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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
208
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203 Belgien

von den Bürgern selbst mit Unwillen vernommene Foderung, daß die Bürgergardeihre Farben ablegen sollte, reizte Alle zum entschlossensten Widerstande, den hierauf 'der Kampf selbst zur höchsten Erbitterung steigerte, und der endliche.Sieg auf denGipfel des demokratischen Ubermuthes erhob. Das Heer, mit welchem der Prinzam 21. Tept. von Antwerpen aufbrach, soll 12—16,000 Mann stark gewesen >sein. Die Truppen glaubten, es gelte blos die Stadt von einigen Meuterern undfremdem Gesindel zu befreien, wozu ihnen alle gute Bürger die Hand bieten wür- >den. Die Insurgenten zogen dem königlichen Heere am 22. entgegen, wurden abernach einigen Scharmützeln geworfen und in die Stadt gedrangt. Hier führten ^Juan van Halen und ein französischer General Mellinet den Militairbefehl; einfranzösischer Oberster, Parant, befehligte unter Mellinet die Artillerie. Unter denLüttichern zeichnete sich Charlier aus, ein Kanonier, das hölzerne Bein genannt.In der Nacht und am 23. früh ward bis um 11 Uhr um den Besitz des schaer-becker und des löwenschen Thores gestritten. Jedes kleine Haus war ein Block-haus; aus den Hausern goß man siedendes Wasser und Öl, man warf Ra-keten und Steine auf die Truppen, welche endlich um 5 Uhr Abends den Palastdes Königs erreichten. Am folgenden Tage bemächtigten sich die Hollander nacheinem hartnackigen Kampfe der übrigen königlichen Palaste, des löwenschen undnamurschen Thores, sowie eines Theils der bisher so prachtvollen, nun in einenSchutthaufen verwandelten Königsstraße und des Packs. Aber die untere Stadtmußte geräumt werden. Auch am 25. dauerte der Kampf um die obere Stadtfort. Freiwillige aus den umliegenden Orten waren den Brüsselern zu Hülfe ge-kommen. Da nun der Prinz sah, daß an keine Unterwerfung zu denken war, under am 26. zu Schaerbeck, wo sein Hauptquartier war, die Nachricht erhielt, daß dieLütticher ihn umgehen wollten, daß die Weiber die Waffen ergriffen, daß die In-surgenten einige wichtige Punkte wieder erobert hätten, daß der Palast des Königsund der Palast der Generalstaaten in Flammen stehe, so befahl er am 26. Abendsden Rückzug der Truppen, überließ die Stadt sich selbst, verlegte das Hauptquartiernach Dieghem und zog über Mecheln nach Antwerpen, wo er am 2. Oct. anlangte.In diesem viertägigen Kampfe waren 12 Häuser an den Boulevards, der Palastdes Prinzen Friedrich, zwei Hotels am Park und einzelne Häuser in verschiedenenStraßen niedergebrannt *); es sollen aber auf Seiten der Belgier nicht mehr als165 Todte und 311 Verwundete gezählt worden sein; dagegen soll der Verlustder Holländer an Todten, Verwundeten, Gefangenen und Ausreißern über 4000Mann betragen haben.

Die Jnfurrection breitete sich nach diesem Siege mit unglaublicher Schnelleaus. Möns, Gent, Ppern, Dendermonde, Bouillon, Meenen, Namur, Lö-wen, Philippeville, Ath, Marienburg, Doornick, Arlon u. s. w. fielen ohnebedeutenden Kampf in die Gewalt der Insurgenten, die nicht sowol aus Bürgernals aus Freiwilligen und Fremdlingen bestanden. Am 6. Oct. zog auch die hol-ländische Besatzung aus der lütticher Citadelle ab. Inzwischen hatte de Potterseinen Einzug in Brüssel gehalten und war als Mitglied der provisorischen Regie-rung an die Spitze des Centralausschusses getreten. **) Nun erklärte die proviso-rische Regierung am 4. Oct.: „die von Holland abgerissenen Provinzen sollen ei-

*) In diesen Tagen haben die Lütticher unter Rogier und andere Freiwillige dengrößten Theil der Bücherschatze und Manuscripte des Literators und Bibliographenvan Hulchem aus Gent, der eine der reichsten Privatbibliotheken in Europa de-saß, ruinirt und verbraucht.

**) Bau de Weyer und Gendcbien waren wahrend des Kampfes nach Walen-ciennes entflohen. Dagegen war der junge belgische Dichter Iouvenal, dessen Ge-sang, die lieeelieux^tiium, allgemein im Munde des Bolks dein Haufe Najjau dieqaerzen entriß, bald nachher im Kampfe gefallen.