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seinem schrecklichsten Lichte. Er konnte den Eindruck auf die Menge nicht verfeh-len. Jede That schien gegen Den gerechtfertigt, der die Fülle der Macht benutzte,um ungestört den Frevel zu üben; die graßliche Verheißung, welche in jenen bei demLeichnam gesprochenen Worten lag, reizte nur zu höherer Wuth. Dazu kam derEntschluß des Herzogs zu einer neuen Reise in das Ausland. Die Sorge für denWinter erwachte lebhaft, und wer für Andere, wer für sich selber sorgte/glaubte diekurze Zeit, wo noch gehandelt werden konnte, benutzen zu müssen. Am 1. Sept.stellte eine Deputation von Bürgern dem Herzoge die Notwendigkeit vor, der be-drängten Lage des Volkes, die sich in lauten Beschwerden kundgebe, abzuhelfen;zugleich sprach sie die Bitte um Berufung der Landstande aus. Der Herzog ant-wortete ausweichend, und bald wurden scharfe Patronen an die Besatzung ver-theilt, und Befehl gegeben, die Beurlaubten einzuberufen. Dieses Verfahren schienindeß den meisten Bewohnern Braunschweigs noch so wenig begründet, daß manes ebenso lacherlich als verabschcuungswürdig fand. Die Einberufung der Beur-laubten verbreitete namentlich die Gahrung durch das ganze Land. Ähnliche Ein-drücke machte es, als Montags den 6. Sept. 16 Kanonen auf einem öffentlichenPlatze aufgefahren wurden. Eine große Menge Menschen sammelte sich um dasGeschütz und betrachtete halb lächelnd das ungewohnte Schauspiel. Zugleich aberkochte es in den Gemüthern, und die thatliche Drohung rief den Sturm her-bei, den sie zerstreuen sollte, ehe er noch zum Ausbruche reif war.
Am Montag Abend sammelte sich eine ansehnliche Menschenmenge vor demTheater, und man will hier auch wohlgekleidete Masken gesehen haben. Bei derNachricht davon verließ der Herzog plötzlich seine Loge und eilte in den Wagen.Sein Begleiter Alloard, der nach ihm einsteigen sollte, wurde von mehren starkenMannern, die eilends herzusprangen, zurückgerissen. Der Herzog fuhr rasch da-von, die Volksmasse stürmte ihm nach. „Nieder mit dem Herzog!" rief man vonvielen Seiten. Geschrei und gellendes Pfeifen erscholl; Steine flogen durch dieFenster des Wagens. Die Raschheit der Pferde entriß ihn den Verfolgern, die ver-geblich versucht hatten, die Strange abzuschneiden. Die unbefriedigte Wuthwandte sich dann gegen einige Laternen und die Fenster mehrer öffentlichen Gebäude.Der Schloßhof ward indeß mit Soldaten besetzt, und man sperrte die Zugänge;dichte Menschenhaufen drängten sich an das Gitter. Der Herzog zeigte sich zuPferde mit gezogenem Degen; er wollte die Truppen gegen sein Volk anführen,doch sandte er erst den General von Herzberg an das eine Gitterthor, um die ver-sammelte Volksmenge zu beruhigen. „Es lebe Herzog Wilhelm! Es lebe der Ge-neral von Herzberg!" scholl es ihm entgegen. ' Das allgemeine Verlangen gab sichin abgebrochenem Ausruf kund: „Arbeit! — Erlaß der Personalsteuer! — Land-stände!" Dazwischen ließen sich wüthende Drohungen wider den Herzog ver-nehmen. Durch den General Herzberg ward dann Anweisung von Arbeit verspro-chen, über die Berufung der Landstände aber sollten die Behörden sich berathen.Doch konnte der General den Herzog nicht ohne Mühe von dem Vorsatze zurück-bringen, mit Kartätschen unter die Menge feuern zu lassen. Darauf wurde derMagistratsdirector Bode mit dem Polizeidirector Gravenhorst dem Herzoge gemel-det, welche die dringendsten Vorstellungen machten, die Stadt durch Aufstellungeiner Bürgergarde vor dem aufgeregten Pöbel zu sichern. Erst auf wiederholtenAntrag bewilligte der Herzog die Bewaffnung der Bürger mit Säbeln und Piken,unter der ausdrücklichen Bedingung aber, daß Niemand Schießgewehre führenund kein bewaffneter Bürger in die Nähe des Schlosses kommen sollte. So wenigwagte er es, den bessern Bürgern zu vertrauen! Um Mitternacht wurde indeß dievor dem Schlosse versammelte Menge durch Husaren ohne Anwendung von Ge-walt zerstreut. Der Herzog war auf Sicherung seiner Schätze bedacht, die er mein festes Gewölbe des Schlosses bringen ließ. Wer bei den Vorgangen diesem