394 Chateaubriand
die er unter Ludwig X^III. gespielt hatte, obschon er nicht mehr im Ministeriumsaß. Der Feldzug nach Spanien, den er auf eine romantische Art vor den Kam,mern zu vertheidigen gesucht, und den besonders er betrieben hatte, war ganzanders ausgefallen, als er es vorhergesehen, und hatte die traurigsten Folgen.Frankreich hatte viele Millionen verschwendet, um Spanien wieder unter das Jochdes Despotismus und des Aberglaubens zu stürzen, obgleich C. vorher verkün-digte, Ferdinand VII. werde seinem Volke eine zweckmäßige Verfassung geben.Canning konnte sich nicht enthalten, im Parlament auf eine verächtliche Weiseauf das Resultat der französischen Expedition in Spanien anzuspielen, und zwarbei Gelegenheit des Vorschlags, ein englisches Heer nach Portugal zu senden.Die treffenden Worte Canning's beleidigten den französischen Staatsmann un-gemein, und in einer Rede, die er 1826 bei der Erörterung des Vorschla-ges einer 'Antwort auf die Thronrede zur Eröffnung der Session hielt, konnte ernicht umhin, dem englischen Staatsmanns, den er doch seinen Freund nannte,zu antworten. Zwar hütete er sich wohl, tief in die Folgen der sogenannten In-tervention zu Gunsten Ferdinands einzugehen; er gestand sogar, daß das Da-sein eines freien Volkes eine Gewahrleistung für ein anderes freies Volk sei.„Ich glaube", sagte er, „daß man nirgends auf diesem Erdboden eine guteStaatsverfassung umstößt, ohne zugleich das ganze menschliche Geschlecht zutreffen." In eben diesem Jahre widersetzte C. sich mit Nachdruck dem Gesetzvor-schlage in Betreff der Herabsetzung der Rente der Staatsschuld von 5 zu 3 Procent.Er hatte das Gesetz, welches den Emigrirten eine Milliarde zur Entschädigung fürdie eingezogenen Güter bewilligte, mit wenigen Einschränkungen gutgeheißen, sounpopulair es auch in Frankreich war; der Herabsetzung der Rente widersetzte er sichzum Theil aus dem Grunde, weil die Nation nicht ermangeln würde darüber zumurren, daß man die Emigrirten auf Kosten der Staatsgläubiger entschädige,da man diesen entziehen wolle, was man jenen zugesagt habe. Der eigentlicheGrund seines Widerspruchs war aber sein Groll auf Villele. Im folgenden Jahrewollte das Ministerium versuchen, durch Gewaltstreiche zu regieren, und sobalddie Session der gesetzgebenden Kammern zu Ende war, führte es mittels einerbloßen königlichen Ordonnanz die Censur wieder ein. Jetzt trat C. mit allerKraft seines Geistes auf und schrieb mehre Flugschriften, welche in Tausendenvon Exemplaren verbreitet wurden. Einige Wochen zuvor hatte er auch in derPairskammer mit vielem Nachdrucke zu Gunsten der Preßfreiheit gesprochen. Erhatte sich in die Schweiz zurückgezogen, um von da aus die Sammlung seinerSchriften zu besorgen, welche in Paris erscheinen sollte. Sobald er von derUnterdrückung der Preßfreiheit hörte, und seine Freunde, besonders die Herausgeberdes „louim-A <ies ckebuts", seine Gegenwart nöthig erachteten, um für die Preß-freiheit zu kämpfen, war er herbeigeeilt und hatte Hand an das Werk gelegt.„Ich fodere", sagte er, „die Preßfreiheit mit der Überzeugung eines treuen Unter-thans, mit dem Bewußtsein zurück, daß ich für die Sicherheit des Throns kämpfe.Bei uns hat die Repräsentativverfassung noch nicht so tiefe Wurzeln geschlagen,daß sie für sich selbst bestehen könnte; sie kann es nur mittels der Preßftei-heit." Und anderswo: „Ohne die Preßfreiheit taugt das Repräsentativsystem nichts,und es wäre ebenso gut unter dein Divan von Konstantinopel zu stehen." DieAbgeschmacktheiten der Censur beleuchtete er scharf, und nie waren sie in ein so grel-les Licht gestellt worden. Um diese Zeit war C. die Hoffnung der Liberalen; siehatten keinen geschicktem und populairern Vertheioiger als ihn; durch sein Talentbesonders wurde die Censur so verhaßt, daß die Regierung zuletzt einsah, siewürde mit'derselben wenig fördern. Er trat auch noch in demselben Jahre mir einerWarnung an die Wahlmänner: „vermer uvis uux älecteurs", hervor, worin erseine Mitbürger dringend bat, auf ihrer Hut zu sein und sich in die Wahllisten