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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
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Brasilien

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In der am 1. April d. I. vom Kaiser eröffneten Sitzung der gesetzgebenden Versamm-lung klagte der Monarch als eine Ursache dieses Aufruhrs unter Anderm auch dieZügellosigkeit der Presse an *); er empfahl die nothwcndige Verbesserung derRechtspflege und ließ einen Gesetzentwurs über die Naturalisation der Auslandervorlegen, sowie den Plan zur Errichtung einer neuen Bank, um die Finanzen her-zustellen. Allein in den lebhaften Debatten über die Bankangelegenheit und über-haupt zeigte sich wenig Ubereinstimmung zwischen den Ministern und der Kammer.Der Kriegsminister Alvarez wurde von der Versammlung, wegen der Niedersetzungder schon erwähnten Militaircommission in Pernambuco ohne Erlaubniß der gesetz-gebenden Gewalt, in Anspruch genommen und nur mit 39 Stimmen gegen 32freigesprochen, mußte aber dennoch seine Stelle niederlegen. Indeß sprach sich dieOpposition nicht sowol gegen die Minister als gegen den Kaiser selbst aus. Uber-haupt bezweckte die gesetzgebende Versammlung große Reformen. Eine neue Bankvon 59,090 Actien, jede zu 200 Milrees (zu 1 Thlr. 13 Gr.), wurde zwar errich-tet; aber der Miscredit des sich hausenden Papiergeldes erschwerte den Verkehrund steigerte den Zinsfuß von 12 auf 18 vom Hundert. Pernambuco weigertesich fortwahrend, Papiergeld anzunehmen. Die beredtesten Senatoren undDeputirten erklarten sich daher für den Verkauf der überflüssigen Güter der Geist-lichkeit. In dem Senate ward von Verqueira der Vorschlag gemacht, daß dieEhen auch vor dem Friedensgerichte gültig vollzogen werden sollten. So sehrhatte der Einfluß der freilich in Brasilien tiefgesunkenen und sittlich entartetenGeistlichkeit abgenommen! Mehre Klöster und Kirchengüter wurden zum Ver-kaufbestimmt, um die Schulden der Regierung an die Bank zu decken. Gegen diePflanzer, welche die Grausamkeit so weit getrieben hatten, ihre Neger lebendig be-graben zu lassen, wurde kraftige Maßregeln beschlossen. Zur Beförderung des Ver-kehrs in den Binnenprovinzen, vorzüglich um den Transport der Baumwolle ausdem Innern zu erleichtern, ward die Anlegung des Canals von Maranhon unter-nommen. Übrigens rügte man sehr bitter in den Kammern die monopolartigeHökerek, welche die Staatsbehörden bei Versorgung der Hauptstadt mit Rindviehund Schweinen trieben, sowie den kaiserlichen Wucher, in Folge dessen zu Rio20 Vendas (Schenkwithschaften) für Rechnung des kaiserlichen Schatzes gehaltenwurden. Man beschwerte sich über die Ungerechtigkeit, womit das Grundeigen-thum des kaiserlichen Lustschlosses Santa-Cruz durch angeblich bestochene kaiserlicheIngenieurs erweitert und ein Nachbar aus dem Besitze seiner Kaffeeplantage ver-trieben worden war, so laut, daß der Kaiser seinen Anspruch auf dieses Privateigen-thum aufgab. Mit großer Heftigkeit wurde das in London zur Deckung der zwei-jährigen Zinsen der alten Schuld abgeschlossene Anlehen von 800,000 Pf., wel-ches mit dem Verlust von 50 Procent zu Stande gekommen war, getadelt. Zuletztweigerte sich die Deputirtenkammer, das vorgelegte Budget zu bewilligen. Umdas Deficit zu decken, welches der Finanzminister Miguel Calmon du Pin e Al-meida auf? Millionen Dollars angab, die Deputirtenkammer aber auf die Halsteberechnete, drang die Versammlung auf starke Verminderung der Armee und derSeemacht, auf Einziehung der Sinecuren und der Botschafterstellen, sowie aufBeschrankung des bisherigen Aufwandes bei Hofe, endlich verlangte sie die Verab-schiedung der fremden Offiziere auch bei der Marine, und zwar unter so heftigenÄußerungen gegen die Minister und den Kaiser selbst, daß dieser sich am 3. Septem-ber entschloß, die Wahlkammer aufzulösen, deren vierjährige Dauer ohnehin mitdem 3. Sept. 1829 abgelaufen war. Die lakonische Art, wieDon Pedro dies that:Erlauchte und würdige Repräsentanten der brasilischen Nation, die Sitzung ist ge-

*) Das demokratische Oppositionsblatt:Aurora Kämmens«", tadelte bitter alleMaßregeln der Regierung. Die ,MaliZgu«t,t,a" war voll von Persönlichkeiten.