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heben, weil der Prinz von Parma mit einem spanischen Heere zum Entsatz her-beikam. Wahrend der Minderjährigkeit Ludwigs XIV. führten die einanderentgegengesetzten Zntriguen des Cardinals Mazarin und der Antiministerietten(der Fronde) neue Volksunruhen herbei. Die Straßen der Hauptstadt wurdenabermals durch die vorhandenen Ketten gesperrt, und die Königin-Regentin mitdem Hofe und Mazarin bewogen, nach Saint-Germain zu flüchten, wo siemit den Parisern unterhandelten und alsdann wieder zurückkehrten. Als sich je-doch bei ausgebrochenem bürgerlichen Kriege die Truppen der Fronde in den Vor-städten von Paris festgesetzt hatten (1652), wurden von ihnen an den Thorenund Zugängen Verschanzungen und Barrikaden errichtet, deren Angriff durch dieKöniglichen, unter Turenne's Anführung, das Tressen in der Vorstadt St.-Antoineveranlaßte. Ebenso hatten schon die Truppen Heinrichs IV. im I. 1580, alssie in Tours von der ihnen weit überlegenen liguistischen Armee unter dem Her-zoge von Mayenne angegriffen wurden, die drei Zugange der Vorstadt durch umge-worfene Wagen, in der Eile herbeigeschlepptes Holz und dergl. versperrt, und ver-teidigten sie mit großer Herzhaftigkeit. Beispiele ähnlicher Barrikadirungen fin-den sich öfters, um in belagerten Städten das Vordringen des Angreifers durch denWallbruch in die Straßen zu hindern oder auch zu begünstigen. Es ist in dieserHinsicht unter andern Saragossa 1808, Dresden und Kassel 1813, Sens 1814und Saint-Denis 1815 zu erwähnen. — Am merkwürdigsten und erfolgreichstenerschienen die Barrikaden 1830 in Paris und Brüssel, wo sie den regellosenVolkshaufen den Sieg über die Truppen gewinnen halfen. In Paris entstandendie Barrikaden in Einer Nacht (vom 27. zum 28. Iul.) in allen Straßen undQuergassen von 100 zu 100 Schritten, theils aus umgeworfenen Wagen, theilsaus dem aufgebrochenen Straßenpflaster gebildet, dessen flache, viereckig gehaueneSteine sich besonders dazu eignen, auf den Boulevards aber aus den vorhande-nen Baumen, sodaß sie eine vier- und mehrfache Linie von Verschanzungen bil-deten, welche jeden Gebrauch der Artillerie und Cavalerie unnütz machten und selbstdas Vordringen der Infanterie aus den Tuilerien nach der Straße Richelieu verbo-ten. Die letztere, sowie alle nach ihr führende Nebengassen, war in ihrer Langevom lAäütre bis zum Boulevard vielmals abgeschnitten, und die Colon-
nade des Theaters selbst mit Vertheidigern besetzt, welche die Straße St.-Honoräbeschossen und dadurch die Ausstellung von Geschütz zu Bestreichung der StraßeRichelieu unmöglich machten. Zum Überfluß waren in die obern Stockwerke derHäuser zerschlagene Pflastersteine getragen werden, und wo diese fehlten, vertratenDachsteine oder die flachen Ziegel der Zimmerfußböden die Stelle. Auf solcheWeise verwandelte sich Paris in eine verschanzte, von den Einwohnern vertheidigteStellung, in der jede Straße eine besondere, geschlossene Nedoute darstellte, gegendie Angreifer, d. h. gegen die von den königlichen Truppen besetzten Tuilerienund das Louvre gekehrt, denen man den Raum zwischen der Straße St.-Honore undder Seine, von dem Platze Ludwigs XVI. an bis an die Straße de iArbre secüberlassen hatte. Die äußern Barrikaden aber waren gegen die Boulevards, wosich ebenfalls angreifende Truppen befanden, gerichtet. In der Vorstadt St.-De-nis war dies bis zur Hälfte der Straße desselben Namens der Fall, der übrige Theilvertheidigte sich bis zur Barriere gegen den etwa von Außen anrückenden Feind.In Brüssel waren die Barrikaden zwar bei der Ankunft der Holländer (am 23.Sept. 1830) vorbereitet und von ähnlicher Beschaffenheit, jedoch nicht von hinrei-chender Stärke und Höhe, um die Holländer wirklich aufzuhalten. Sie wurdennach und nach erobert, aber auch wieder aufgegeben, und haben wenig zu Gunstender Belgier bewirkt, deren Vertheidigung mehr aus dem obern Theile der Häuserstattfand und deren Erfolg nur aus dem Zusammentreffen mehrer für die Hollän-der ungünstigen Umstände herzuleiten ist. (27)