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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
309
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Braunschweig

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seinem ?tufenthalte in Paris schämte er sich nicht der elendesten Künste zu denkleinlichsten Ersparungen. Die Heimath schien er fast zu vergessen, als ihn dasSchicksal plötzlich dahin zurückschreckte. Der Tyrann glaubte sich nicht sicher, wodas Panker der Freiheit wehte; vor dem Sturme der Juliustage entfloh er in wil-der Eile aus Paris, wanderte, den weichlichen Bcttwagcn vergessend, nechre Stun-den zu Fuß und hielt sich erst in Brüssel geborgen. Doch als ob die Furien ihmfolgten, verjagte ihn auch aus Belgien der Ruf der Freiheit.' So wandte er sich,mit innerm Widerstreben, nach der Heimath. Mit einem neuen Günstling, demFranzosen Alloard, stahl er sich fast heimlich in die Stadt (13. Aug. 1830). DieStimmung der Braunfchweiger gegen den Herzog war indeß noch erbitterter ge-worden. Das Land litt im Laufe des Sommers 1830 in mehren Gegenden durchWasserfluten, Miswachs und Hagclschlag; doch vergebens erwartete man eineHandlung der Milde. Dagegen war neuerlich mehren der verdientesten Männer,namentlich Mitgliedern des Landesgerichts, in Folge einer eigens erlassenen despo-tischen Urlaubsverordnung, die Erlaubnis zu Bade- und Erholungsreisen ver-weigert worden. Die Geschäfte waren wahrend der Abwesenheit des Herzogsfast ganz in den Händen eines aus der Schreibstube erhobenen Günstlings, desKanzleidirectors Vitter, gewesen. Man hatte Einrichtungen getroffen, dieGerichte von der Laune des Herrschers abhangig zu machen und das Staats-vermögen seiner unbeschrankten Verfügung zu unterwerfen. Der Herzog schiengeglaubt zu haben, in seiner Abwesenheit das Gebäude des Despotismus unge-straft vollenden zu können. Jetzt konnte er, auch ohne die Vorgänge in Paris,seinen gekrankten Unterthancn nur mit Furcht sein Antlitz zeigen. Er hatte Nie-mand für sich gewonnen; seine Leidenschaften hatten ihn selbst über jedes Mittel,ihre Befriedigung zu sichern, verblendet. Vergebens bemühte sich Bitter, zur Feier derRückkehr des Herzogs eine Erleuchtung der Stadt zu Stande zu bringen. Die Furchtvor einem nahen Aufruhr verließ den Herzog nicht mehr. Ängstlich und wiederholtwurde die Polizei befragt, ob nicht bedenkliche Vorzeichen sich kundgäben. Unddaran fehlte es nicht; hausig fand mar; drohende Mahnungen in niedriger und inedler Sprache ausgestreut, und die Späher des Herzogs mochten manches keckeWort hinterbringen. Bei dem Herzog erhöhte die Furcht den Anschein der Ge-fahr; das zufällige Ablaufen eines Rades seines Wagens, welches den Warnungs-ruf: Halt! veranlaßte, ließ ihn einen Mordversuch besorgen. Unter den MittlernStanden der Gesellschaft, welchen der Aufruhr als etwas Ungeheures erscheint,dachte man noch nicht an den nahen Ausbruch des gährenden Vulkans. Was in denhöhern Kreisen, die sich mehr zu der Leitung des Ganzen berufen glauben, schon jetztvorbereitet werden mochte, liegt im Dunkel. Die Drohungen der untersten Classekonnten für Ausbrüche eines machtlosen Unwillens gelten. Noch war es Zeit,dem nahen Sturme auszuweichen, ja selbst ihn zu beschwören. Aber in der Seeledes Herzogs fehlten alle Bedingungen zu einer Umwandlung, wie sie die Lageder Dinge foderte. Die Lehren, welche ihm das Schicksal in schreckender Nähevorhielt, hatten ihn nur noch mehr verhärtet. Er überredete sich selbst, daß maß-lose Gewalt den Aufruhr in die Schranken zurückweisen müsse, und schalt denKönig Karl einen Thoren, weil er das Volk nicht zu zwingen gewußt habe. Alser von einem Fackelzuge hörte, durch welchen man die bevorstehende Rückkehr desHerrn von Sierstorpff feiern wolle, gab er Befehl, die etwa zusammenlaufendeMenge mit Kartätschen auseinanderzusprengen. Um den fremden Günstlingohne neue Kosten zu versorgen, beschleunigte er den Tod des Viceoberstallmcistersvon Oeynhausen durch die ausgesuchtesten Quälereien, die er bis kurz vor dem Ab-scheiden desselben fortsetzte, eilte dann in wilder Hast zu dem kaum erkalteten Leich-nam, und stieß hier, unter Verhöhnung des Tobten, die Worte aus:Ich mußmich an Leichen gewöhnen!" Dieser Vorfall zeigte den Charakter des Herzogs in