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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
196
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1W Becker

schaftlichen Seite auffaßte, beweist seine 1802 von der medicinischen Facultat inGöttingen gekrönte lateinische Preisschrist über die Wirkungen der Warme undKalte auf den lebenden menschlichen Körper. Nach Beendigung seiner akademi-schen Studien in Göttingen wurde er 1803 als praktischer Arzt in Höxter an derWeser angestellt, er verlor aber 1806 in Folge der eingetretenen politischen Verän-derungen die mit seiner Anstellung verbundene Besoldung. Als man 1810 imKönigreiche Westfalen einen besondern, aus Physikern und Chemikern zusammen-gesetzten Verwaltungszweig für die Fabrikation des Pulvers und Salpeters errich-tete, wurde ihm die Stelle eines Unterdirectors der Pulver- und Salpeterbereitungfür die Departements der Leine und des Harzes angetragen. Zu seinem Wohnortewurde ihm Göttingen angewiesen. Er verwendete die ihm von seinem Amte frei-gelassene Zeit dazu, die Erfahrungen, welche er selbst über den damals im Gefolgeder Kriege epidemisch gewordenen Typhus gemacht hatte, mit den Erfahrungen an-derer Ärzte zu vergleichen, schrieb 1812 ein kleines Werk „Über das Petechial-fieber", und hielt im Winter akademische Vorlesungen. Auch für die Salpeter-fabrikation suchte er eine mehr wissenschaftliche Begründung zu gewinnen; die Re-sultate seiner Vergleichung der Beobachtungen aller Zeiten und Lander über jenenin Deutschland wenig beachteten Gegenstand mit seinen eignen Beobachtungenmachte er bekannt in der Schrift: „Theoretisch-praktische Anleitung zur künstli-chen Erzeugung und Gewinnung des Salpeters" (Braunschweig 1814). Er folgte1813 dem Rufe der Centralhospitalverwaltung für die verbündeten Heere undstand mehren Militairhospitälern in und um Frankfurt vor. Als 1815 die Cen-tralhospitalverwaltung aufgelöst wurde, ließ er sich als praktischer Arzt in Offenbacham Main nieder. Vater einer zahlreichen Familie, übernahm er selbst den Unter-richt seiner Kinder mit so gutem Erfolge, daß gegen das Jahr 1823 einigeFreunde u.^Bekannte aus dem benachbarten Frankfurt ihm den Antrag machten,ihre Kinder ^Mden seinigen zu erziehen. Er glaubte in seinen Verhaltnissen diesenAntrag nicht avlehnen zu dürfen, und so bildete sich in seinem Haufe allmälig eineErziehungsanstalt, welche noch jetzt besteht. Die Liebe zur Sprachforschung, derer sich schon 25 Jahre früher als Schulmann mit Vorliebe zugewendet hatte, wurdenun, da er sich mit Sprachunterricht beschäftigte, wieder lebendig, und er wurdebesonders durch Grimm's Forschungen lebhaft angeregt. Durch seine naturwissen-schaftlichen Forschungen war er aber auf einen Standpunkt gestellt, von welchemaus die Sprache bisher entweder gar nicht oder doch nur obenhin und auf eine nichtin das Innere derselben eingreifende Weise war betrachtet worden. Er erkannte inder Sprache eine durch die geistige und leibliche Natur des Menschen nothwendiggegebene organische Verrichtung, und versuchte demnach, die Sprache in ihremganzen Umfange und in allen ihren Verhältnissen als Product einer organischenEntWickelung darzustellen. Diese organische Entwickelung der Sprache ist derGrundgedanke, aus welchem sich auf einfache Weise ein System entwickelt, wel-ches alle Theile der Sprache umfaßt und zu einer organischen Einheit verbindet.Das erste Werk, in welchem sich B. als Sprachforscher ankündigte, war „Diedeutsche Wortbildung"(Frankfurta. M. 1824); alsdann erschien der „OrganismusderSprache"(Frankfurta.M. 1827). Die in dem letzten Werke entwickelte Ansichtmußte, auf die Grammatik angewendet, nicht etwa andere Bestimmungen einzelnerTheile derselben, sondern eine ganz neue Gestaltung der ganzen Grammatik herbei-führen, wie sie in der größern „Deutschen Grammatik" (Frankfurt a. M. 1829)und in der „Schulgrammatik der deutschen Sprache"(Frankfurt a. M. 1831) hervor-getreten ist. Da B. seine Ansicht nicht sowol durch polemische Angriffe gegen dieentgegengesetzten Ansichten als durch historische Begründung der Thatsachen gel-tend zu machen suchte, und die Ansicht selbst durch eine innere Lebendigkeit anzieht,die von Oberflächlichkeit und Pedanterle gleich entfernt ist, so hat sie, obgleich sie