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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
342
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342 Bulgarin

Lage auf einer gegen die Alpen offenen Ebene und an einem schiffbaren Strome,das ehrwürdige Münster u. A. mußten, zumal bei einem Dichtergeiste, als Erzie-hungsmittel wirken. B. besuchte das ulmcr Gymnasium 20 Jahre hindurch,denn das Warten aufStipendien machte dort alte Stipendien. Er genoß den Unter-richt des wackernSchmid, nachherigenPrälaten, der in sich classische und reale Bildungin schönem Gleichgewichte trug und sehr anregend auf das Studium der neuesten Ge-schichte wirkte. Neben den Classikern sah sich B. fleißig in Reisebeschreibungen,naturhiftorischen und geschichtlichen Werken um; Philosophie zog ihn frühzeitigan; von Romanen las er nur die sogenannten klassischen, von Rittergeschichtennur ein paar. In Jean Paul war er verliebt; Schiller stellte er weit über Göthe,den er erst auf der Akademie begriff, um ihm von nun an alle Gewalt über sich ein-zuräumen. Auf seine Ansicht der menschlichen Institute hatte Moser viel Einfluß.Musik nahm ihm viel Zeit, und die frühe Liebe zur bildenden Kunst wurde mitvorrückenden Jahren leidenschaftlich, und Veranlassung zum Erwerb einer kleinenSammlung. B. ging mit schnellem Entschluß von der Theologie zur Rechtswis-senschaft über, die er in Landshut und dem heitern Würzburg seit 1804 studirte.In diese Studienzeit fallt eine Reise zu Jean Paul und ins Fichtelgebirge. Er be-suchte 1806 Wien, prakticirte spater in Augsburg, wurde 1809 Landgerichtsas-sessoc im Eichstadtischen, kam als solcher 1810 nach Söflingen bei Ulm und lebtseit 1811 als Registrator in Stuttgart. Die Gewohnheit, mit der Feder in derHand zu lesen, führte ihn endlich in die Reihe der Schriftsteller. Seine Erstlingeerschienen in denSüddeutschen Miscellen" von Rehfues, dann in Zeitschriften undAlmanachen zerstreute Abhandlungen, Skizzen, launige Aufsage, Erzählungen.Einzeln erschienen:Lebensansichten" (Stuttgart 1814);Erzählungen undMiscellen" (Tübingen 1818 und 1820);Bilder aus dem Schwarzwalde"(2 Bde., Stuttgart 1828 31);Ansichten von höhern Dingen" (Stuttgart1829);Neueste Erzählungen" (Stuttgart 1830). (43)

Bulgarin (Thaddäus), wurde 1789 in Lithauen geboren. Sein Va-ter, welcher, wie mehre seiner 'Angehörigen, unter Kosciuszko focht, gerieth nachdem unglücklichen 'Ausgange des Kampfes in eine so bedrängte Lage, daß seineGattin sich nach Petersburg begab, wo ihr Sohn 1798 in das Cadettenhaus auf-genommen wurde. Der Knabe vergaß hier bald seine Muttersprache, und unter dertheilnehmenden Sorgfalt seiner Lehrer, die sein früherwachtes Talent pflegten,machte er schnelle Fortschritte. Als er 1803 das Cadettenhaus verließ, ward er indem Uhlanenregimente des Großfürsten Konstantin angestellt und diente in demFeldzuge gegen Frankreich mit so viel Auszeichnung, daß er nach der Schlacht beiFriedland den Annenorden erhielt. Nach dem tilsiter Frieden lebte er kurze Zeit inPetersburg, bis der Krieg gegen Schweden ihn nach Finnland führte, wo er mitdem Vortrab unter Kamenski bis nach Tornco kam. Durch unangenehme Ver-hältnisse veranlaßt, verließ er nach seiner Rückkehr den russischen Kriegsdienstund begab sich nach Warschau, wo mehre seiner Verwandtem lebten. Spaterging er nach Frankreich, trat in französische Dienste und kam 1810 zur Armee inSpanien. Die Ereignisse, welche er dort erlebte, hat er in einer Schrift, die1823 unter dem Titel:Erinnerungen aus Spanien", erschien und später indie Sammlung seiner vermischten Schriften aufgenommen wurde, sehr anzie-hend dargestellt. Zu Anfange des Feldzugs von 18! 4 gerieth er in preußische Ge-fangenschaft, erhielt aber nach einiger Zeit seine Freiheit wieder und begab sich inNapoleons Hauptquartier, der ihm den Befehl über eine Abtheilung von Frei-willigen übergab. Mit Napoleons Fall endigte seine kriegerische Laufbahn. Erging nach Warschau und schrieb verschiedene humoristische und poetische Arbeitenin polnischer Sprache, mit welcher er sich in Spanien wieder vertraut gemachthatte. Als seine Verwandten ihn nach Petersburg schickten, um gewisse Rechts-