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Brasilien
den glücklichsten Anlagen geboren, nicht zum Herrscher erzogen. An dem Hofeseines schwachen Vaters hatte er nur Üppigkeit, Verschwendung und Launenspielgesehen; die Herrschsucht einer leichtsinnigen Mutter entwürdigte den Thron undverdarb die Sitten. Eine Jntrigue entfernte von dem Prinzen einen verdientenLehrer, den Danen Rodemacher, und gab ihn in die Hände des Franciscaners An-tonio d'Arrabida. Don Pedro lernte erst regieren, seit die Trennung Brasiliensvon Portugal (1. August 1822) förmlich ausgesprochen, er selbst am 12. Ott.zum constitutionnellen Kaiser ausgerufen, und die Constitution am 25. Marz1.824 von ihm beschworen worden war. Er hatte den Willen, Gutes zu wirken;aber inmitten von Brasiliern, Portugiesen und andern Europaern, hier von Re-publikanern und einer zügellosen Presse bedroht, dort von der Hof- und Militair-aristokratie umlagert, gegen treue Rathgeber (f. den Artikel Andrada) durchdie Vorstellungen von Factionsmannern oder von geborenen Portugiesen, seinenGünstlingen, eingenommen, selbst in die Fesseln einer stolzen Buhlerin verstrickt,verlor der unerfahrene, mit den Geschäften, mit dem Lande und dessen Bevölkerungunbekannte Fürst den geraden und richtigen Weg, welchen er mit Festigkeit undKraft hatte gehen sollen, wiewol es ihm an beiden Eigenschaften nicht fehlte. Erließ sich (1828) zu Staatsstreichen hinziehen und ward seitdem von dem stolzenBrasilier mit Argwohn und Mistrauen betrachtet. Dazu kam die unglücklicheWahlseiner Minister. Es fehlte freilich an tüchtigen Mannern zu den obern wiezu den untern Beamtenftellen; um so mehr aber traute sich Jeder zu, den Andernleicht zu ersetzen, und das Factionengedrange ward nun zugleich ein Kampfum Ämter, Macht und Einfluß; daher jener fortwahrende Wechsel des Ministe-riums, welcher seit der in Lissabon am 29. Aug. 1825 vertragsmäßig festgesetztenTrennung Brasiliens von Portugal, die Befolgung eines festen, gleichförmigen Re-gierungssyftems unmöglich machte. Auf eine kraftvolle Maßregel folgte eineschwache. Die Regierung schien stoßweise vorwärts zu schreiten und verlor bei je-dem Schritte mehr von ihrem Ansehen. So viele Widersprüche und Schwingun-gen ließen den Kaiser als treulos und falsch erscheinen; er war nur unbeständig,und das wird Jeder sein, der bei so schwierigen Verhältnissen ohne allen Unterrichtund ohne Erfahrung an das Staatsruder gelangt. Dazu kamen wirkliche Mis-grisse in der innern Verwaltung, und besonders die Fehler in der Leitung der aus-wärtigen Angelegenheiten, vorzüglich der ebenso unpolitische als unglückliche Kriegmit Rio de la Plata. Der Kaiser mußte seine Eroberungsplane im Frieden aufdie Banda Oriental mit Monte Video, die jetzige Republik Uruguay (f. d.),aufgeben. Insbesondere wurde die politische Eifersucht der Brasilier gegen Por-tugal durch die Beharrlichkeit, mit welcher Don Pedro das Recht seiner Tochterauf den portugiesischen Thron zu behaupten entschlossen war, auf das heftigste er-regt. Daher fand, bei der traurigen Lage der Finanzen Brasiliens, jeder Schrittim Interesse der Donna Maria und die kostspielige Unterhandlung in Europa fürdieselbe, als nachtheilig für Brasiliens Interessen, lauten Widerspruch. Der Kaiserdurfte es nicht einmal wagen, die fremden, für seine Tochter geworbenen Truppen inBrasilien aufzunehmen; noch weniger durfte er den Scharen portugiesischer Emi-granten in Brasilien gastfreundschaftlich einen Aufenthalt gestatten. Man haßte dievormaligen Unterdrücker, spottweise Bleifüße genannt, und Don Pedro konnte vor-aussehen, daß er durch Begünstigung derselben einen Ausbruch des Volkshasses her-beiführen würde. In der Provinz Pernambuco erhob der Föderalismus mehrmalssein Haupt, um die Unabhängigkeit dieser reichen Handelsstadt zu erringen, derenKüstenfahrt an Brasiliens Küste durch die Corsarenschisse von Buenos Avres einentödlichen Stoß erlitten hatte. In den Unruhen zu Pernambuco verlor der Gouver-neur das Leben. Endlich ward durch Militärmacht und strenge Kriegsgerichte dieRuhe wiederhergestellt, das Martialgesetz aber erst am 27. April 1829 aufgehoben.
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