Druckschrift 
Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
192
Einzelbild herunterladen
 

192 Baumgarten-Crusius (Ludwig Friedr. Otto)

Gelehrte auch ein guter Bürger sein und Beides durch Fleiß, Ausdauer im Begon-nenen, gesetzliche Freimütigkeit, standhafte Vaterlandsliebe und durch treues Hal-ten an Dem, was dem Geiste groß und dem Herzen heilig ist, unverbrüchlich be-wahren müsse.

Baumgarten-Crusius (Ludwig Friedrich Otto), Doctor der Phi-losophie und Theologie, ordentlicher Professor der Theologie zu Jena und geheimerKirchenrath, des Vorigen Bruder, wurde im Jahre 1788 zu Merseburg geboren.Er besuchte anfangs das Gymnasium seiner Vaterstadt, spater die Fürstenschule zuGrimma, und bezog in seinem siebzehnten Jahre (1805) die Universität zu Leipzig,wo er drei Jahre lang Theologie studiere. Als Mitglied des dortigen philologischenSeminars war u. A. Röhr sein Zeitgenosse. Er wurde 1808, von Reinhardexaminirt, Candidat der Theologie; 1809 Privatdocent zu Leipzig nach Verthei-digung seiner Dissertation über Platon's Philebus, 1810 Universi'tätspre-diger; 1812 aber folgte er einem Rufe als außerordentlicher Professor derTheologie nach Jena, wo er, nachdem er mehre auswärtige Berufungen abge-lehnt hatte, 1817 ordentlicher Professor und 1818 Mitglied des Senats undder theologischen Facultät wurde. An ausgebreiteter und gründlicher Gelehr-samkeit, an originellem Geist und scharfsinnigem feinen Denken nimmt B.unbestritten eine der ersten Stellen unter den Theologen unserer Zeit ein. Esist fast kein Zweig der Theologie, worin nicht sein reicher, unermüdlich forschen-der Geist einheimisch wäre. Die Exegese des A. und N. T., die Dogmen-geschichte und Dogmatik, aber auch Philosophie und besonders ihre Geschichtesind die wissenschaftlichen Gebiete, die er mit großem Erfolge bearbeitet, undüberall bahnt sich sein originelles Denken neue Wege. Aber eine allzu großeÄngstlichkeit, die ihn nur Ausgezeichnetes und wirklich Neues der Öffentlichkeitübergeben läßt, hat ihm verhältnismäßig nur wenig Früchte seiner schriftstelleri-schen Thätigkeit gestattet, und da er den reichen Inhalt seines Geistes nicht immerdurch eine klare Darstellung zu beherrschen weiß, so werden auch diese wenigenschwerer zu genießen. B. hat sich keinen der herrschenden theologischen oder phi-losophischen Schulen angeschlossen; früher zeigte sich einiger Einfluß der Schel-ling'schen Philosophie auf seine theologische Denkart, wovon er sich aber immermehr frei gemacht hat. Seiner durchaus freien, keiner Autorität untergebenenDenkart nach hat er allerdings von jeher dem Rationalismus zugehört; aberdarum konnte er sich doch nicht mit dem herrschenden System des jetzigen Ratio-nalismus befreunden, ja er stand früher in einer gewissen Opposition gegen jenes weswegen er in den jedoch ungegründeten Ruf des Mysticismus gerieth,hat sich demselben aber neuerdings wieder mehr genähert. Seiner frühern Pe-riode gehören unter seinen Schriften an:ve llomine, vei sibi conscio" (Jena1812);Das Menschenleben und die Religion" (Jena 1816). Als Kämpfer fürreligiöse Freiheit trat er gegen Harms auf durch dieXCV tkese8 tdeolo^icoe con-trn superstltionem et protarütAtein" (Jena 1817), sowie er in demselben Sinnespäter gegen die hallischen berüchtigten Verketzerer seine Stimme erhob in derSchrift:Über die Gewissensfreiheit, Lehrfreiheit und über den Rationalismusund seine Gegner" (Berlin 1830), auch sonst in Zeitschriften. Im Widerspruch,ja fast feindselig erschien er gegen den Rationalismus in der Gestalt, wie crvon Wegscheider u. A. gelehrt wird, in seiner originellen und an Denkstoff rei-chen, doch zu wenig verarbeitetenEinleitung in das Studium der Dogmatik"(Leipzig 1820). Vollständigere Darstellungen seiner Lehre gab er in den Schrif-ten:Handbuch der christlichen Sittenlehre" (Leipzig 1821);Grundzüge derbiblischen Theologie" (Jena 1828);Grundriß der evangelisch-kirchlichen Dog-matik, für Vorlesungen" (Jena 1830). Seine ausgezeichnetsten Forschungenaber hat er auf die Dogmengeschichte gewendet, deren Resultate er in seinemLehr-