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Brasilien
nach Berlin erhielt er den Austrag, Diejenigen auszumktteln, welchen ihre Verhält-nisse nicht gestatteten, nach Polen zurückzukehren, und er vollzog auch dieses Ge-schäft, in Verbindung mit dem Reglerungsrath von Schleinitz, zur Zufrieden-heit beider Theile. Als er, nach Berlin zurückgekehrt, die in mehren deutschenund französischen Blättern gegen ihn erhobenen Anklagen las, lehnte er dieAuffoderung ab, sich in eine Widerlegung derselben einzulassen, indem er be-hauptete, daß jene Beschuldigungen nicht von polnischen Offizieren ausgegan-gen fein könnten.
* Brasilien seit 1829. Die innere Ausbildung dieses Tropenlandesund seiner Bewohner zu einem geordneten Staatsleben wird durch natürlicheUrsachen und moralische Übel so vielseitig erschwert, daß der tiefliegende Keim zurevolutionnairen Bewegungen noch lange Zeit üppig sortwuchern dürfte. Unterden natürlichen Hemmnissen einer friedlichen Gestaltung steht die Größe, dieFruchtbarkeit und der Reichthum der verschiedenen Provinzen Brasiliens obenan. Die ungeheure Ausdehnung des Reichs, das ungefähr ein Drittel vonSüdamerika umfaßt, erschwert die innere Verwaltung, da es an Verbindungs-mitteln zwischen der Hauptstadt und den Provinzen fehlt. Die Fruchtbarkeitund der Reichthum des Bodens bieten dem durch das Klima zum sinnlichen Ge-nüsse organisirten Bewohner eine Fülle von Genußmitteln dar, die er durchkeine Anstrengung des Geistes, durch keine verständig geregelte und beharrlich fort-gefetzte Thätigkeit erst erriugen und verdienen darf. Die Erde ist so außerordentlichfruchtbar, daß sie 150- bis 500fältig die leichte Mühe des Säens belohnt. Mehrals eine Provinz, welche Weizen und Mais, Kaffee und Wein, Flachs und Baum-wolle, die köstlichsten Früchte Indiens, Amerikas und Europas erzeugt, gibt zu-gleich Eisen und Diamanten, Blei, Topase und Gold. Die atlantische Küste mitihren geräumigen, dem Welthandel geöffneten Häfen führt in das, großentheilsnoch im Naturstande vegetirende Binnenland alle Gaben des Luxus und alle Reiz-mittel der üppigsten Sinnenlust aus dem Welttheile der verseinertsten Hosprachtund de-s entwickeltsten Kunsilebens. So grenzen die Urwälder Brasiliens unmit-telbar an das jüngste Jahrhundert der europäischen Civilisation, und mehr als dritt-halbhun'dert verschiedenartige Hordenstämme, die, erstarrt in roher Trägheit, keinVaterland mehr haben, sind Nachbarn und Knechte der Nachkommen von euro-päischen Eroberern und Colonisten. *) Die ungeheure Kluft zwischen diesen beidenEndpunkten der Entartung und Erziehung der Völker ist hier durch keine Mittel-stufe der Bildung überbaut. Der Brasilier erlangte nichts durch sich und aussich selbst; Alles ward ihm von Außen gegeben: die Peitsche afrikanischer Sklaven-arbeit wie der Aberglaube des römischsinnlichen Cultus; die Geheimlehre derMaurerei wie die Selbstsucht des europäischen Golddurstes. Fremde waren seineLehrmeister in den Waffen, in Künsten, im Handel. Abenteurer, Glücksritter undTaugenichtse aus allen Landern Europas sammelten sich unter dem neuen, ruhm-losen Banner des jungen Reichs. Die Bevölkerung der Hauptstadt besteht auseiner höchst ungleichartigen Mischung von Amerikanern und Portugiesen, Weißenund Farbigen, Freien, Freigelassenen und Sklaven. Hier beschäftigen und verwir-ren die politischen Theorien und Leidenschaften des alternden, in sich zerfallendenEuropa die kleine Zahl brasilischer Gesetzgeber, und talentvolle, feurige Köpfe ohneWissen und Erfahrung nehmen und geben für Weisheit den Erfolg einer glänzen-den, stürmischen Beredsamkeit, sowie den Haß gegen die Fremden für Patriotis-mus. Unter ihnen gibt es allerdings einzelne tüchtige Männer; aber sie steheneinsam, wie Propheten in der Wüste, in einem weitzerstreuten Chaos von etwa
*) Das alte Volk der Tupis ist in wüste Trümmer zerfallen. S. die lehrreicheAbhandlung des Herrn v. Martius: „Von dem Rechtszustande unter den Urein-wohnern Brasiliens" (München 1332, 4.),
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