Druckschrift 
Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
179
Einzelbild herunterladen
 

Barths

179

jW«

W>'

Mitglieds ernannt. Durch seine sehr zahlreichen Schriften geht die gemeinschaft-liche Tendenz, in der praktischen Medicin den naturwissenschaftlichen und nament-lich physiologischen Standpunkt unverrückt fest zu halten. Diese Schriften, vondenen wir besonders seineAnfangsgründe der Naturwissenschaft" (2 Bde., Leipzig1321) und seinePathogenetische Physiologie" (Kassel 1829) hier auszeichnen,haben mit größtem Rechte ihrem Verfasser einen geachteten Namen verschafft, ohnedaß sie jenen ins Jahrhundert hineinstralenden Glanz bekundeten, der den Man-nern vorbehalten bleibt, die entweder eine neue Bahn brechen, oder praktisch-nützlicheWahrheiten offenbaren, oder die mit der letzten und höchsten Weihe des Denkersbegabt sind. Die Naturwissenschaften, die Naturphilosophie, die Gall'sche Lehre,der animalische Magnetismus haben nach und nach B. beschäftigt, und wir be-sitzen in seinen einzelnen Werken lehrreiche Früchte seines Strebens in diesen Fa-chern. Als Schriftsteller mag er sich den hier und da wol gemachten Vorwurf ge-fallen lassen, daß er mehr Philosoph als Arzt sei, da die medicinischen Philosophenin Deutschland wahrlich nicht allzu häufig sind, und es ihrer, bei der immer größernVerschwemmung der deutschen medicinischen Literatur in die Empirie hinein, mehrund mehr Noch thut. Andere Ansprüche hat freilich das medicinisch-klinische Ka-theder. Wir dürfen wol nicht hinzusetzen, daß B. ein Mann von gründlicher Bil-dung sei, wie er denn auch durch große Urbanität und Milde der Sitten als Menschhöchst achtbar ist. (28)

Bart he (Felix), geb. 1795 zu Narbonne im Audedepartement, während derRestauration einer der freisinnigsten Advokaten und Mitglied von geheimen Ge-sellschaften, hat sich als Minister Ludwig Philipps an Perier's System angeschlos-sen und zieht als politischer Renegat die besondere Feindschaft der jetzigen Opposi-tionauf sich, welche seine frühern Verdienste so lange vergessen oder herabsetzenwird, bis er sich wieder zu seinen ehemaligen Ansichten bekennt. Wir jedoch berich-ten rein factisch über seine Leistungen und überlassen es dem Leser, zu urtheilen, inwelcher Zeit B. größer dastand, als freisinniger Advokat oder als Minister des ssist«milieu. Nachdem er seine juristischen Studien in Toulouse vollendet, kam er nachParis und wurde sehr bald als Ankläger des königl. Gardisten, der im Jun. 1820den Studenten Lallemand während eines Auflaufes erschoß, berühmt. In seinerAnklage erhob er sich mit feurigen Worten gegen die Machthaber, welche die libera-len jungen Leute wegen ihres Rufes:Es lebe die Charte!" durchprügeln ließen.Das Kriegsgericht, vor welchem B. das Wort führte, gab den Bescheid, der Gar-dist habe seine Pflicht gethan. B. wollte an die Presse appelliren, die Censur ver-bot es. Etwas später vertheidigte der junge Advokat vor der Pairskammer denDberstlieutenant Caron, der einer Verschwörung gegen die Bourbons beschuldigtwar, und Caron wurde freigesprochen, aber nur auf kurze Zeit. Mit gleichem Ta-lente sprach B. 1822 für drei in die Verschwörungsanklage von Befort verwickelteJünglinge, und rettete drei Menschenleben. Dann vertheidigte er die Angeklagtenvon la Rochelle und bald darauf den Deputirten Köchlin, wobei er mit beredtemEifer die Soldaten, welche für Geld und Orden gegen Mitbürger kämpfen, tadelte;Köchlin ward zu einer für die damalige Zeit geringen Strafe verurtheilt. Im Pro-teste deslourricll 6u commerce" vor der Kammer der Abgeordneten, donnerte derschon hochberühmte Advokat mit zermalmenden Worten gegen die Wahlintriguender Minister, und das Journal wurde nur zum Minimum der Strafe verurtheilt.Zunächst nach Dupin d. Ä. war seitdem und bis zur Revolution im Jul. 1830kein anderer Advokat Frankreichs so ausgezeichnet als B. in der Vertheidigungder Presse gegen die Geldbußen, und zunächst nach Odilon Barrot wirkte wol keinAnderer so thatig als B. in den geheimen Gesellschaften, um Frankreich auf dieGewaltstreiche Polignac's vorzubereiten. Hatte sich B. durch sein bisheriges Be-nehmen eine glänzende und gerechte Volkstümlichkeit erworben, so brachten ihm

12*