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der tiefere Grund der gegenseitigen Abstoßung gewesen zu sein, sondern die Verschke- ldenheit der Sprache, der Bildung und des Charakters war es, die den stolzen undreichen Belgier, der in Sprache und Gebrauchen mehr Franzose, in der Bildungaber weit hinter diesem zurück, dabei abhangig von der Geistlichkeit und ein Feind
aller Neuerungen war, zumal wenn solche von 2 Mill. Hollandern ausgingen,
jene Verschiedenheit war es, die ihn zum entschiedensten Gegner aller Maßregeln mach-te, durch welche der König Wilhelm und sein Ministerium der hollandischen Spracheals Staatssprache eine größere Allgemeinheit geben und dadurch eine gemeinsame Na-tionalitat begründen wollten. Der König nahm zwar in seiner Weisheit diese verhaß-ten Verordnungen zurück; ja er erklarte die Aufhebung eines nicht minder verhaßtenInstituts, die des philosophischen Collegiums zu Löwen, durch welches er vorzüglichauf die Bildung des katholischen Klerus einzuwirken gedachte. Aber dieses Nach-geben konnte jenen Haß nicht versöhnen. So geschah es, daß die moderne Parteider Liberalen und die alte ultrakatholische Partei (welche schon Josephs II. Refor-men mit Erfolg widerstanden hatte) sich immer enger verbanden, um in den Kam-mern, in den Journalen und durch Petitionen der protestantischen Regierung einesKönigs von Holland ebenso im republikanischen als im ultramontanen Sinne ent-gegenzuarbeiten. Das Gefühl des Drucks wirklich vorhandener Lasten und Man-gel überwog nun bei weitem den Besitz der Vortheile, welche durch die Vereini-gungsacte den Belgiern zugesichert worden waren. Diese Vortheile bestanden 1)in der Trennung von einem mit militärischer Machtvollkommenheit regierten Lan-de, wie Frankreich unter Napoleon war, zu dem Belgien als ein inniger Bestand-teil gehörte, ohne daß von seinen frühern Rechten, die es unter Ostreichs Scep-ter gehabt, auch nur eine Spur sich erhalten hatte, und in der Vereinigung mit ei-nem aufgeklarten, nur in verfassungsmäßigen Formen zu regierenden Lande; 2) inder Zusicherung, daß die hollandische Verfassung in Gemäßheit des neuen Verhält-nisses zu Belgien modisicirt würde, daß die Belgier gleiches Recht mit den Hollän-dern erhalten und in den Generalstaaten auf angemessene Weise vertreten, auch inBeziehung auf den Handel mit den Colonien und überhaupt auf die Schifffahrtmit den Holländern ganz gleich behandelt werden sollten. Dagegen mußten dieBelgier statt einer.Capitalschuld von 4 Mill. Fl. Renten (nach dem Memorandumder Conferenz zu dem Protokolle Nr. 48 vom 7. Oct. 1831), die auf ihrem Landehypothecirt waren, jetzt die alte Staatsschuld der Holländer: 788,558,23k Fl.an activer, und 1,203,933,512 Fl. an aufgeschobener Schuld („Geneal.-hist.-stat.Almanach für 1832") mit diesen theilen. Dazu kamen spätere Beschwerden, dieim Fortgange der Regierung und Verwaltung beider Theile nach einem Systeme,für beide, am fühlbarsten aber für den ohnehin mit der ganzen Vereinigung unzu-friedenen Belgier hervortraten. Weil nämlich das vorgelegte neue Verfassungsge-setz den holländischen Provinzen, wenngleich sie an Einwohnerzahl und Flächen-raum bedeutend kleiner als die belgischen waren, in den Generalstaaten ebenso vielRepräsentanten als den belgischen Provinzen gegeben hatte, so verwarf zwar dieMehrzahl der belgischen Notabeln dasselbe, allein weil man die Stimmen der nichterschienenen Abgeordneten als bejahende zählte, ward das neue Verfassungsgesetzdennoch für angenommen erklärt. Dies war der erste Grund der nun fortwährendsich steigernden Misstimmung der Belgier. Daher griff die belgische Opposition,welche gegen Napoleon's Verwaltung, Conscription u. s. w. sich nie geregt hat-te, jetzt in den Generalstaaten die Negierung mit jedem Jahre heftiger an. DieLiberalen verlangten, an die Ultramontanen sich anschließend, unter dem Vorwandedes freien Unterrichts die Beibehaltung oder Herstellung der halbjesuitischen Semi-narien-, dafür stimmten die beim Niedern Volke sehr einflußreichen Geistlichen mitden Lioeralen für Preßsreiheit, Geschwornengerichte und Verantwortlichkeit derMinister. Die Heftigkeit dieser im In- und Auslande als factiös verdächtigen