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Erster Band (1832) A bis E
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214
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214 Belgien

pen km Nothfalle zu eröffnen. Das neue belgische Heer war schon im October 1831auf 54,000 Mann mit 120 Kanonen gebracht, und im Marz 1832 sollte dieStarke desselben 80,000 Mann betragen; das diesjährige Budget des belgischenKriegsdepartements erreichte daher die Summe von 29,553,878 Fl., eine Sum-me, die so hoch stieg, weil im Heerwesen sehr Vieles neu anzuschaffen und herzu-stellen war. Schon hieraus erklart sich das große Deficit in den Finanzen, mitwelchem der junge Staat zu kämpfen hat. Es mußte durch Anleihen gedeckt wer-den, die unter harten Beoingungen in Paris zu Stande kamen. In dem Budgetvon 1831 betrug das Deficit 9,833,143 Fl., die Einnahme war nämlich zu41,892,585, und die Ausgabe zu 51,725,728 Fl. berechnet. Nach dem Budgetvon 1332 wird das Deficit, wenn man die Herabsetzungen in dem Budgetnach den Reductionsvorschlägen der Centralsection auf 2 Millionen Fl. anschlagt,19,372,121 Fl. betragen. Nach diesem Budget hatten sich nämlich die ordent-lichen und außerordentlichen Ausgaben des belgischen Staats, seit dem Budgetvon 1831, um 37,608,328 Fl. vermehrt, weil die Ausgaben für die öffent-liche Schuld, welche 1831 nur 2,532,028 Fl. betrugen, durch die Roth-fchildssche Anleihe und eine spatere von 48 Millionen so sehr gestiegen sind, daß dieordentlichen und außerordentlichen Ausgaben für 1832 sich (ohne die obenbemerktenHerabsetzungen) auf89,394,048 Fl. beliefen; die Einnahmen dagegen waren für die-ses Jahr nur zu 68,021,927 Fl. berechnet, wovon die ordentlichen 31,421,927 Fl.,die Einnahmen von den noch einzuzahlenden Anleihen aber 36,600,000 Fl.betragen sollten. *) Während dieser Finanznoth schwebte der Staat fortwah-rend, und er schwebt noch jetzt (Mitte April 1832) zwischen Krieg und Frie-den, zwischen Sein und Nichtsein. Doch ist ein großer Schritt zur völkerrecht-lichen Bestätigung desselben geschehen. Ein Protokoll aus London vom 15.Oct. 1831 brachte den im Namen der fünf Mächte in der Eonferenz entworfenen,definitiven Friedensvertrag zwischen Belgien und Holland, bestehend aus 24 Ar-tikeln, nach Brüssel, und der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, vonMculcnaere, legte ihn am 20. Oct. der Repräsentantenkammer vor. Er bemerkte,daß Belgien, obschon dieser Vertrag ihm Opfer auferlege, seit dem Sturze Polensan die Verwerfung desselben nicht denken könne. Hierauf nahmen ihn die Kam-mer am 1. Nov. mit 59 Stimmen gegen 38, und der Senat mit 35 Stimmengegen 8 an; der König Leopold gab seine Zustimmung am 15. Nov. Dagegenerklärte der König der Niederlande, daß er die 24 Artikel nicht annehme. Währendnun dieser Monarch die Unterhandlungen fortfetzte, traf am 12. Nov. ein neuesProtokoll in Brüssel ein, durch welches die londoner Eonferenz den Prinzen Leo-pold förmlich als König der Belgier anerkannte. Dieser bevollmächtigte hierauf diein Paris und in London anwesenden belgischen Gesandten, dort Lehon, hierSylvain van de Weyer; allein Ostreich, Preußen und die übrigen Staaten ha-ben nicht einmal den belgischen Gesandten, der ihnen Leopolds Thronbesteigunganzeigen sollte, angenommen, indem Ostreich und die übrigen Mächte erst LeopoldsAnerkennung von Seite des Königs Wilhelm erwarten wollen. Unterdessen hat-ten die Gesandten der fünf Mächte in London den von Belgien angenommenenFriedensvertrag der 24 Artikel am 15. Nov. unterzeichnet, und in einem 25.Artikel die Garantie der Vollziehung desselben, im Namen der fünf Mächte, aus-gesprochen, auch erklärt, daß die Ratificationen dieses Vertrags binnen zweiMonaten, folglich bis zum 15. Januar 1832, erfolgen sollten. Durch das 54.Protokoll ward diese Frist bis zum 31. Januar verlängert. Allein die drei MächteRußland, Ostreich und Preußen, durch die Vorstellungen des Königs Wilhelm

*) Auch die reichen Städte Belgiens befinden sich in großer Finanzverlegenheit.Brüssel hatte 13ZI ein Deficit von 300,000 Fl., und im März 1332 erhielten da-selbst L000 arme Familien vom König Leopold besondere Unterstützung.