^"- S
>S?i!
?r>M /..„^
Belgien
2Z3
'W^
erhielt (am 54. Mai), daß die belgische Flagge in ddn britischen Häfen zugelassenwerden solle, schritt der Congreß am 4. Zum 1831 zur Königswahl. Bon 196anwesenden Deputaten enthielten 19 sich der Abstimmung, 10 waren gegeneine Königswahl, 14 für Surlet de Chokier; ein Stimmzettel war unzulässig,die übrigen für den Prinzen Leopold, den hierauf der Regent unter der Bedingungproclamirte, daß er die Constitution annehme; doch kein freudiger Zuruf ließsich hören; auch die Zuhörer blieben stumm. Eine Deputation überbrachte demPrinzen das Wahldecret nach London. Nun erschien aber ein Protokoll Nr.26 von 18 Artikeln (s. Londoner Conferenz), von deren Annahme auchdie Erklärung des Prinzen Leopold abHange. Diese Artikel veranlagen neun-tägige sehr heftige Debatten, in welchen 69 Redner sprachen; endlich wurdensie am 9. Iul. mit 156 Stimmen gegen ?0 angenommen. Dieses Resul-tat fand stürmischen Beifall in der Versammlung und auf den Tribunen. Bel-gien sehnte sich nach Ruhe. Eine Deputation überbrachte den Beschluß nach Lon-don, und am 51. Iul. 1831 beschwor der König Leopold in Brüssel nach alterWeise unter freiem Himmel die belgische Constitution. Der Regent legte an die-sem Tage sein Amt nieder, und der constituirende Nationalcongreß schloß seineSitzungen. Hierauf berief der König die Wahlcollegien auf den 59. August, undden Senat wie die Kammer der Repräsentanten auf den 8. Sept. nach Brüssel.Aber schon am 5. Aug. ward er von Holland angegriffen. Wie in diesem dreizehn-tägigen Kriege, den Frankreichs bewaffnete Intervention unterbrach, der belgi-sche Trotz durch die ruhmlosen Niederlagen seiner Blouscnmänncr gedemüthigt, wiedurch das Protokoll Nr. 34 aber eine sechswöchentliche Waffenruhe angeordnet,später.verlängert wurde, soll in dem Artikel Niederlande erzählt werden.Seitdem änderte sich plötzlich die Meinung, welche man von der belgischen Tapfer-keit hatte; nur die Besonnenheit und Tapferkeit des Königs ward anerkannt.Dieser Fürst begann sofort die Reform und die neue Organisation des Heerwesens.General Daine und viele höhere Offiziere wurden verabschiedet, deutsche und fran-zösische Offiziere in Dienste genommen, die einheimischen mußten sich einer Prü-fung unterwerfen. Auch schickte der König nach London an den belgischen Abgeord-neten van de Weyer Vollmacht, um über den Schlußvertrag mit Holland nach denVorschlägen der Conferenz zu verhandeln. Wie König Leopold seine schwere Auf-gabe zu lösen versucht hat, ein durch Parteiung zerrissenes, von Innen und Au-ßen bedrohtes, in seinem Wohlstande zerrüttetes Land, ohne Heer und Finanzen,zu ordnen und einer friedlichen Zukunft entgegenzuführen, soll in dem Artikel Leo-pold, König der Belgier, gesagt werden. Ihn unterstützten dabei der britischeGesandte, Sir Robert Adair, und vorzüglich der französische Gesandte, GeneralBelliard.
Am 8. Sept. 1831 versammelten sich die Kammern. Das dringendste Ge-schäft war, das Heerwesen neu zu schassen und zu organisircn. Der König ernannteden Obersten Ch. von Brouckere zum Kriegsminister. Seine Entwürfe, das bel-gische Heer durch französische Oberofsiziere umzugestalten, wurden von den Kam-mern genehmigt. Eine Untersuchungscommission zog die belgischen Offiziere,welche in dem ruhmlosen Kriege mit Holland durch Fehler aller Art das junge Kö-nigreich an den Rand des Unterganges gebracht hatten, zur Verantwortung. Ge-neral Daine, der Anführer der beispiellos geschlagenen Maasarmee, ward jedoch(im Marz 1835) freigesprochen. An die Spitze des belgischen Generalstabes tratder französische General Desprez. Ein anderer französischer General, Baron Evain,war ebenfalls bei der neuen Heerorganisation mit thatig; überhaupt ließen vieleAuslander, Franzosen und Deutsche, Offiziere und Gemeine, sich im belgischenHeere anstellen. Ein Gesetz ermächtigte sogar den König, das belgische Gebiet,welches die französische Hülfsarmee am 26. Sept. geräumt hatte, fremden Trup-