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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
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Cancrin

höchsten Gewalt bestimmt und die Freiheit des Volkes verbürgt hatten, das Ohrdes Machthabers zu gewinnen gewußt, und selbst in Staaten, die sich constitution-nelle nennen, ist ein solcher Einfluß wirksam gewesen, wenn eine mangelhaste Ver-fassung die Verantwortlichkeit der höchsten Staatsbeamten nicht sicherte. DieseGeheimgewalt wie man das Fremdwort verdeutschen möchte, da die ausheimi-sche Pflanze leider auch in Deutschland angebaut worden ist reizt darum über-all, wo sie neben den verfassungsmäßigen Inhabern der höchsten Gewalt wirkenkann, das Volk zu gerechten Beschwerden oder zu stillem Unmutbe, weil es dieNotwendigkeit erkennt oder instinktmäßig fühlt, daß seine wichtigsten Angelegen-heiten nur in den Händen Derjenigen sicher ruhen, die durch unwandelbare Gesetzeverpflichtet, nicht Diener der Willkür sind, und wirksam zu verfassungsmäßigerVerantwortlichkeit gezogen werden können.

Cancrin (Graf), General der Infanterie und Finanzminister des russischenReichs, ward 1773 zu Hanau geboren. Sein Vater, als technologischer Schrift-steller in der deutschen Literatur rühmlich bekannt, stand damals in hessischen Dien-sten als Director der Berg- und Salzwerke dieses Landes, verließ dieselben aberspäter, um in russische Dienste zu treten, wo ihm die oberste Leitung der Salzwerkezu Staraja Russa im Gouvernement Nowgorod übertragen wurde. Der junge C.erhielt seine erste wissenschaftliche Bildung auf dem Gymnasium zu Hanau und be-zog 1790 die Universität Gießen, wo er sich dem Studium der Nechtsgelehrsamkeitwidmete, dem er hier und späterhin zu Marburg bis 1794 oblag. Nach vollendetenUniversitätsjahren kam C. nach Gießen zurück, wo er ein glänzendes Examen be-stand, jedoch in seinen Bemühungen, eine Anstellung im hessendarmstädtischenStaatsdienste als Regierungsassessor zu erhalten, scheiterte. Er begab sich daher179k nach Rußland zu seinem Vater, wo er schneller eine große Laufbahn bei derMilitärverwaltung machte. Er wurde 1812 vom Kaiser Alexander mit der höchstwichtigen Stelle eines Generalintendanten der Armee bekleidet, was ihm denn nacheiner langen Trennung Gelegenheit gab, seine alten Freunde in Deutschland zubesuchen. Nach dem Tode des Generalcontroleurs der Finanzen, Baron von Cam-penhausen, wurde C. an die Spitze der Finanzen des russischen Reichs berufen, dieer seitdem mit noch ausgedehntem Vollmachten als sein Vorganger und unterdem Titel eines Finanzministers mit großem Ruhme verwaltet hat. Diesem kur-zen Abriß von C.'s Lebensumständen fügen wir noch einige flüchtige Notizen überden Charakter und die individuellen Tendenzen dieses Staatsmannes bei, sowiesich solche vornehmlich in seinen frühern Jahren offenbarten, Notizen, deren Echt-heit wir um so eher verbürgen zu können glauben, da wir solche den Mitteilungenseiner Jugendfreunde und Zeitgenossen auf der Hochschule verdanken, deren gegen-wärtige Stellung aber jeden Verdacht absichtlicher Schmeichelei von ihnen entfernt.Ein glühender Eifer für das Gute, gepaart mit einem energischen Charakterund einem scharfen Überblicke der Verhältnisse zeichnete den jetzigen Finanzmini-fter Rußlands in seiner Jugend aus. Bei einer reichen Fülle allgemeiner wissen-schaftlicher Bildung besaß er einen viel zu umfassenden Geist, um sich auf das ju-ristische Studium, dem er sich widmete, allein zu beschränken e neben diesem Stu-dium betrieb er zugleich das der Staatswissenschaften und blieb auch selbst inder schönen Literatur kein Fremdling. Im Bereiche dieser ledern trat C. sogarin frühester Jugend schon als Schriftsteller auf. Außer mehren kleinen Anhand-lungen nennt man ihn als den Verfasser eines Romans, betitett ^ Dago-bert, eine Geschichte aus dem jetzigen Freiheitskriege" (Altona k, 9/>. Nac?diesem Roman zu schließen, huldigte C. damals mit wahrem Feuereifer den iheits- und Gleichheitsideen der ersten französischen Revolution, die bekanntlich amoin Deutschland viele Anhänger und Freunde fanden. Während seiner Univeryt^-jähre zu Gießen stiftete C. in Gemeinschaft mit einigen andern studirenden ,