Druckschrift 
Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
175
Einzelbild herunterladen
 

Barrikaden

.175

lichen Sicherheit zu treffen, während er äußerlich vollkommen ruhig und unbesorgtschien und noch am Abend vor dem Ausbruch des Aufruhrs (11. Mai) als Oberkam-merherr dem Könige die Serviette reichte. Dieser hatte, um die von ihm anbefohlene,von den Bürgern aber verweigerte Fortschaffung aller seit einigen Tagen nach Parisgekommenen Fremden allenfalls mit Gewalt durchzusetzen, mit Anbruch des Ta.ges (12. Mai) die französischen und Schweizecgarden, nebst einigen Truppen,zusammen etwa 6000 Mann, in die Stadt kommen lassen, ritt ihnen selbst bis^ dcls Thor Saint-Honore entgegen und gab die nöthigen Befehle zu ihrer Aus-stellung auf dem Kirchhofe St.-Innocent und in der Umgegend, auf den BrückenNotredame, St.-Michel und au Ehange, am Hotel de Ville, dem Greveplatze undin den Zugängen des Maubertplatzes. Er kehrte dann wieder nach dem Louvrezurück, wahrend die Truppen mit klingendem Spiel ihre Posten bezogen. Das wardas Zeichen zum Aufruhr; denn die Einwohner waren von der liguistischen Parteiüberredet worden, daß die vornehmsten Haupter der Ligue umgebracht und die Stadtgeplündert werden sollte. Die Sturmglocke erschallte; die Bürger waffneten sich undversammelten sich unter ihren Hauptleuten, Rottmeistecn und den Offizieren des Her-zogs von Guise, die sich deshalb schon unter sie gemischt hatten. Der Graf Brisisiw,einer der Aufgeregtesten, der sich im Viertel der Universität am Platze Maubert be-fand, rief einen Haufen von Studenten, Lastträgern, Schiffern und Handwerkernauf; zugleich ließ er in den Straßen die Ketten vorziehen, das Pflaster aufreißenund von starken Hölzern und mit Erde oder Mist gefüllten Tonnen von 30 zu 30Schritt Abschnitte (liarricaeks) anlegen, die mit Musketieren besetzt, sich fast ineinem Augenblicke durch die ganze Stadt bis auf 50 Schritt vom Louvre verbrei-teten, sodaß die königlichen Soldaten keinen Schritt vor oder zurück thun konnten,ohne sich den sicher treffenden Musketenschüssen der Bürger hinter den Barrikadenoder den Steinwürfen aus den Fenstern der nächsten Häuser auszusetzen. Schonwaren am Platze Maubert mehr als 60 Schweizer todt oder schwer verwundet;noch hörten die durch das Zurufen ihrer Anführer aufgereizten Bürger nicht zufeuern auf, obgleich die Schweizer knieend und mit aufgehobenen Händen umGnade flehten, bis Brissac, der mit gezogenem Degen das Vorrücken der Barri-kaden leitete, herbeikam und ihrer Wuth Einhalt that, indem er die SchweizerVive 0>üse! rufen ließ und sie als Gefangene mit sich fortführte. Der Herzogvon Guise ging mittlerweile in seinem Hotel auf und ab und antwortete Denen,welche der König an ihn schickte, mit dem Ersuchen, den Tumult zu stillen, ersei nicht Herr dieser wilden Bestien, die man nicht auf diese Weise hätte reizensollen. Endlich aber ging er doch, mit einem Stöckchen in der Hand, von Barri-kade zu Barrikade, hieß den Pöbel ruhig sein und sich blos auf die Vertheidigungbeschranken. Er schickte hierauf die französischen Garden sowol als die Schweizernach dem Louvre zurück und ließ dem König sagen, sobald die katholische Religiongesichert, und er und die Seinen gegen die Anschläge ihrer Feinde geschützt wären,würde er gern Alles thun, was einem guten Unterthan gegen seinen Oberherrn ge-zieme. Als es jedoch auf die Vergleichsbedingungen ankam, stellte der Herzogdiese so hart und betrug sich so anmaßend, daß der König es für gerathen hielt, amfolgenden Tage heimlich aus Paris weg nach Chattres zu gehen und so die Ab-sichten und Plane der Guise'schen Partei zu durchkreuzen. *) Bei der nachherigenBelagerung von Paris im I. 1500, durch Heinrich I V., hatte der Herzog von Ne-mours, welcher in der Stadt für die liguistische Partei den Oberbefehl führte, schonAlles zu Barrikadirung der Straßen durch Ketten, mit Erde angefüllte Tonnen undHolz in Bereitschaft setzen lassen. Der König begnügte sich jedoch, die Stadt, nachEroberung der Vorstädte, enge einzuschließen, mußte aber nachher die Blokade auf-

. *) Uber diese llournees lies barrlcAtlss s. Vitet's1-vs Larrlcalle», scenes Iilsto-rigues" (Paris 1326).