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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
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285
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Bourrienne 285

fentlichen Meinung zu trotzen wagte, welche sich besonders im Heere sehr stark ge-gen B., der die Sache Napoleons am Tage vor der Schlacht verlassen habe,erklarte. Indeß tras B., als Kriegsminister Nachfolger des Vicomte de Eaux,mehre gute Einrichtungen, wodurch er vorzüglich die Lage der penstonnirtenOffiziere verbesserte, von denen er viele im activcn Dienste anstellte. Sein vorzüg-liches Talent sowol in der Verwaltung des Heerwesens als auch in der Leitungeines Feldzugs bewies er bei der Unternehmung gegen Algier. Er wurde am 11.April 1830 zum Oberbefehlshaber der afrikanischen Expedition ernannt; was erin dieser Eigenschaft geleistet hat, ist in dem Artikel Algier erzählt worden.In seiner Abwesenheit führte der Fürst von Polignac die Leitung des Kriegsmi-nisteriums. B. wurde, nach der Einnahme Algiers am 5. Iul., von KarlX.zum Marschall von Frankreich ernannt. Vier Söhne von ihm, die als Offi-ziere an dem Feldzuge Theil nahmen, zeichneten sich durch Tapferkeit aus.Der zweite, Amedee, starb in Folge einer in dem Gefechte am 24. Iun.erhaltenen Schußwunde. Das Vorgeben, B. habe die Plünderung der Schätzedes Dey gestattet und sich selbst bereichert, ist gänzlich unerwiesen. Vielmehrhat er sich loyal und gegen die Besiegten rechtlich und edelmüthig benommen.Als nach dem Sturze der ältern Linie des Hauses Bourbon in Frankreich, GeneralClauzel ihn im Oberbefehle zu Algier ablöste, schrieb er am 2. Sept. 1830 an denKriegsminister, um ihm anzuzeigen, daß er den Oberbefehl über die Armee vonAfrika niedergelegt habe, daß er aber Franzose bleiben wolle, obgleich seine Absichtnicht wäre, sogleich nach Frankreich zurückzukehren. Dies und seine Erklärung,daß er der seit der Juliusrevolution errichteten Regierung keinen Eid geleistet habe,hat er selbst in einem an die „Hiloticlieuue" gerichteten Schreiben vom 28. März1832 (ohne Angabe des Orts seines gegenwärtigen Aufenthaltes) öffentlich be-kannt gemacht. B. schiffte sich mit seinen drei Söhnen zu Algier am 3. Sept.1830 nach Mahon ein und ging über Spanien nach England, wo er sich zuKarl X. begab. Seitdem lebt er in London und abwechselnd in der Provinz;auch steht er fortwährend mit der Familie Bourbon zu Holyrood in Verbindung.Was aber von ihm in öffentlichen Blättern behauptet wurde, daß er an einer Ge-genrevolution und an der Bildung eines karlistifchen Heeres in Spanien Theilnehme, hat sich als grundlos erwiesen; er wurde daher noch bis zum 10. April1832 als Marschall von Frankreich in den Listen aufgeführt und bezog fortwäh-rend, gleich dem Marschall Marmont, seinen Gehalt. Den Juliusordonnanzenist er fremd geblieben, daher traf ihn keine Verantwortlichkeit; nachdem er aberdurch das erwähnte Schreiben vom 28. März 1832 seine Weigerung, den durchdas Gesetz vom 31. Aug. 1830 allen Beamten und Offizieren vorgeschriebenenEid der Treue und des Gehorsams zu leisten, öffentlich kundgethan hatte, warder mit Bezugnahme auf dieses Gesetz durch eine königliche Ordonnanz vom 10.April 1832 als Dcmissi'onnair erklärt und demzufolge aus dem französischenHeere entlassen. (7)

Bourrienne (Louis Antoine Fauvelet de), ehemaliger SecrctairNapo-leons, ward am 9. Iul. 1709 zu Sens geboren, und schloß in der Kriegsschule zuBrienne, wo er seine erste Erziehung erhielt, eine vertraute Freundschaft mit Bo-naparte. Er besuchte 1788 die Universität zu Leipzig, um die Rechte und fremdeSprachen zu studiren, ging alsdann nach Polen und wurde bei seiner Rückkehr insVaterland 1792 als Gesandtschaftssecretair nach Stuttgart geschickt. Nach demAusbruche des Krieges lebte er 1792 kurze Zeit in Paris, ging aber bald wiedernach Leipzig, wo er sich verheirathete. Seine Verbindung mit einem Agenten derfranzösischen Republik erweckte Verdacht gegen ihn, und auf Befehl des Kurfürstenvon Sachsen wurden beide verhaftet. Nach zwei Monaten erhielt er jedoch seineFreiheit, mit dem Befehle, Sachsen sogleich zu verlassen. Nach Frankreich zu-