Bartholdy
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sturmedict zugeschrieben, dessen mehr als spartanischer Inhalt, obgleich nie ausge-führt und kaum ausführbar, durch lahmende Entmuthigung den Trotz des Feindeszu brechen wohl geeignet war. B. begleitete die vereinten Heere 1814 nach Paris,und ging von da nach London. Unterwegs, auf dem Paketboote, machte er die Be-kanntschaft des Cardinals Consalvi, mit welchem er bis zu dessen Tode in genauemVerhaltnissen blieb; und von ihm rührt auch der interessante Nekrolog Consalvi's inder „Allgemeinen Zeitung" her. Nach reger Theilnahme am wiener Congresse kam er1815 nach Rom als preußischer Generalconsul für ganz Italien. Er wurde 1818 zumCongresse nach Aachen berufen; und auch zum Geschäftsträger am toscanischenHofe und zum geheimen Legationsrathe ernannt, kehrte er bald wieder nach Italienzurück, um es nie mehr zu verlassen. Rom blieb sein Aufenthalt, von wo er öfterkleine Geschäftsreisen nach Florenz und Neapel unternahm. Ganz besonders wurdeer in diesem Lande durch den Ausbruch der Revolution angezogen und vielfach be-schäftigt. Seine diplomatische Stellung und sein scharfer Blick gestatteten ihmschon früh eine richtige Einsicht in das Wesen der Carbonaria, über welche er nichtnur ein kleines, mit vielem Muthe geschriebenes Werk herausgegeben, sondern auchsehr interessante handschriftliche Memoiren, die zugleich das italienische Banditen-wesen betreffen, hinterlassen hat. Doch sollte sein glückliches, der Politik, den schö-nen Künsten und der höhern Geselligkeit geweihtes Leben, welches ihm in dem Landeseiner frühen Vorliebe beschieden war, nur von kurzer Dauer sein. Nachdem ihmder Tod seine Gönner Hardenberg und Consalvi entrissen, auch seine Stelle zu An-fang des 1.1825 eingezogen und er auf Pension gesetzt worden war, erkrankte erden 19. Iul. an einer Unterleibsentzündung, und schon den 29. wurde seine Leicheauf dem Begräbnißplatze der Protestanten an der Pyramide des Cestius bestattet.—Unbedenklich muß man B. zu den ausgezeichneten Männern seiner Zeit rechnen.Mit einem durchdringenden Verstände, mit seltener Geistesgewandtheit und einergründlichen, selbst gelehrten Bildung verband er die vorzüglichsten Eigenschaftendes Charakters, welche freilich nicht immer auf den ersten Blick sich kundgaben,sondern hinter einer unscheinbaren, oder doch nicht anziehenden Hülle erkannt seinwollten. Seine Tüchtigkeit als Diplomat und Geschäftsmann im höhern Sinnedes Wortes erwarb ihm von allen Seiten Vertrauen; die ausgezeichnetsten Staats-männer seiner Zeit standen mit ihm in innigem Verhältnissen und im Briefwech-sel; das eiserne Kreuz, der Orden der eisernen Krone, der bairische Civilverdienst-und der St.-Wladimirorden waren ihm für seine den Regenten geleisteten Dienstezu Theil geworden. Aber auch für das Schöne besaß B. einen regen, empfäng-lichen Sinn, und für die Förderung der Kunst ist er mit dem glücklichsten Erfolgethatig gewesen. Man darf behaupten, daß er einen lange vernachlässigten Kunst-zweig, die Frescomalerei, wieder ins Leben gerufen hat, indem er durch die damalsin Rom lebenden Maler Co'Melius, Overbeck, Veit, Schadow, Catel die Geschichtedes Joseph in seiner gemietheten Wohnung a! tresco darstellen ließ, welches Bei-spiel zunächst in Italien, dann aber in Deutschland die großartigste Nachahmungfand. Seiner Verwendung beim Fürsten Metternich verdankt Caprarola, das Mei-sterstück Vignola's, seine Erhaltung. Auch als Sammler von Kunstwerken warer unablässig thätig und glücklich ; ihn leitete neben gründlicher Kunstkenntniß einfeiner Geschmack, und so hatte er auserlesene Gemälde, Bronzen, antike Vasen,Majolicagefäße, Elfenbeinbilder, vorzugsweise aber antike Gläser und Arbeiten vonterra cotta in seinen Besitz gebracht. Eine kleine Auswahl ausgezeichnet schönerGenrebilder von damals in Rom lebenden deutschen und französischen Malern istin den Privatbesitz übergegangen; die größern Sammlungen aber, namentlich dieBronzen, Vasen und Gläser, sind auf Befehl des Königs von Preußen angekauftund dem Museum in Berlin einverleibt worden. Lange hatte ihn ein Werk überantike Gläser und Glaspasten beschäftigt, wozu Ruscheweyh die säubern Zeich-