Druckschrift 
Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
383
Einzelbild herunterladen
 

Carus

383

- Mi!«

, M Wd^ilN'

wurde. Er verwaltete dies fünf Monate, ohne selbst zu erkrgnken, erlag aber spä-wr der nach der Schlacht in der Stadt ausbrechenden fürchterlichen Nerven-sirberepidemie, und erstand erst nach fechswöchentlichem schweren Krankenlager,um nun sein schon langer vorbereitetes erstes anatomisches Werk:Versuch einerDurstellung des Nervensystems und insbesondere des Gehirns" (Leipzig 1814,4.),herauszugeben und mit sechs von ihm selbst gezeichneten und gestochenen Kupfer-lastln zu begleiten. Um diese Zeit erhielt er den Antrag einer Professur in Dor-mt; als aber diese Unterhandlung sich zerschlug, folgte er im Spatherbst 1814 ei-nem Rufe nach Dresden an die daselbst neuorganisirte chirurgisch-medicinische Aka-demie als Professor der Entbindungskunst und Director der geburtshülflichen Klinik.Zn Dresden, wo die heitere Natur und die reichen Kunstschatze, sowie manchergelehrte oder kunsterfahrene Freund belebend und anregend einwirkten, entstandennach und nach mehre bedeutende Werke. Zuerst erschien 1818 seinLehrbuch derZootomie", mit 20 von ihm selbst radirten Tafeln; dann feinLehrbuch der Gynä-kologie" (2 Bande, Leipzig 1820 u. 1828);, 1824 (Leipzig, 4.) seine von der Aka-demie zu Kopenhagen gekrönte Preisschrift:Von den äußern Lebensbedingungenderweiß- und kaltblütigen Thiere"; nicht minder dieSammlung kleiner geburtshülf-lichen Abhandlungen (2 Bandchen, 1826); das erste Heft seiner großen, von denbesten Künstlern gestochenenErläuterungstafeln zur vergleichenden Anatomie",welchen spater noch zwei Hefte gefolgt sind; und 1827 (Leipzig, 4.) machte er feineEntdeckungenÜber den Blutkreislauf der Insekten" bekannt. In diesem Jahre er-hielt er die ehrenvolle Ernennung zum Leibarzt bei dem Könige von Sachsen, welcheStelle er, entbunden von der 13 Jahre mit Ehren geführten Professur der Geburts-hülse, mit dem Range eines Hof- und Medicinalrarhes annahm. Bei Gelegenheitder Ablehnung eines sehr ehrenvollen und vortheilhaften Rufes nach Berlin wardihm (1828) der Civilverdienstorden zu Theil, und in demselben Jahre, nachdem erzuvor die Herausgabe derGrundzüge zur vergleichenden Anatomie und Physiolo-gie" (Z Bandchen, Dresden 1828), wie seines großen WerkesÜber die Ur-Theile des Knochen- und Schalengerüstes" (Leipzig 1828, Fol.), die Frucht zehn-jahrigerForschungen, beendigt hatte, durfte er den Prinzen Friedrich auf dessen Reisenach Italien und der Schweiz begleiten, von welcher Reise er die wissenschaftlicheAusbeute in seinenAnalekten zur Natur- und Heilkunde" (Dresden 1829) be-kannt gemacht hat. Obwol seine jetzige Stellung ihm die Verpflichtung zu öffent-lichen Vortragen nicht auflegt, so veranlaßte ihn doch der Wunsch eines zahlreichenKreises von Staatsmannern, Gelehrten und Künstlern, schon im Winter 182728 Vortrage über Anthropologie, und 182930 über Psychologie zu halten. Letz-tere Vortrage erschienen (Leipzig 1831) im Druck. Außerdem daß nun in diesenZeiträumen ihn mannichfaltige einzelne naturwissenschaftliche Arbeiten beschäftigten,wn welchen z. B. die der leopoldinischen Akademie" und dieZeitschrift fürNatur-und Heilkunde" mehre enthalten, war auch der Aufenthalt in Dresden seinenkünstlerischen Bestrebungen förderlich gewesen. Mehre seinerGemalde befinden sicht Besitze von Gliedern der Regentenhäuser zu Dresden, München, Berlin und Pe-tersburg, und über den höhern Sinn, in welchem ihm die Kunst der Landschaftsma-lerei immer erschienen war, sprach er sich in den wahrend der Jahre 1816 24 ge-triebenen und 1831 (Leipzig) herausgegebenenBriefen über Landschaftsmalerei"ütis. Nur eine ausgedehnte arztliche Praxis unter den höhcrn Standen Dresdensund den vielen dort lebenden Fremden, sowie die Geschäfte der höhern Medicinal-verwaltung, haben in den letzten Jahren seine Thätigkeit nach andern Richtun-gen engere Schranken gezogen. Wir erkennen in dieser flüchtigen Skizze das reichausgestattete Leben eines seltenen Mannes, der es in unserer nach Universalitätstrebenden, aber auch die Oberflächlichkeit begünstigenden Zeit durch die vollstän-'gste und gründlichste Ausbildung des Geistes zur Virtuosität in mehr als einer