348
Burdett
4.), und auf seine letzte Arbeit: „Die Physiologie als Erfahrungswissenschast",aufmerksam, von welchem Meisterwerke von —30 drei Bande in Leipzigerschienen sind (die beiden ersten mit Beitragen von v. Baer, Rathke und Meyer),und wenigstens noch eben so viele erwartet werden. Was durch die umfassendsteKenntniß, gründlichste Sichtung und Verarbeitung des empirischen Materials, durchstreng logische Anordnung und die geistvollste Ableitung aus, oder das besonnensteAufsteigen zu allgemeinen Principien für die Feststellung einer Wissenschast ge-schehen kann, ist hier mit unvergleichlichem Geschicke geleistet. Überhaupt zeichnensich alle Arbeiten B.'s durch eine meisterhafte Architektonik und systematische Abge-schlossenheit aus, welche der strengen Form ungeachtet doch keineswegs eine heitereund anziehende Eleganz entbehrt. Konnten wir auch über das äußere Leben B.'snur wenig mittheilen, so sind wir doch, seinen Werken nach, vollkommen vondem Reichthume seines innern Lebens überzeugt, und dürfen von demselben nochherrliche Früchte für die Wissenschaft, und namentlich für die Wissenschaft vomLeben, erwarten.
Burdett (Sir Francis), geb. am 25. Jan. 1770, stammt aus einem sehralten Geschlechte, das seit Wilhelm dem Eroberer in der Grasschaft Derby ansässigwar und schon lange die BaroUetwürde besitzt. Als er in der Schule zu Westminsterseine erste Bildung erhalten und einige Jahre in Oxford gelebt hatte, macht? er unterderLeitung des gelehrten Chevalier, der durch seine Schriften über Troja bekannt ist,eine Reise durch Europa, die in die erste Zeit der französischen Revolution siel. B.war Zeuge der merkwürdigen Austritte, welche dieses Ereigniß begleiteten, und anden europäischen Höfen, die er besuchte, hatte er Gelegenheit, die Ansichten undBeweggründe der Männer, welche in jenen unruhigen Zeiten die Angelegenheitender Staaten leiteten, kennen zu lernen. Nach seiner Rückkehr erhöhte er durch seineVerbindung mit der Tochter des reichen Banquiers Eoutts sein eignes ansehnli-ches Vermögen und setzte sich dadurch in den Stand, die Nslle zu spielen, die ihnin den frühern Jahren seines öffentlichen Lebens zu einem Manne des Volkesmachte. Er wurde 1796 für den Flecken Boroughbridge, der dem Herzoge vonNewcastle, dem bekannten Wahlfleckenkrämer (b<iroiiAb-m<'li-;er), gehört, als Par-lamentsglied ernannt; auch einer der nicht seltenen Fälle, daß laute Ankläger derMisbräuche der verderbten Wahlart ursprünglich Vertreter verfaulter Flecken gewe-sen sind. V. trat in die Reihe der Opposition als heftiger Anhänger der neuenWhigs, die sich durch diesen Namen von ihren gemäßigten Meinungsverwandtenunterschieden, welche die unverrückte Erhaltung der bestehenden Verfassung zu ih-rem politischen Glaubensbekenntnis machten. Sein Ehrgeiz hoffte an der Spitzedieser Partei das Ziel zu erreichen, dem er entgegenstrebte. Im Hause der Gemei-nen eine wahre Volksrepräsentation zu gründen, kündigte er stich als die Aufgabeseines politischen Lebens an, und erhielt bereits 1799 Gelegenheit, sich in derVolksgunst festzusetzen, als er zu der Zeit, wo die Habeascorpus-Acte aufgehobenwar, die gesetzwidrige Behandlung rügte, welche die wegen politischer Vergehun-gen Verhafteten in den Gefängnissen erdulden mußten. Es gelang ihm 1302durch die Mittel, die dem reichen Manne zu Gebote standen, und durch Anwen-dung aller bei Wahlscenen gewöhnlichen Künste, für die erste Grasichast Englands,für Middlessex, ins Parlament gewählt zu werden und über den von den Mini-stern begünstigten Mitbewerber einen glänzenden Triumph zu feiern, der ihn«, wiedas Gerücht sagte, wol über 40,000 Pf. St. kosten konnte, da er unter Anderman den Wahltagen alle Miethkutschen in London in Beschlag nahm, um es denFreunden seines Gegners zu erschweren, die Wähler auf den Wahlplatz zu brin-gen. Bei den Verhandlungen in den nächsten Jahren stand er zwar mit den dama-ligen berühmten Wortführern der Opposition nicht auf gleicher Höhe, doch war eres, der zuerst gegen Addington's schwaches Ministerium kräftig auftrat. Nach Pitt v
Mi».
Mm im