344 Bülow (Gottfried Philipp v.)
Wallmoden'schen Truppencorps sich rühmlich auszeichnete und unter andern den^t.-Wladimirorden erwarb. Als 1814 der Friede zu Paris geschlossen war, gingB., um seine Studien zu vollenden, nach Heidelberg zurück. Gleich im nächstenJahre aber zogen die Weltereignisse ihn abermals aus der Studienruhe, und inParis, wo der zweite pariser Friede unterhandelt wurde, und B. sich bei demTtaatskanzler Fürsten von Hardenberg für den preußischen Staatsdienst undfür das diplomatische Fach gemeldet hatte, erhielt er die Bestimmung, in demwichtigen Geschäftskreise, den der Staatsminister Freiherr von Humboldt für dienoch zu erledigenden deutschen Gebietsvcrhandlungen in Frankfurt am Main an-treten sollte, unter der Leitung dieses hochverdienten, scharfsinnigen und gewandtenStaatsmannes beschäftigt zu werden. Konnte dies Verhältnis schon an sich alsein seltenes Glück betrachtet werden, so entwickelte sich daraus doch bald nachhernoch ein höheres. Die liebenswürdige Familie des Ministers von Humboldt kamaus Italien nach Frankfurt am Main, und nach kurzer Zeit knüpften sichdie Bande, durch welche B. als Gatte der jüngsten Tochter Humboldt's fürimmer ein Mitglied dieses edlen Familienkreises wurde. Humboldt begab sich1817 als preußischer Gesandter nach London, wohin der nunmehrige Lega-tionsrath von B. ihn als Gesandtschaftsecretair begleitete. Im folgenden Jahretrat Humboldt wieder eine Ministerstelle in Berlin an, und B. blieb mit denGeschäften der Gesandtschast beaustragt in London zurück. Hier erwarb er denRuhm eines so thätigen als gewandten und umsichtigen Geschäftsführers, sowieeine genaue und Liefe Kenntnis; des gesammten englischen Staatslebens, eine poli-tische Schule, die sich gewiß Niemand besser zu wünschen vermag! Durch die Fa-milienverhältnisse angezogen, verließ er nach einigen Jahren diesen bedeutendenPosten und trat in Berlin als geheimer Legationsrath in das Ministerium der aus-wärtigen Angelegenheiten. Hier nahm er an den wichtigsten Geschäften dieses De-partements Theil, und insbesondere waren ihm alle Arbeiten und Verhandlungenzugewiesen, die sich auf commerzielle Verhältnisse bezogen. Er wurde 1824 Kam-merherr, Ritter des rothen Adlerordens, sowie Commandern des polnischen Sta-nislausordens und des weimarischen Falkenordens, und 1827 erhielt er den erle-digten Gesandtschaftsposten in London, deiner seitdem mit Ansehen und Erfolgrühmlich vorgestanden. Der wichtige Antheil, den B. in der neuesten Zeit alsBevollmächtigter Preußens an den londoner Conferenzen über die holländisch-belgi-sche Frage genommen hat, ist allgemein bekannt, aber noch zu neu, um ein Ge-genstand näherer Erörterung sein zu dürfen. Man rühmt an ihm unter vielenvorzüglichen Eigenschaften sein gefälliges und gehaltenes Benehmen und seinenmuntern, bei einigem Hange zur spöttischen Laune doch gutmüthigen Sinn, derstets Vertrauen einflößt. Seine Ansichten gelten für frei und scharf, über Perso-nen und Sachen sich leicht erhebend, in Geschäften klar und sicher. Seine loyaleDenkart und patriotische Gesinnung verbürgen in ihm unter allen Umständen einender würdigsten Staatsdiener.
Bülow (Gottfried Philipp von), ehemaliger braunschweigischer Kammer-director, Commandern des Guelsenordens, geb. zu Braunschweig den 29. Sept.1770, hat unter der Regierung des Herzogs Kar! von Braunschweig durch die eigen-thümliche Stellung, in welche sein Dienstverhältnis im Ministerium dieses Fürstenihn gebracht hatte, die Blicke seines Vaterlandes sowol als des Auslandes auf sich ge-zogen. Nach gründlicher Vorbildung studirte er 1789 — 92 die Rechte aus der Uni-versität zu Helmstädt, durchlief, von 1793 an, unter der heimischen und der fremdenRegierung, in verschiedenen Ämtern bei den höhern Justizbehörden, unter der ehren-vollsten 'Anerkennung seines Wirkens, die Bahn des öffentlichen Dienstes, bis er,seit 1819 zweiter Kammerdicector zu Braunschweig, nach dem Ausscheiden des Ge-heimraths von Schmidt aus dem herzoglichen Ministerium 1826 von dem Herzog