Bengcl
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in er die philologischen Anfoderungen, welche bisher die Herausgeber altdeutsche?Werke wenig berücksichtigt hatten, zuerst tiefer erkannte und nach dem damaligenStande der Wissenschaft befriedigte. Hierauf gab er 1819 den „Wigalois" desWirnt von Gravenberg mit einem vortrefflichen Glossar heraus, und 1827 mitLachmann Hartmann's von der Aue ,,Jwein", wobei die musterhafte Erklärung mei-stentheils ihm zugehört. B. reprchentirt hauptfachlich die lexikalische Seite derdeutschen Sprachforschung, mit umfassendem Fleiße des Wörterreichthums, beson-ders der mittelhochdeutschen Dichter, sich bemächtigend, mit eindringendem Scharf-sinn und feiner Beobachtung die Bedeutungen sondernd und ordnend und so dieLernenden aus dem ^cheinverstandnisse, zu welchem zumal die noch jetzt, aber inveränderter Geltung üblicl)en Wörter nicht selten verführen, zu entsprechender undungetrübter Auffassung des wirklichen und ursprüglichen Sinnes leitend. (80)
Bengel (Ernst Gottlieb), Prälat, Vr. und Professor der Theologie undPropst der St.-Gcorgenkirche zu Tübingen, der am 23. Marz 1826 starb, warden 3. Nov. 1769 zu Aavelstein auf dem ^chwarzwalde geboren und der Enkclsohndes berühmten Apokalyptikers und Vaters der neutestamentlichen Kritik in Deutsch-land, Johann Albrecht Bengel. In den theologischen Bildungsanstaltcn seines Va-terlandes erzogen, erhielt B. nach einer durch Norddeutschland unternommenen Reisezuerst ein Predigtamt in ^chiller's Geburtsstadt Marbach, wurde aber 1806 Pro-festor der Theologie in Tübingen und spater Superattendent des dortigen evange-lisch-theologischen Stifts, Prälat, Propst und Ritter des Ordens der würtembergi-schen Krone. Von literarischen Werken hat er wenig hinterlassen; außer Ab-handlungen in Flatt's und Süßkind's „Magazin" und einer Schrift über die jüdischeProselytentaufe ist das Wichtigste in dem von B. selbst herausgegebenen „Archivfür Theologie", das seit 1815 in Tübingen erschien und 1820 sich in das „NeueArchiv für Theologie" verwandelte, zusammengedrängt. Nach seinem Tode sinddurch Besorgung von Freunden die im Jahre 1820 — 21 vor Studirenden ausallen Facultäten gehaltenen Vorlesungen über Religion und Christenthum, nebstzwei Reden über das Kirchcnrecht und einem Entwürfe zur Verfassung der evange-lischen Kirche im Druck erschienen (Tübingen 1831). Trotz dieser beschränktenschriftstellerischen Thätigkeit B.'s war sein Name gefeiert und zog von allen Sei-ten Deutschlands und der Schwei; Schüler herbei, weiter nicht nur eine, vornehm-lich in einzelnen Theilen der historischen Theologie sehr gründliche Gelehrsamkeit,sondern auch ein unbefangenes Urtheil und eine ebenso geschmackvolle als streng-wissenschaftliche Darstellung besaß. Er war einer der tüchtigsten Bearbeiter desrationalen Supernaturalismus, jedoch mit vorwiegender Neigung auf die Seitedes Ossenbarungsglaubens. Sein persönlicher Charakter war höchst würdevoll,sein Verlust für Tübingen also in jeder Hinsicht um so schmerzlicher, als derselbe inZeiten großer Drangsal der akademischen Verhältnisse siel, zu deren glücklicher Lö-sung jnicht leicht eine andere Individualität so geeignet gewesen wäre als die soruhige als verständige und reine, so gewinnende als gebietende des allgemeinbetrauerten Lehrers (31)
Bentheim (Prinz Wilhelm zu), östreichischer Feldmarschalllieutenant,geboren den 17. April 1782 auf dem Schlosse zu Steinfurt, wo sein Vater, da-mals regierender Reichsgraf und vermählt mit einer Prinzessin von Holstein-Glücksburg, eine ansehnliche Hofhaltung hielt und seine großen Einkünfte mitErfolg auf Bildung und Verschönerung seiner Umgebungen verwandte. Dermit Kunsischönheiten reichlich ausgestattete Park des Schlosses und andere An-stalten und Sammlungen geben noch jetzt von seiner Thätigkeit redendes Zeug-niß. Prinz Wilhelm war der zweite Sohn und erhielt in der Taufe, weil dieGeneralstaaten von Holland Pathenstelle bei ihm vertraten, noch den besondcrnZunamen Belgiens. Die erste Bildung empfing er auf dem väterlichen Schlosse