neue Kammer nichtStand halten würde, und zog sich mit seinen Collegen zurück. Es trat nun einvernünftigeres Ministerium unter Martignae's Leitung ein. C. kam wieder inGunst und wurde als französischer Botschafter nach Rom geschickt, zur Zeit wosich das Conclave versammelte, um einen neuen Papst an Leos Xkl. Stelle zuwählen. C. hielt eine lange Anrede an das Eonelave, worin er sich über denEinfluß des Christenthums auf Sitten und Aufklärung ausließ, und auch einigeconslittttionnell-politische Ideen mit untermischte, die hier wol etwas ganz Neueswaren. Eine ähnliche Rede war vor den versammelten Cardinälcn niemals ge-halten worden. Martignac mußte Polignac weichen; Emigrirte und Ultraroyali-sten bekamen ihren Einfluß wieder. C. konnte mit diesen Leuten nicht mehr imEinverständnisse leben. Er wurde hintangesetzt und beschäftigte sich mit seinenliterarischen Arbeiten, besonders mit seinenLtucles in^oi-i^nes", wovon er einBruchstück bei einer öffentlichen Sitzung der Xcuckemie frnn^nise vorlas, derenMitglied er seit 1816 war. An der Juliusrevolution nahm C. nicht den gering-sten Antheil. Als aber die von der Deputirtenkammer beschlossenen Abänderungender Verfassungsurkunde an die Pairskammer gelangten und hier in Berathung ge-zogen wurden, hielt er seine merkwürdige Rede zu Gunsten des Herzogs vonBordeaux. Er gestand in dieser Rede, daß nichts gerechter und heldenmüthigerhatte sein können als die Vertheidigung des pariser Volks gegen die Truppendes meineidigen Königs, oder, wie er sich ausdrückte,gegen die Verschwörungder Dummheit und Scheinheiligkeit"; ein großes Verbrechen habe das Volk zueinem kräftigen Aufstande gereizt, nur meinte er, Härte man sich nicht von derStammlinie des königlichen Hauses entsernen, und da Karl X. und sein Sohn,der Herzog von Angouleme, abgedankt hätten, den Herzog von Bordeaux als Kö-nig anerkennen, und diesen unter einer constitutionnellen Regentschaft zum verfas-sungsmäßigen Regieren erziehen sollen.Ich bin weder romanhaft noch ritter-lich, Und will auch kein Märtyrer werden", sagteer,ich glaube keineswegs an dasgöttliche Recht der Könige, ich glaube an die Macht der Revolutionen und derThatsachen. Nicht einmal die Versassungsurkunde rufe ich an; meine Begriffekommen weiter her; ich ziehe sie aus der philosophischen Sphäre, aus der Zeit,worin mein Dasein zu Ende geht. Ich schlage den Herzog von Bordeaux bloß alseine Nothwendigkeit von besserm Gehalte vor als diejenige ist, worauf man sichstützt. Als eine unnütze Kassandra habe ich den Thron und die Pairie mit mei-nen misgeachteten Warnungen ermüdet; es bleibt mir nichts weiter übrig, als michauf die Trümmer des so oft von mir vorhergesagten Schiffbruchs niederzusetzen.

C/ I

MM

Ä