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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
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314
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314 Braunschweig

hemmt waren, als ein segnender Genius erschien. Der Aufschwung der Gemü-ther, welchen die bedeutungsvolle Zeit herbeiführte, riß das schlummernde Talentzu dichterischen Erzeugnissen fort, welche die Stimmung nährten und erhöhten.Am meisten beförderte der Waffenbund das neuerwachte öffentliche Leben und einegesellige Gleichstellung aller Staatsangehörigen, wie sie nur aus einem volkstüm-lichen Sinne hervorgehen kann. Auch in den übrigen Städten des Landes wurdenim Laufe der nächsten Monate zum Schutze der errungenen Freiheit Bürgergardenerrichtet, die sich bald bei dem Drohen der Gefahr zum engern Verein an einan-der schließen sollten. Die nächste Sorge, welche die Braunschweiger beschäftigte,war die Frage, welche Ansicht die auswärtigen Höfe über ihr Beginnen ausspre-chen würden. Doch wer es wußte, wie sich bereits die Stimme der Fürsten überden Charakter des Herzogs Karl ausgesprochen hatte, wer erwog, welchen Eindruckdie Erhebung Frankreichs für die Freiheit und bald auch die Aufstände in Deutschlandhervorbrachten, den konnte kein Zweifel an dem endlichen Siege der guten Sacheerschüttern. Es wurden indeß auch die nöthigcn Unterhandlungen nicht versäumt;zugleich aber enthüllten jetzt die Landstände vor dem tief ergriffenen Fürsten, unterwelchen Freveln seit Jahren das unglückliche Volk gelitten hatte *); und HerzogWilhelm erklärte schon am folgenden Tage (28. Sept.), daß er auf ihren drin-genden Wunsch die Regierung bis auf Weiteres übernehme, fügte indeß hinzu,daß er sich eifrig bemühen werde, durch eine mit seinem Bruder anzuknüpfendeUnterhandlung dessen Zustimmung zu erlangen. Zugleich überließ er den Land-ftänden, den König von England um Vermittelung und Schutz zu bitten. Diesersagte zwar Beides zu, hatte auch gegen den an ihn abgeordneten Grafen Obergdie biedern Braunschweiger belobt, versuchte aber vergebens den Herzog Karl wah-rend seines Aufenthalts in London durch das Lockmittel bedeutender Jahrgelderzur Verzichtleistung auf den verlorenen Thron zu bestimmen. Mit neuer Erbit-terung verließ der unstäte Flüchtling zu Anfange des Novembers das freie Insel-reich, wo ihn überall der Hohn des Volks verfolgte, zunächst um den Erfolg derindessen bei dem Bundestage angeknüpften Unterhandlungen zu beschleunigen.Doch wurde gerade jetzt (19. Nov.) von dem Bundestage die so lange vergebens vonden Braunschweigern ersehnte Anerkennung der landständischen Verfassung, diesich nun bereits factisch geltend gemacht hatte, ausgesprochen, und der Herzog ver-ließ Frankfurt sehr schnell.

Die Nachricht von seiner 'Ankunft in Deutschland hatte in Braunschwcigden größten Eindruck gemacht; am 22. Nov. veranlaßte das bloße Gerücht, er seiin Richmond eingetroffen, eine Ausammenberufung der Bürgergarde, welche nununter freiem Himmel das feierliche Gelübde aussprach, Gut und Blut wider dieRückkehr des Herzogs Karl und gegen jeden Versuch der Verdrängung des HerzogsWilhelm einzusetzen. Herzog Karl hatte wirklich den Plan zu einer Contrerevolu-tion gemacht, der aber nur das ohnmächtige Sträuben des nun von Allen verlas-senen Verbannten war. Seine Erklärung, die Negierung selbst wieder übernehmenzu wollen, bestimmte jetzt den Herzog Wilhelm zu der Bekanntmachung, daß, dader Herzog Karl sich gegenwärtig außer Stande befinde, die Regierungsgewalt aus-zuüben, er nun auch ohne dessen Zustimmung, auf die Aussoderung des Königsvon England, die Administration fortführen werde, bis des Landes endliches Schick-sal entschieden sei. Von dem Herzog Karl war indeß ein anderer Abenteurer,dem er sich angeschlossen hatte, zum Generalstatthalter des Landes ernannt wor-den, der für diesen Preis versuchen sollte, eine Volksbewegung zu Gunsten desHerzogs zu veranstalten. Der selbst Betrogene wurde jedoch an den südlichenGrenzen des Herzogthums ergriffen. Man fand bei ihm mehre zum Theil im Na-

*) Die ständische Darstellung ist in Koch's Schrift abgedruckt.