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Barrow
177
Barrow (John), Mitglied der königlichen Akademie der Wissenschaf-ten zu London und Admiralitätssecretair, einer der größten Kosmographen allerZeiten, dessen Name sich beinahe das Gewicht und die Vollgültigkeit einer geo-graphischen Akademie erworben, hat sich von Jugend auf mit allem Eifer dem Stu-dium der Erdkunde, Mathematik und Astronomie gewidmet, welche letztere Wis-senschaft er von 1786 — 91 mit großem Erfolge zu Greenwich lehrte. Natur-wissenschaftliche Forschungen und physikalische Versuche füllten seine Mußestun-den aus, und bald war sein Ruf so sehr verbreitet, daß Lord Macartney, der 1792von der britischen Regierung zur Anknüpfung von Handelsverbindungen mitChina nach Pecking gesendet wurde, B. zu seinem Privatsecretair wählte, wah-rend Sir George Staunton als Gesandtschaftssecretair den Briefwechsel und dieöffentlichen Geschäfte besorgte. Obgleich dieser, sowie Macartney's übrige Be-gleiter, Anderson, Holmes und Alexander, nach der Heimkehr die Reise be-schrieben, und jeder in einem besondern Werke seine Beobachtungen herausgab,so ist doch kein Bericht an Gründlichkeit mit B.'s Schrift zu vergleichen. Selten hateine Gesandtschaft so glänzend begonnen und so unglücklich geendigt. Mit wenigenWorten beschreibt Anderson das Schicksal der Botschaft: „Wir kamen nachPeckingwie Bettler, verweilten da wie Gefangene, und verließen die Stadt wie Diebe." B.schildert besonders ausführlich Cochinchina, wohin er sich begeben hatte, als die übri-gen Mitglieder der Gesandtschaft in der Mandschurei, wo damals der Hofsich auf-hielt, verweilten. Kurz nach seiner Rückkehr nach Europa gab er 1794 Beschreibun-gen der verschiedenartigsten Taschenapparate von mathematischen Instrumentenheraus, wozu er schon während seines Aufenthaltes in Oxford und Greenwich dieMaterialien gesammelt hatte. Der Ruhm Mungo Park's reizte auch B.'s That-krast. Wie dieser von Norden und Westen her das Herz von Afrika zu erfor-schen sich bemühte, wollte er von Süden aus in das Innere eindringen. Dasganze Gebiet der europäischen Colonien bis an den Orangefluß durchwandernd,gab er, der Erste, eine Übersicht der Arealgröße, indem er mit Hülfe der Statthalter-schaft das ebene Land theils selbst aufnahm, theils aufnehmen ließ. Nachdem B.den Tafelberg überstiegen und einige Tagemärsche zurückgelegt hatte, kam er indie Wüste Kam. Ohne eine Menschenspur zu entdecken, setzte er seine Reise mit-ten durch die großen Gebirgsketten des Zwartebergs und Nieuweldt fort und ge-langte endlich zu dem Dorfe Graaf-Reynet. Hier schloß er sich einer Gesandt-schaft an, welche die Einwohner in Verbindung mit den Bruntjeshoogte an einigeKassernhäuptlinge schickten. Von dem Aufenthaltsorte des Kassernkönigs (Gaika),der auf einem Ochsen zur Audienz geritten kam, drang er bis zum Sneuwberg vorund lernte nicht nur die europäischen Niederlassungen, sondern auch die Hottentot-ten- und Kaffernstämme nebst den wilden Buschmännern kennen. Nach seinerZurückkunft in die Capstadt unternahm er, und zwar ganz allein, noch eine Reisein das Gebiet der Namaquaer in der Nähe der Westküste, und machte eine zweiteWanderung in das Kafsernland. B.'s Werk: „Account of travels int« tke in-terior osSolitstern^iriokr" (London 1891—4), liefert eine neue Ansicht des gan-zen südafrikanischen Landstrichs und seiner verschiedenartigen Bewohner und ist nebstLichtenftein und Thompson noch heute die sicherste Richtschnur für alle Eapreisende.Erst 1894 gab B. seine Bemerkungen über China heraus, die in Frankreich so vielInteresse erregt haben, daß der Sohn des berühmten Orientalisten de Gukgnes in ei-ner eignen Schrift: „tZstservutions snr les vo^ages cke Larrovv ü In deine", Anmer-kungen darüber herauszugeben sich veranlaßt fühlte. Zwei Jahre darauf erschienB.'s Reise in Cochinchina. An dieses Werk schließt sich der Bericht von einer 1891und 1892 nach dem Wohnorte des Häuptlings der Bushuanas — dem entfern-testen Punkte im Innern von Afrika, zu welchem vorzudringen es damals denEuropäern gelungen war — gemachte Reise; wahrscheinlich aber hat B. dieseConv .-Lex. der neuesten Zeit und Literatur. 1. ? 2