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Erster Band (1832) A bis E
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212
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212 Belgien

in Parks empfangen; aber bald erfuhr der Congreß, daß der König sich geweigerthabe, die Krone für seinen Sohn anzunehmen, und dagegen wünsche, daß der Bru-der des Königs von beiden Sicilien gewählt werden möchte. *) Lebeau trug da-her auf die Wahl eines Generalstatthalters an, obgleich de Potter, der kein Mit-glied des Congresses war, eine Gesellschaft unter dem Namen der Freunde derNationalunabhängigkeit gegründet, und der Deputirte Robaulx dem Congreßjetzt vorgeschlagen hatte, die Republik zu proclamiren. Die Centralsection des Con-gresses entschied für die Wahl eines Regenten, und am 24. Febr. wählte der Con-greß den Baron Surlet de Chokier zum Regenten. **) Er ward am 25. feierlicheingesetzt und legte auf den Stufen der Estrade, neben dem Throne stehend, denEid auf die Decrete der Unabhängigkeit Belgiens und der Ausschließung des Hau-ses Nassau ab. Hierauf ward de Gerlache mit 122 Stimmen gegen 8 zumPräsidenten gewählt. In einer spätem Sitzung nahm der Congreß das Wahl-gesetz mit101 gegen31 Stimmen an. DieMitglieder der provisorischen Regierungkündigten die Beendigung ihrer bisherigen Gewalt an. Der Congreß votirte ihneneine Belohnung von 150,000 Fl.; de Potter ging nach Paris.***) DerRegent bestätigte anfangs die bisherigen Minister; späterhin ernannte er de Sau-vage zum Minister des Innern; Tielemans versetzte er als Statthalter von Lüttich inRuhestand; an die Stelle van de Weyer's ernannte er Devaux zum Minister des Aus-wärtigen und der Marine; statt Gendebien aber Barthelemi zum Iustizminister, undfür Goblet den Obersten Steenhuize zum Kriegsminister. Die Demission des Finanz-ministers Brouckere ward vom Regenten nicht angenommen. Mit der neuen Regie-rung kehrte aber die gesetzliche Ordnung noch nicht zurück. Es gab Unruhen am Endedes März in Lüttich, Antwerpen, Gent, Mecheln, Namur, selbst in Brüssel, diesammtlich Spuren einer Gegenrevolution verriethen; sie wurden aber mit Nach-druck gedämpft. Am 29. März 1831 ward der Congreß vom Regenten wieder er-öffnet; von 200 Mitgliedern waren nur einige über die Hälfte gegenwärtig.Gerlache wurde mit 75 Stimmen unter 101 aufs Neue zum Präsidenten ge-wählt. Der Congreß genehmigte hierauf das Aufgebot der ersten Classe der Bürger-garde, 90,000 Mann, ferner das Gesetz über die Gehaltsabzüge, und ein Anlei-hen von 12 Mill. Fl. Jetzt wandte sich die belgische Königs-Candidatur, durchEnglands Empfehlung, auf den Prinzen Leopold von Sachsen-Koburg. Daherward am 17. April eine Deputation nach London gesandt: die CongreßmitgliederFelix de Merode, Hippolyte Vilain XIIII., Abbe de Frere und de Brouckere,um die Gesinnungen des Prinzen zu erforschen und zugleich über die Vervollstän-digung des Gebiets, die Erhaltung der Verfassung und eine billige Vertheilungder vormaligen niederländischen Schuld sich Gewißheit zu verschassen. Überhaupt be-schäftigte die äußere Politik den Congreß und die Regierung so sehr, daß an dieGesetze über Preßfreiheit, Geschwornengerichte, Verbesserung der bürgerlichenGesetze und Municipalorganisation nicht gedacht werden konnte. Die Stimmungin Belgien war fortwährend kriegerisch; sie trotzte selbst der londoner Conferenz,und die Sprache mancher belgischen Congreßmitglieder war in der Diplomatieebenso neu als auffallend. Endlich entschloß man sich zu unterhandeln, um dieTerritorialfrage wegen Luxemburg u. s. w. durch Geldopfer zu beseitigen. Als dieNachrichten aus England etwas günstiger lauteten, und die Regierung die Anzeige

*) Auch das Protokoll der londoner Conferenz vom 1. Febr. schloß den Herzogvon Leuchtcnberg und die Familien der fünf Mächte vom belgischen Thron aus.

**) Die Priesterpartei hatte für Felix de Merode gestimmt.

***) Won hier machte er ein Schreiben vom 12. Der. 18S1 bekannt, in welchemer sagte: die belgische Revolution sei in Jntrkguen und Raub, in Erpressung, ineine unredliche, schimpfliche Beutejagd entartet. Das,,1ouiuul ck'^nvers" drücktestch voch stärker aus.