Brasilien
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cedur an. Allein auch gegen diese Versammlung konnte das Ministerium sich nichtbehaupten. Der Marquis Barbacena siel in Ungnade, und die Minister Calmar undCaravellas mußten abdanken. An ihre Stelle traten Paruaqua, Ioao Antonio Lis-boa und Ioze Antonio da Silva Maria. So ward die Regierung durch fortwahrendeVeczwistung mit den Stellvertretern des Volks immer mehr in ihrem Gange gehemmtund in neue Schwierigkeiten verwickelt. Auch die Persönlichkeit Don Pedros flößtenach Allem, was bisher geschehen war, kein größeres Vertrauen ein, zumal da er durcheinen Unfall schwer verletzt, eine Zeitlang sich den öffentlichen Angelegenheiten nichthatte widmen können. Nur die Kaiserin befaß die Liebe des Volkes. Ihr Gemahlgefiel sich vorzüglich in dem Umgange mit einigen Offizieren, Hofleuten, Fremdenund Portugiesen. Unter seinen frühern Günstlingen aber trug am meisten zu demFalle des Kaisers in dem Vertrauen und der Liebe der Brasilier ein Mann bei,den er von Stufe zu Stufe erhoben und mit den wichtigsten Austragen beehrt hatte,Filisberto Caldeira Brant, jetzt Marquis von Barbacena (s. d.). Dieserwußte die Vertrauten des Kaisers zu entfernen, ward aber späterhin von ihnenentlarvt und gestürzt. Nun trat er auf die Seite der Opposition in den Kammernund griff in einer Flugschrift die ganze Neichsverwaltung an. Bald hatte er sichder revolutionnairen Presse bemächtigt und verbreitete durch Zeitschriften gegen dieHofpartei, welche den Kaiser umgab, jenen Haß, der endlich die Abdankung desKaisers zur Folge hatte. Das Mittel, dessen sich der leidenschaftliche Journalis-mus bediente, um die Regierung zu stürzen, war auf die Reizbarkeit des unerfahre-nen und phantafiereichen Brafiliers berechnet, sowie auf seinen natürlichen Wi-derwillen gegen Alles, was portugiesisch war oder sich auf Portugal bezog. Inbeider Hinsicht schilderte man mit den verführendften Farben den immer steigendenWohlstand der Vereinigten Staaten, die Alles ihrer föderalistischen Verfassungund ihrer Enthaltung von den europäischen Staatshändeln verdankten. Dadurchbreiteten sich föderalistische Ideen durch alle Provinzen Brasiliens aus; vorzüglichunter den stolzen Besitzern von Majoraten, mit denen Brasilien angefüllt ist. DonPedro erkannte diese gefährliche Richtung des öffentlichen Geistes. *) Sein Herzhing an Europa, durch seine Gemahlin, feine Tochter und durch taufend Erinne-rungen aus seiner Kindheit. Brasiliens wankende Krone war ihm eine Last. Jndeßwagte er den letzten Versuch, sich in der Mitte seines Reichs selbst einen Stützpunktzu verschaffen.
Die Provinz Minas Geraes**) wird für die civilisi'rteste und reichste allerbrasiliischen Provinzen gehalten. Ihre Einwohner sind am wenigsten von einanderunterschieden und zeigen die meiste Nationalität. Auch die Bewohner Brasilienserkennen die Überlegenheit von Minas Geraes an, und Don Pedro durfte glau-ben, daß er, wenn er diesen Theil des brasilischen Reichs für sich gewänne,er durch denselben einen großen Einfluß auf alle übrigen ausüben würde. Schonfrüher hatte er daselbst Reisen gemacht; er kannte die Mineiros: also faßte er die
*) In einer vor seiner Reise nach Minas Geraes an die Brasilier erlassenenProclamation vom 22. Febr. sagte er, es gebe eine anarchische Partei, welche durchdie Juliusrevolution in Frankreich gereizt, die unverletzliche Person des Kaisers mitSchmähungen überHaufe und das Volk zuConföderationen auflodere; er warne vordiesen verderblichen Lehren; man solle an der Constitution festhalten und ihm Ver-trauen schenken.
**) Diese Provinz, östlich von Goyaz, südlich von Pernambuco, westlich von Ba-hia und Espiritu Santo, nördlich von San-Paülo, an den Quellen des Paranüund Francisco gelegen, ist das bekannte, an Gold und Diamanten reiche Gebirgs-land. Es soll auf etwa 12,000 fsjM. gegen 400,000 Einwohner enthalten. DieHauptstadt Villa Imperiale del Ouro Preto (d. h. kaiserliche Stadt vom schwar-zen Golde), bis 1822 Villa Ricca genannt, zählt gegen 40,000 Einwohner. Außer-dem sind noch die Städte Marianna und Tejuco zu bemerken. — In obiger Dar-stellung sind wir einem Berichte Aug. de Saint-Hilaire's gefolgt.