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Erster Band (1832) A bis E
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313
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Braunschweig

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einen Anführer, den Kaufmann Ludwig Löbbecke, und bekam Schießgewehre aus: d>emZeughaufe. Sie trat mit dem Militair in die engste Verbindung, und beide c xh lei-ten in der musterhaftesten Eintracht durch ununterbrochene Anstrengung die O rd-nung aufrecht. Man fragte, wie die wiedergewonnene Ruhe befestigt werdensolle. Der Ausschuß der Landstande war auch schon am 8. Sept. zufammengetret enund versprach die baldige Berufung des Landtages. Aller Hoffnungen aber ri chte-ten sich auf den Herzog Wilhelm, welcher, in preußischen Kriegsdiensten, dama.ls inBerlin stand. Entschlossene Manner beriethen eine Adresse, durch welche derselbeeingeladen wurde, einstweilen die Zügel der Negierung zu übernehmen. Arm 9.ward sie mit zahlreichen Unterschriften versehen. Doch wahrend man noch zwi-schen Sorge und Hoffnung schwankte, wie sich Alles entwickeln werde, erscholl am10. Sept. Mittags die Kunde: Herzog Wilhelm ist in Richmond! Man lneltdies Anfangs für eine der vielen Erfindungen der aufgeregten Stimmung; dochbald durfte man nicht mehr zweifeln, und Alt und Jung eilte nach dem Strandevon der Stadt liegenden Lustfchlosse, um sich von der Wahrheit des ungehossUenGlückes zu überzeugen. Schon der rasche Entschluß und das Vertrauen, von wel-chem er Zeugniß gab, gewannen dem jungen Fürsten alle Herzen. Jubelnd erwar-tete man ihn an der Treppe des Schlosses, und als er hervortrat, knüpfte ein un-aufhaltsames Lebehoch den Bund zwischen dem neuen Fürsten und dem begeister-ten Volke. Bald zog der Herzog, von den Behörden der Stadt über den Zustand'der Dinge unterrichtet, von dem General von Herzberg, dem Commandantcn derBürgergarde, begleitet, durch die Straßen der Stadt, welche allgemeiner Jubel er-füllte. Nur Ein Stoff zur Unzufriedenheit war noch vorhanden, das Fortbestehendes bisherigen Staatsministeriums. Der unverholene Ausdruck der öffentlichenMeinung gegen die Mitglieder desselben veranlaßte den Herzog Wilhelm schon inden ersten Tagen, ihnen zwei rechtliche und geschäftskundige Männer, von Schlei-nitz und Schulz, zuzugesellen und bald das frühere Ministerium aufzulösen, wor-auf der Graf von Veltheim an die Spitze der neuen Verwaltung trat.

Es war damals eine schöne Zeit! Ein öffentliches Leben war erwacht, wiees Braunschweig feit Jahrhunderten nicht kannte, wie es in solcher Gestalt erst indem Zeitalter gesetzlicher Freiheit und humaner Bildung erscheinen konnte. AufEinen großen Zweck waren alle Bestrebungen gerichtet, und Jeder im Volke, derdie Kraft dazu fühlte, war berufen mitzuwirken; einem geliebten Fürsten denThron zu sichern, damit die Freiheit gedeihe, war die gemeinsame Aufgabe Aller.Nur einzelne Besorgnisse traten dazwischen; aber die entfernte Gefahr diente nurdazu, die Einigkeit zu befestigen, das Gefühl der Kraft zu erwecken und das schöneBewußtsein froher Bereitwilligkeit, für das Vaterland auch das Höchste zu opfern,lebendig zu erhalten. Durch gemeinsame Linderung des Elends, welches dieSchrecknisse der Natur über das Land verbreitet hatten, sollte sich zuerst der Bundzwischen dem Fürsten und dem Volke enger schließen. Bald gaben Liebe und Achtunggegen den Fürsten, bald Manner, die sich in den Tagen der Gefahr höhere Ver-dienste erworben, Veranlassung zu frohen Festen. Erst jetzt empfand man, wiewichtig die Volksvertretung fei, und zollte Denen, die für die Erhaltung derselbenfurchtlos gekämpft hatten, die froheste Anerkennung. Der reinste Enthusiasmusbeseelte Alles ; das ganze Volk schien verbrüdert, der Unterschied der Stande ver-schwunden. Jede Nachricht, jedes drohende Gerücht ward ohne Rückhalt mitge-theilt, Bekannten und Unbekannten, meistens in freier Versammlung in öffent-lichen Garten, die das erst jetzt eingetretene ununterbrochen schöne Wetter begün-stigte, sodaß Herzog Wilhelm auch dem Landmanne, dessen Arbeiten lange ge-

H Vergl. (Koch)Der Aufstand der Braunschweiger am 6. und 7. September,seine Veranlassungen und seine nächsten Folgen" (Braunschweig 18Z0).