Druckschrift 
Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
284
Einzelbild herunterladen
 

284 Bourmont

mando einer Division an und verlangt keinen Eid; ich gehe zur Armee, wollenSie mir folgen ?" Clouet folgte ihm nun als Chef seines Generalstabes zur Mosel-armee. Beide machten den General Gerard mit ihren Gesinnungen bekannt. Alshierauf Napoleons Ausatzacte zu der Neichsverfassung den fammtlichen Armee-corps zugefertigt, und jedem Offizier vorgeschrieben wurde, feinen Beitritt zu dersel-ben oder feine Weigerung zu erklaren, so verweigerte B. feinen Beitritt; Clouetthat dasselbe. Nun konnte B. nicht langer bei der Armee bleiben. Nachdem er alsodem General Gerard feine Gründe mitgetheilt hatte, stellte er den General Hülst(jetzigen Divisionskommandeur in Lyon), der damals die erste Brigade feiner Divi-sion befehligte, an die Spitze des Generalstabes derselben, indem er ihn ebenfallsmit den Gründen feines Entschlusses bekannt machte. Darauf begaben sich B.und Clouet, von einigen Jagern begleitet, zu d?n preußischen Vorposten. Hier ent-ließ B. die Escorte. Einige Offiziere, die ebenfalls derZusatzacte nicht beigetre-ten waren, folgten ihm. Blücher entließ sie nach Namur. So gaben diese Offi-ziere Napoleons Dienste auf, weil sie ihm den Eid verweigerten; dadurch aberglaubt Clouet dargethan zu haben, daß er und Bourmont nicht als feldflüch-tige Ausreißer betrachtet werden können. Jndeß sprach sich in der Armee,welche am 15. Jun. bei Charleroi gefochten, am 16. bei Ligny (Fleurus) gesiegtund am 18. bei Waterloo eine Niederlage erlitten hatte, das öffentliche Urtheillaut gegen B. aus, und zwar mit um so größerer Erbitterung, je glänzender spä-terhin die öffentliche Laufbahn dieses talentvollen Offiziers war. B. kehrtenach Frankreich zurück und ward am 9. Sept. 1815 von Ludwig XVIII. zumBefehlshaber einer Diviston der königlichen Garde ernannt. Hier gewann erdie Gunst des Herzogs von Angouleme. Der Feldzug in Spanien 1823, wo ereine Division des Reservecorps unter dem General Grafen Bordesoult comman«dirte, gab ihm Gelegenheit, sich vielfach auszuzeichnen. Er führte von Madridam 31. Mai eine Heeresabtheilung von 15,009 Mann über Trupillo nach demSüden, schlug die Spanier unter Lopez-Banos, bei S.-Lucar la Mayor und be-mächtigte sich Sevillas, wahrend Bordesoult mit der andern Colonne bis gegenCadiz vorrückte, wo sich B. wieder mit ihm vereinigte. Nach dem Falle von Cadizward er zum Oberbefehlshaber der französischen Truppen in Andalusien ernannt.Zur Belohnung seines Verdienstes um die Restauration des absoluten Königs inSpanien ertheilte ihm Ludwig XVIII. am 9. Oct. 1823 die erbliche Pairswürde,mit Befreiung von der sonst erfoderlichen vorhergehenden Stiftung eines Majo-rats. Nachdem der Herzog von Angouleme Spanien verlassen hatte, bliebB. in Madrid, als Oberbefehlshaber der französischen Truppen in Spanien.Er war, wie man glaubte, die Stütze des gemäßigten Systems daselbst, daher !mußte er gegen die Umtriebe der überspannten Absolutismen eine sehr wachsameMilitairpolizei einführen. Dies machte die Franzosen verhaßt. Als nunB. sein Hauptquartier nach Aranjuez, wo der König restdirte, verlegte, so schrieder madrider Pöbel, Ferdinand werde von V. bewacht. Diese Gahrung und zu-gleich die Ansicht des diplomatischen Corps, daß B. sich mehr zur Partei der Abso-lutisten hinneige, wahrend die Gesandten ein gemäßigtes, versöhnendes Systemempfahlen, bewogen die französische Regierung, den General B. vom Obercom-mando in Spanien abzurufen. Er erhielt daher im April 1824 Befehl, das Com-mando der Besetzungsarmee an den General Ordonneau abzugeben, worauf das-selbe im Mai der umsichtigere General Digeon übernahm. B. verließ Madridam 20. April 1824 und nahm jetzt- seinen Sitz in der französischen Pairskam-mer ein. Hier zeigte er sich bei mehren Gelegenheiten als einen entschiedenen Rea-listen. Dadurch stieg er, nach dem Regierungsantritte Karls X., immer höher inder Gunst des Dauphins, der auch am 8. Aug. 1829 seine Erhebung zum Kriegs-minister unter dem Ministerium Polignac bewirkte, weil der Hof schon jetzt der o,-