Bretschneider
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und durch Reinhard's Gunst wurde er 1807 Oberpfarrer zu Schneeberg, schon imfolgenden Jahre aber zum Superintendenten in Annaberg gewählt, erhielt einJahr spater einen Ruf als Professor der Theologie nach Königsberg, den erausschlug, wurde 1812 in Wittenberg nach Vertheidigung einer Dissertationüber die Theologie des Josephus Doctor der Theologie und ward endlich 1818an Lössler's Stelle als Generalsuperintendent nach Gotha berufen. — Gründ-liche und umfassende Gelehrsamkeit zeichnen diesen Theologen ebenso sehr ausals klares und scharfes Denken. Das System des sogenannten rationalen Su-pernaturalismus, zu welchem er sich bekennt, hat zwar, besonders unter densachsischen Theologen, nach Reinhard's Borgang eine nicht geringe Anzahl vonVerehrern, und unter ihnen ausgezeichnete Namen, ist aber in seinem wis-senschaftlichen Grunde wankend und kann nur praktisch einige Bedeutung ha-ben. Bei seinem Bemühen, die orthodoxe Dogmatik zum Theil noch festzuhalten,hat sich jedoch B. von absichtlicher Verdrehung und Verdunkelung der Wahrheitdurchaus unbefleckt erhalten, und treue Wahrheitsliebe und freies Denken leuchtenbei ihm überall hervor. Er ist einer der fleißigsten und fruchtbarsten Schriftsteller,und als solcher besonders in der Exegese, Dogmatik, praktischen Theologie und inzahlreichen Flugschriften über die Angelegenheiten der Zeit rühmlich thatig gewesen.Für die Exegese und Hermeneutik sind außer seiner Habilitationsdissertation („Ooiibri sapientiae parte priere cap. I — IX", Wittenberg 1804) und mehrenandern kleinern Schriften, sein treffliches Werk: „Die historisch-dogmatische Aus-legung des Neuen Testaments" (Leipzig 1808), seine Ausgabe des Jesus Sirachsi,1über.lesu Hiraciüae", Regensburg 1808), seine berühmten „UrodxchilmawLvanAelii et epistolarmu loannis ^postoli mckole et ori^ine" (Leipzig 1820),welche durch ihre scharfsinnigen Zweifel an der Echtheit der Johanneischen Schrif-ten neue Untersuchungen kraftig anregten, und sein „Griechisch-lateinisches Lexikonzu den Büchern des Neuen Testaments" (2 Bde., Leipzig 1828 und 1829) aus-zuzeichnen. Die Dogmatik bearbeitete er in doppelter Gestalt, in wissenschaftli-cher Form, nämlich in dem „Versuch einer systematischen Entwicklung aller in derDogmatik vorkommenden Begriffe nach den symbolischen Büchern der evange-lisch-lutherischen Kirche" (Leipzig 1805, dritte Aufl. 1824), und in dem „Handbuchder Dogmatik der evangelisch-lutherischen Kirche" (2 Bde., Leipzig 1814 —18,dritte Aufl. 1828), worin er die kirchlich-symbolische Lehre mit der Vernunft zuvereinigen strebte. Für praktische Theologie und populaire Religionslehre sind,außer einer großen Anzahl einzeln gedruckte Gelegenheitspredigten und seiner„Predigten an Sonn- und Festtagen" (2 Bde., Leipzig 1828), das „Lehrbuch derReligion und der Geschichte der christlichen Kirche" (Gotha 1824 und 1827),„Heinrich und Antonio, oder die Proselyten der römischen und evangelischenKirche" (Gotha 1828, vierte Auflage 1831, mehrfach übersetzt) bemerkens-werth. In seinen zahlreichen Flugschriften berührt er die meisten bedeutungs-vollen Ereignisse auf dem Gebiete der Theologie und Kirche, und immer erscheinter als kräftiger Kämpfer für Freiheit des Denkens und Lehrens. So erhob er sichauch gegen Harms in der anonymen Schrift: „Beleuchtung der 95 reformatori-schen Streitsätze, welche Herr Klaus Harms herausgegeben hat" (Leipzig 1818), sosprach er für die Union der beiden evangelischen Kirchen in den „Aphorismen überdie Union der beiden evangelischen Kirchen in Deutschland" (Gotha 1818), soübernahm er die Rechtfertigung der deutschen freiforschenden Theologie gegen dieAnklagen des Engländers Rose in der auch ins Englische übersetzten „Apologie derneuern Theologie des evangelischen Deutschlands" (Halle 1828), und so stritt erkräftig gegen die von der „Evangelischen Kirchenzeitung" ausgegangenen Eingriffe indie protestantische Lehrfreiheit und die Verketzerung des Rationalismus, in zwei„Sendschreiben an einen Staatsmann über die Frage: ob evangelische Regierun-
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