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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
311
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Braunschweig

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Abends öffentlich und insgeheim thätig gewesen sei, ist schwer zu sagen. Durch diegedrohte Gewaltthat waren Alle entrüstet; der langverhaltenc Grimm der NiedernElassen wurde dadurch plötzlich zur Wuth gesteigert; das Beisammensein derGleichgestimmten ermuthigte, und die rasche Leidenschaft konnte auch zu nie ge-ahmten Thaten fortreißen. Andererseits mochte diese Stimmung von Denen, diesich dazu berufen glaubten, benutzt und geleitet worden sein. Nie hätten sie alleindieselbe hervorrufen können, doch setzen es mehre Spuren außer Zweifel, daß hieretwas vorbereitet war. Die große Mehrzahl der Bewohner Braunschweigs warvon den Ereignissen auf das höchste überrascht. Am andern Morgen war die Auf-regung allgemein. Der Herzog hatte im Laufe der verflossenen Nacht den Befehlgegeben, aus dem Pulvermagazine über 5000 Pfund Pulver in eine der Stadt-kirchen zu schaffen. Ein entschlossener Bürger begab sich in das Schloß, sobaldman zur Vollziehung jenes Befehles schritt, und der anfänglichen Zurückweisungnicht achtend, trat er in des Herzogs Zimmer, um im Namen der Bewohner desbedrohten Stadttheils zu erklären, daß sie ihr Leben und Eigenthum nicht aufsSpiel setzen lassen wollten. Es erfolgte sogleich der Befehl, das Pulver in dasMagazin zurückzubringen. Bis um 1 Uhr zögerte indeß der Herzog, ehe er denMagistratsdirector mit sechs Stadtdeputirten vorließ, dann aber, auf die dringen-den Vorstellungen von der herrschenden Gährung, bewilligte er, daß die Kanonenin das Zeughaus zurückgeführt werden sollten, und es wurden 5000 Thlr. zur Un-terstützung der Armen und mehre Beschäftigungen für die Tagelöhnerclasse verspro-chen. Der Wunsch wegen Berufung der Landstände wurde nicht berücksichtigt;zugleich erklärte der Herzog, er werde das Schloß selbst zu beschützen wissen und kei-neswegs halbe Maßregeln nehmen. Die Kanonen, mit Ausnahme derer, welche dasSchloß beschützen sollten, wurden nun zwar unter dem Jubel des Volks fortge-schafft; aber die Verspechungen des Herzogs, welche sogleich durch eine Proklama-tion bekannt gemacht wurden, erschienen ungenügend und fanden kein Vertrauen.Der Herzog war schon zur Abreise entschlossen; in düsterer Stimmung erwarteteer die Dunkelheit. Am Abend bewaffneten sich die Bürger; gern sahen sie sichder Pflicht das Schloß zu beschützen überhoben. Der Herzog ließ dasselbe um7 Uhr von dem gesummten Militair besetzen und wiederholte noch mehrmals denBefehl, bei den ersten Unruhen auf das Volk zu schießen, obgleich der braveGeneral von Herzberg vor Vergießung von Bürgerblut dringend warnte, undendlich erklärte, er würde nur dann zum Angrisse commandiren, wenn der Her-zog, neben ihm stehend, den Befehl dazu ertheilte. Die Gitterthore waren ge-sperrt. Es sammelten sich immer zahlreichere Haufen vor dem Schlosse. Sietobten, pfiffen und schrien; bald brachen sie den Namenszug des Herzogs ausdem Eisengitter und griffen dann das mit dem Schlosse in Verbindung stehendeKanzleigebäude und den Thorweg des Schloßgartens an. Unter wüthendem Ge-schrei zerschlug die Menge diesen und die Fenster des Kanzleigebäudes; der Eingangzum Innern des Schlosses war eröffnet; der Herzog glaubte sich nicht mehr sicherund suchte sein Heil in eiliger Flucht, von einem Theile der Truppen begleitet. Dasweitere Verfahren gegen das Volk hatte der Herzog dem General von Herzberg zurAnordnung und Verantwortung überlassen; den unmittelbaren Befehl zum Feuernertheilte er nicht, vielleicht aus Furcht vor der Wuth der Menge. So entkam eraus dem Thore. Die Haufen, welche in das Schloß eingedrungen waren, wolltenindeß ihrem Grimme Luft machen; unter furchtbarem Geschrei wurden die kostbar-sten Gerathschaften zertrümmert, Niemand dachte noch an Bereicherung; Alles,was an den Verhaßten erinnerte, sollte vernichtet werden. Die Zerslörungswuthrief die Elemente zu Hülfe; der Ruf nach Feuer erscholl, und bald loderte dieFlamme aus den Fenstern des Archivs, wo die seltensten Urkunden der erste Raubdes Feuers wurden. Jetzt ward die Verwirrung grenzenlos; Neugierige und Ret-