Benecke
wurden in der Artillerie befördert, wodurch das Ofsiziercorps einen bedeutenden undnützlichen Zuwachs erhielt. Als das polnische Heer eine feste Stellung in Warschaugenommen hatte, wurde B. zum General ernannt, und er bot Alles auf, die ge-summte Artillerie zur Verteidigung der Stadt in Stand zu setzen. Uberzeugt,daß Warschau nicht genommen werden tonnte, wenn Fußvolt und Reiterei ihrePflicht ebenso gut als die Artillerie erfüllten, sah er dem Angrisse mit Vertrauenauf seine Starte und mit fester Zuversicht auf glücklichen Erfolg entgegen. Dieverhängnisvollen Tage des 6. und 7. Septembers erschienen, und Krukowiecki'sBenehmen entschied Polens Untergang. B. brachte wahrend jener Tage das ge-summte Geschütz in den Kampf, indem er die Feldstücke zwischen den abgesondertenBefestigungswerten der äußern Linie aufstellte, und am 6. sogar mit 40 Ge-schützen bis unter das von den Russen bereits genommene Wola vorrückte, ob,gleich man ihm nur ein Bataillon und zwei Schwadronen zur Deckung gegebenhatte; aber er tonnte, von Fußvolt und Reiterei im günstigen Augenblicke garnicht unterstützt, mit der Artillerie allein die Russen nicht zurückwerfen. Als diepolnische Armee in der Nacht des 7. Septembers nach Praga zog, stellte B. gegen40 Geschütze auf, um die Brücke zu vertheidigen und sie nach dem Übergange derKriegsmacht sogleich abzubrechen; aber früh am 8. erhielt er die unglückliche Nach-richt von dem Abschlüsse einer Übereinkunft mit den Russen, und von dem Ober-befehlshaber, General Malachowsti, die Weisung, die Geschütze zurückzuziehen undnach Modlin zu rücken. B. hat die Ereignisse jener Tage in einer interessanten Denk-schrift („Allgemeine Zeitung", 1834, außerordentliche Beilage Nr. 470—475) er-zählt, welche den General Kruckowiecki der Pflichtvergessenheit beschuldigt und mehreThatsachen zur Begründung dieser Anklage anführt. Er begab sich nach dem Falleder Hauptstadt mit einem Theile des getrennten Heeres auf das preußische Gebiet,reiste später nach Paris, hielt sich einige Zeit, während die Trümmer des Rybinski'-schen Corps aus Preußen durch Sachsen nach Frankreich zogen, in Leipzig und Al-tenburg auf, und war besonders thätig, der wohlthatigen Wirksamkeit der Polen-Vereine, die sich zur Unterstützung seiner Landsleute gebildet hatten, zum Vermitt-ler zu dienen. Im März 1832 begab sich wieder nach Frankreich.
Benecke (Georg Friedrich), geb. 10. Inn. 1702 zu Mönchsrode (Münchs-roth) im Fürstenthum Ottingen, wohin sein Großvater aus Braunschweig ge-zogen war, ordentlicher Professor der Philosophie (seit 1814), hanöverscherHofrath (seit 1820) und Bibliothekar (seit 1829) in Böttingen. Er erhielt seineerste Bildung auf der Schule zu Nördlingen, unter der Leitung des trefflichenNcctors Lotzbeck, und später auf dem Gymnasium in Augsburg, wo sein ge-lehrter Oheim, Freiherr von Tröltsch, der sich eifrig mit dem altdeutschen Rechte be-schäftigte, eine erlesene Bibliothek besaß, deren lexikalische Werke B.'s Aufmerksam-keit zuerst auf die frühere Gestalt der deutschen Sprache lenkten. Er bezog 1780die Universität Göttingen, wo besonders Heyne, Michaelis, Koppe, Schlözer undLichtenberg seine Lehrer waren. Auf Heyne's Empfehlung ward er 1789 bei derUniversitätsbibliothek angestellt. Seine Vorlesungen betreffen vorzüglich die eng-lische Sprache, von welcher er eine tiefe historische Kenntniß besitzt, und diealtdeutsche Literatur, die er wol zuerst in den Kreis des akademischen Unter-richts eingeführt hat. Er erhielt mehre Berufungen in das Ausland, unterandern nach Edinburg als Vorsteher der berühmten Advokatenbibliothek.B. hat sich als einen der ersten Forscher der deutschen Sprache bewährt. In sei-nen Beiträgen zur Kenntniß der altdeutschen Sprache und Literatur (1810)machte er Ergänzungen der Bodmer'schcn Minnesinger aus Goldast's Copie derpariser (ohne Grund sogenannten manessischen) Handschrift bekannt. 1816erschien von ihm eine sorgfältige und für die Einleitung in das Studium dermittelhochdeutschen Dichter wohlberechneter Ausgabe von Boner's Fabeln, wo»«