Belgien
2ZI
men in Antwerpen und Limburg erhoben hatten, sprachen vorzüglich und stimm-ten die Deputirten Pirson, Nothomb, M. C. Rodenbach, Raikem, Eh. de Brouckere(welcher früher den Prinzen von Oranien zu dem Schritte vom 16. Ort. mit über-redet haben soll), der Abbe Hearne, Sylvain van de Weyer, Graf v. Nobiano, Ba-ron Stassart, u. A. In der Sitzung am 17. Dec. wurde der Antrag des DepurirtenIottrand, daß die Senatoren (oder die Mitglieder der ersten Kammer) durch dieWahler der Wahlkammer ernannt werden sollten, mit 136 Stimmen gegen 40angenommen; so auch die Vorschläge, daß die Senatoren auf eine noch einmalso lange Zeit wie die Deputirten gewählt werden, daß der Senat ausgelöst werdenkönne, und daß die Zahl der Senatoren halb so groß sein solle als die Anzahlder Deputirten. Des Republikaners Teron Vorschlag, den Adel abzuschaffen,ward verworfen; ebenso das Verlangen des Herrn Maclangen (12. Jan. 1831),die übereilte Ausschließung des Hauses Oranien zurückzunehmen. Die provisori-sche Regierung setzte, vom Congresse hierzu ausgefodert, die Ausübung ihrerFunctionen fort; nur de Potter erklärte am 15. Nov., daß er sich von den Regie-rungsgeschäften zurückzöge. Die Conferenz in London war vor Allem bemüht,dem Blutvergießen Einhalt zu thun; daher ward am 25. Nov. ein zehntägigerWaffenstillstand zwischen der belgischen und holländischen Negierung bekannt ge-macht, und die Grenze vom 30. Mai 1814 angenommen. Welches aber dieGrenze sei, ward verschieden ausgelegt. (Vergl. die Artikel Niederlande undLondoner Conferenz, sowie die diplomatische Frage über Luxemburgunter diesem Artikel.) Auch die Freiheit der Schelde blieb für Belgien eine Kriegs-frage. Wir bemerken blos, daß die entscheidende Erklärung des französischen Mi-nisteriums gegen eine Intervention der übrigen Mächte in Belgien, daß die großenRüstungen Frankreichs, daß die Ministerialveränderung in England, wo LordGrey an Wellingtons Stelle trat, und die von Tallsyrand bewirkte entscheidendeÜbereinstimmung Englands und Frankreichs, daß endlich die polnische Revolutionein für Belgien sehr günstiges Verhältniß in Europa hervorbrachten. Der Wieder-ausbruch der Feindseligkeiten mit Holland am Ende des I. 1830 hatte keine wei-tern Folgen. Englands ernste Sprache gebot Waffenruhe. Die Hauptfrage warjetzt, auf wen die Wahl eines Staatsoberhaupts fallen werde. Ein Gerücht sagte,daß für den Prinzen von Salm-Salm Stimmen gesammelt würden, währendBaron von Staffart den Plan beförderte, den König der Franzosen zugleich zumKönig der Belgier, als eines besondern Reichs, zu erwählen. Der Graf Robianovon Boorsbeck wünschte einen inländischen Fürsten, wozu man früher den Gra-fen Friedrich de Merode bestimmt hatte. Als dieser in Folge der Amputation sei-nes rechten Beins gestorben war, dachte seine Partei, von der Geistlichkeit unter-stützt, auf seinen Bruder Felix. Allein den theokratischcn Ansichten des Grafen Ro-biano waren die Liberalen entgegen. Dann sprach man von dem jungen PrinzenOtto von Baiern und von einem östreichischen Prinzen. Eine andere Partei warfür den Herzog von Leuchtenberg; allein das diplomatische Comite, dessen Vizepräsi-dent Herr de Celles war, eröffnete dem Congresse, daß Frankreich diesen Herzog nie-mals als König der Belgier anerkennen, sowie, daß König Ludwig Philipp ebensowenig die Vereinigung Belgiens mit Frankreich als die Wahl des Herzogs vonNemours genehmigen würde. Endlich kam es in der Sitzung am 3. Febr. 1831zu der Königswahl. Forgeur schlug den Herzog von Nemours vor. Bei derAbstimmung der 191 anwesenden Mitglieder fanden sich 97 Stimmen für denHerzog von Nemours, 74 für den Herzog von Leuchtenberg und 21 für den Erz-herzog Karl. Der Präsident proclamirte hierauf Ludwig Karl Philipp, Herzogvon Nemours (geb. am 25. Ott. 1814), als König, und am 4. ging eine Depu-tation des Congresses, bestehend aus 10 Mitgliedern mit Inbegriff des Präsiden-ten, an den König der Franzofen ab. Diese wurden mit der größten Freundschaft
14*