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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
218
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213 Bellini

Festigkeit eine günstige Kapitulation. Er wurde noch in Ägypten Divisi'onSgem-ral, und erhielt 1801 den Oberbefehl der Militairdiviston, deren HauptquartierBrüssel war. In dem Feldzuge von 1805 nahm er an den Siegen bei Ulm undAusterlitz Theil und kämpfte in allen großen Schlachten des Krieges gegen Preußenund Rußland. Nach der Einnahme von Madrid ward er Befehlshaber der Stadt,wo er den nach der Schlacht bei Talaveira ausgebrochenen Aufstand durch feineKlugheit und Entschlossenheit stillte. Er verließ Spanien 1812, um nach Ruß-land zu gehen, und zeichnete sich besonders in der Schlacht an der Moskwa aus.Nach dem Rückzüge erhielt er den Auftrag, die Reiterei wieder zu ordnen. BeiLeipzig zerschmetterten ihm die Kanonen einen Arm. Nach der Schlacht bei Craone(1814) ernannte Napoleon ihn zum Befehlshaber seiner Cavalerie und Garde,und als er nach des Kaifers Abdankung sich in Paris einfand, erhielt er von LudwigX Villi, den St.-Louisorden und die Pairswürde, und sogar die Stelle eines Major-General des franz. Heeres unter dem Oberbefehl des Herzogs von Berri. Napoleonkehrte von Elba zurück und gab ihm den Auftrag, zu dem König Joachim zu eilen,um die Kriegsunternehmungen der Neapolitaner zu leiten. Das Schiff, das ihnnach Neapel bringen sollte, wurde von einem englischen Fahrzeuge verfolgt, und B.mußte nach Frankreich zurückeilen. Die Bourbons ließen ihn nach ihrer Rückkehrzwar festnehmen uno stellten ihn unter Polizeiaufsicht, aber nur kurze Zeit, denn1816 war B. schon wieder Pair. Kaum war Louis Philipp auf den Thron gelangt,so schickte er B. nach Berlin, um über die Anerkennung der neuen französischen Re-gierung zu unterhandeln. Diese Sendung hatte ziemlich schnellen Erfolg, denn so-bald dieKönige der Niederlande, Englands und der KaiservonÖstreich den König derFranzosen wenigstens factisch anerkannt hatten, so that es auch Friedrich Wilhelm.Wahrend seiner Gesandtschaft in Brüssel entwickelte B. seitdem eine außerordent-liche Thätigkeit; er trug mehr als irgend ein anderer Diplomat zur Befestigung derneuen belgischen Regierung und besonders zur Rettung der Stadt Antwerpen bei,welche der hollandische General Chasse in den Grund zu schießen drohte, und eineerstaunliche Geschäftigkeit zeigte er zumal im Dec. 1830. Aus Befehl der fran-zösischen Regierung, der durch den Telegraphen bis zur Grenzstadt Lille gelangte,verließ er Brüssel am Dienstage, war Donnerstags in Paris, eilte in die Tuilerien,verließ die Stadt in derselben Nacht, langte Sonntags in Brüssel an, hatte eineAudienz bei König Leopold, reiste von Neuem nach Paris zurück; die Pairs votir-ten gerade über ihre Erblichkeit, der Secretair verlas die Namen, und als er an denNamen Belliard kam, trat dieser eben haftig zur Thür herein und stimmte gegendie Erblichkeit unter schallendem Gelachter seiner Collegen und eilte nach Brüsselzurück. Er starb am 27. Jan. 1832 zu Brüssel. Die Dankbarkeit der Belgierwill ihm ein Denkmal widmen. (15)

Bellini (Vincenzo), Kapellmeister zu Venedig, geb. 1808 zu Palermo,hat sich bereits einen europaischen Ruf erworben, was für sein ausgezeichnetes Ta-lent spricht. Seine erste Oper, die Aufsehen erregte, war „lixirata". Sie wurdezuerst in Mailand (wahrscheinlich in dem Carneval 1828) gegeben und gefiel sosehr, daß sie bald auf allen italienischen Theatern gehört wurde und sich auch nachParis und über Wien nach Deutschland Bahn machte. Es laßt sich nicht verkennen,daß B. in diesem Werke hauptsachlich Rossini zum Vorbilde gewählt hat; es istdies indeß unleugbar mit einem sehr selbständigen Geiste geschehen. Er behandelt dieSingstimme den Foderungen der Zeit, d. h. dem Geschmack des jetzigen italieni-schen Publicums angemessen, schreibt daher viele Coloraturen,Fiorituren und dergl.;alü in der Bau seiner, besonders der mehrstimmigen Gesangstücke ist nach viel ver-nünftigem Kunstgrundsätzen geordnet, als sich in Rossi'ni's Arbeiten erkennen lassen.Weniger genial als dieser, ist er aber auch ungleich weniger flüchtig und nachlässig.Er scheint berufen zu sein, eine Übergangsstufe von der weichlichen, erschlaffenden,