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Erster Band (1832) A bis E
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203
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Belgien . 203

Lüge und der Verleumdung. Hollands Minister, vor allen der Justizminister vanMaanen, wurden von den Hauptorganen der Apostolischen und der Liberaleni Oourrier eie Iii Aloise" *) und „Onurrier t!es ?a^s-das") mit fanatischer Wuthangegriffen; auch entstanden politische Verbindungen, wie der Bund der Infamen(ver Geusen des 19. Jahrhunderts). Doch die machtigste Gelegenheitsursache,um das glimmende Feuer zu entzünden, war der Hochverrathsproceß gegen de Pot-hlalssA ter, den Herausgeber des „Oourrier lies Ua^s-bas", ^ seme Freunde. De Potter,bis 1827 ein erklärter Antipapist, hatte sich jetzt an die Spitze der Union, der Libe-ralen und der Ultramontanen gestellt. Er entwarf den Plan zu einer National-subscription für die Patrioten, welche ihre Stellen oder Pensionen verlören odergerichtliche Verfolgungen erduldeten. Auch schlug er vor, eine National-Bundes-acte zu schließen und sich zu jedem gesetzlichen Widerstande zu verpflichten. AlsUrheber, Theilnehmer und Verbreiter dieses Projects durch ihren Briefwechselüberführt, wurden Potter, Tielemans, Bartels und de Neve im Mai 1830, dereche zu acht-, die beiden andern zu sieben- und der letzte zu fünfjähriger Landesver-weisung verurtheilt. Potter schrieb nun von Paris aus an den König: „Sire, ret-ten Sie Belgien, noch ist es Zeit!" Er rieth ihm, sein antinationales Ministeriumdurch bekannte, von der Nation, d. h. von Belgien, geliebte und vor ihr verant-wortliche Männer zu ersetzen, die das bis jetzt befolgte ungeschickte und ungerechteSystem durchaus umstürzten! Der König konnte nichts thun. Was der strafbare,der verbannte de Potter rieth, das verwarfen die Holländer, das verwarf der feste,unbeugsame van Maanen. Der König schwieg, und Libry-Bagnano schrieb ineinem ministeriellen Journal (,,9.e national"): man müsse den Misvergnügtengleich den Hunden einen Maulkorb anlegen und ihnen Peitschenhiebe geben.

Nun kam die Kunde nach Belgien von dem Siege des Volkes zu Paris.Ein machtiges Ministerium war gestürzt, eine Dynastie verjagt, ein neuer Thronerrichtet durch das Volk von Paris! Brüssel gefiel sich stets in der stolzen und eitelnNachahmung von Paris. Jetzt, bei der allgemeinen Aufreizung, glich Brüsseleiner Ungeheuern Mine, in die nur noch der zündende Funke fallen durfte, um alleBande der Ordnung und der Ruhe zu sprengen. Der Funke fiel. **) Am 24. Aug.1830 sollte der Geburtstag des Königs durch Feuerwerk und Illumination gefeiertwerden. Beides unterblieb. Aber am 25. ward die bisher wie andere Freiheits-stücke von der Bühne ausgeschlossene Oper: „Die Stumme von Portici", aufge-führt. Dies war der zündende Funke. Nach Beendigung des Stücks stürzte einVolkshaufe nach der Druckerei des „National" und nach dem' Hause des Libry-Bagnano. Alles ward zertrümmert. Ein anderer Haufe bemächtigte sich in demHause eines Schwertfegers der vorräthigen Waffen. Darauf ward der Justizpalast,das Hotel des Justizministers van Maanen und das Haus des Polizeidirectors,de Knyff, mehr oder weniger verwüstet. Der Platzcommandant, die Gendarmeriemußten vor der Wuth des Volkes weichen; die Besatzung griff zu den Waffen,ttll aber der Pöbel wurde immer wilder, und das Hotel des Ministers van Maanenward in Brand gesteckt. Als es Tag geworden war, feuerten die Truppen. Esfielen Todte und Verwundete. Vergebens: der Ausruhr tobte fort. Häuser brann-r A s ^ dm, und Fabrikgebäude in der Umgegend, darunter die kostbaren Baumwollenfabri-

9 Dieser erließ im Oct. 1829 einen Aufruf an die Nation, in welchem er Ver-ls Weigerung der Steuern empfahl.

M "9 In der neuesten Geschichte Belgiens lassen sich folgende Abschnitte annehmen:9 Von dem Ausbruche der belgischen Revolution bis zur Einsetzung der Regent-styast in Belgien (25. Aug. 1830 bis 25. Febr. 1831); 2) die Ereignisse von derEinsetzung der Regentschaft bis zur Thronbesteigung Leopolds (bis 21. Jul. 1831);9 von der Thronbesteigung Leopolds bis zur endlichen Feststellung und allseitigenannähme des Friedensvertrags zwischen Belgien und Holland (bis — ?).