Belgien
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NM unabhängigen Staat bilden". Dieselbe beschloß am 9. Ott., daß eine Ver-sammlung nach Brüssel berufen werden sollte, um den künftigen Regenten zu wäh-len, und erklärte am 18. Oct. das Gcoßherzogthum Luxemburg für einen B^siandtheil Belgiens. Unterdessen hatte der Prinz von Oranien, von seinem Vaterbevollmächtigt, von Antwerpen aus am 5. Oct. durch eine Proclamation bekanntgemacht, daß er die Regierung des von Holland getrennten Belgiens übernehmeund die ihm beigefügten Minister, darunter den Herrn von Gobbelschroy, zu einemConseil vereinige, in welchem der Herzog von Ursel den Vorsitz führe. Der Prinzsollte die treugebliebenen Provinzen regieren, die insurgirten aber beruhigen. Erwar nur von Belgiern umgeben. Allein die blutigen Tage von Brüssel hatten dasHer; des Volks vom Hause Oranien abgewandt, und die letzte Hoffnung beruhtenur noch darauf, daß dem Prinzen von Oranien durch die neue Wahl die Regent-schaft übertragen würde. Der Centralausschuß (de Potter, Rogier, van de Weyer,Graf Merode) der provisorischen Regierung beschäftigte sich jetzt mit dem Ent-wurf eines Grundgesetzes, zu dessen Prüfung und Annahme demnächst ein Na-tionalcongreß von 290 Mitgliedern zusammenberufen werden sollte. Dieser al-lein, erklärte Graf Merode einem Abgeordneten des Prinzen von Oranien, habe dasRecht, mit dem Prinzen zu unterhandeln; übrigens könne der Prinz nur dannvielleicht die öffentliche Entrüstung mindern, wenn er die Truppen jenseit des Moer-dyk zurückzöge, die Gefangenen freigäbe und nichts im Namen des Königs, seinesVaters, thäte. *) Seit dieser Zeit standen in Brüssel und in Belgien überhauptdrei Parteien sich einander gegenüber: die durch viele aus Frankreich angekom-mene Franzosen verstärkte französische Partei, welche die Vereinigung Belgiens mitFrankreich, oder — weil die Katholiken von der Vereinigung nichts wissen woll-ten den zweiten Sohn des Königs, den Herzog von Nemours, als König vonBelgien vorschlugen; die zweite, an deren Spitze de Potter stand, war für einedemokratische Republik, jedoch mit der katholischen Religion als Staatsreligion;die dritte, die zahlreichste, welche aber nicht kräftig hervorzutreten wagte, wünschtedm Prinzen von Oranien zum Regenten. In dieser Zeit, wo die Freiwilligen,unter der Leitung der Factionsmänner, das Gesetz gaben und in den von ihnen be-setzten Städten, wie in Mecheln (am 18. Oct.), die gröbsten Ausschweifungenbegingen, wo politischer Haß überall mit Pöbelzügellosi'gkeit vorwaltete, da stock-ten Handel und Gewerbe ganz und gar. Viele Fabriken wurden aus Rachsuchtzerstört. Die reichen Eigenthümer flüchteten nach dem Auslande, und in Brüs-sel mußten 15,000 bewaffnete Freiwillige, ohne die vielen Armen, ernährt werden.Unter solchen Bedrängnissen erkannten die meisten Belgier in den gebildeten Stän-den, daß der Nerv des belgischen Wohlstandes in Holland und dessen Colonien sei.Allein keine orangistische Bewegung hatte irgendwo, nicht einmal in Gent, dessenBaumwollenfabriken ihren Hauptabsatz in Java verloren, einen günstigen Er-folg, denn die Volksstimmung war und blieb in der Masse gegen Oranien und Hol-land. ") Vergebens erklärte also der Prinz von Oranien am 10. Oct., daß er dieBelgier als eine unabhängige Nation anerkenne und daß er sich an die Spitze derBewegung stelle; vergebens bewies Graf von Hogendorp in einer eignen (obengenannten) Schrift, daß die Trennung Belgiens, unter einer Dynastie mit Hol-
*) Der König hatte schon dadurch das Vertrauen der Belgier verloren, daß erden Herrn van Maanen wieder ins Ministerium aufnahm und zum Präsidenten desobersten Gerichtshofes ernannte; daß er ferner am 6. Oct. die Hollander unter dieWaffen rief.
Die bedeutendste Contrerevolution zu Gunsten des Prinzen von Oranien ver-suchten zu Gent im Febr. 1331 der Oberst Ernst Gr«goire, ein Franzose, der Cap-tain de Bast, und ein Lieutenant Ernest. Im Großherzogthume Luxemburg scheiterte ebenfalls ein Insurrectionsversuch des Baron Tornaco im Dec. 1831.
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