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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
168
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168 Ballesteros (Luis Lopez)

und Aragon vertheidigen sollte. Nach dem Übergange des französischen Heeresüber die Bidassoa rückte ihm der General Molltor entgegen. B. stellte sich mitseinem aus 20,000 Mann, zum Theil alten Kriegern bestehenden Heerhaufenhinter dem Ebro auf, und von den Franzosen gedrangt, zog er sich seit- dem Mai,immer fechtend, über Teruel und Cuenca nach den südlichen Landschaften zurück,bis er endlich in den Gebirgen bei Campillo de Aronas unweit Granada eine vor-teilhafte Stellung nahm. Die Franzosen griffen ihn hier am 28. Jul. mit soglücklichem Erfolge an, daß er sich mit großem Verluste zurückziehen mußte. DieAntrage, die er schon vor diesem Gefechte dem französischen Heerführer gemachthatte, bahnten den Weg zu einer Übereinkunft, die am 4. Aug. zu Granada abge-schlossen wurde. B. erkannte die wahrend der Abwesenheit des Königs niederge-setzte Regierung in Madrid an und verpflichtete sich, die festen Plätze in den ihmuntergeordneten Bezirken zu übergeben, wogegen seine Kriegsvölker in bestimmteGegenden verlegt, alle ihre Stellen und ihren Sold beibehalten und hinsichtlich ih-rer frühem politischen Gesinnungen und Handlungen gegen jede Verfolgung gesi-chert sein sollten. Diese Übereinkunft brachte unter einem Theile seines Heerhau-fens ebenso viel Erbitterung hervor als unter den Absolutisten, welche die dem con-stitutionnellen General gewährten Bedingungen laut tadelten. B. benutzte nachdem Abschlüsse der Übereinkunft seinen Einfluß auf die gemäßigten Anhänger derConstitution. Im September zog er mit den Truppen, die unter seinem Be-fehle vereinigt blieben, gegen den General Riego, der sich geweigert hatte, der Über-einkunft zu Granada beizutreten, und seitdem von überlegenen französischen Heer-haufen gedrängt wurde. Ein Theil seiner Kriegsvölker ging zwar zu Riego über,vergebens aber suchte dieser den General B. zu bewegen, den Oberbefehl wieder zuübernehmen und gegen die Franzosen zu ziehen. Als der König durch seine Verfu-gung vom 1. Oct. alle Beschlüsse der constitutionnellen Negierung für ungültigerklärt hatte, sprach B. in einem an den Herzog von Angouleme gerichtetenSchreiben, das in englischen Blättern bekannt gemacht wurde, seine feierliche Ver-wahrung gegen jenen Beschluß des Königs und die dadurch wiederhergestellte un-umschränkte Gewalt aus, beschwerte sich über die Verletzung der mit ihm abge-schlossenen Übereinkunft und bat den Prinzen, ihm eine Zuflucht in Frankreich zugewähren. Im November verließ er sein Vaterland, wo eine Verordnung Ferdi-nands alle Beamten der constitutionnellen Regierung und alle Offiziere des Heeresaus der Hauptstadt verbannt hatte.

Ballesteros (Luis Lopez), spanischer Finanzminister, war bereits Ge-neraldirector der Staatseinkünfte gewesen, als ihm 1822 das Finanzministeriumübertragen wurde. Es war nach der Wiederherstellung der unbeschränkten Königs-gewalt eine schwere Aufgabe, bei der Zerrüttung im öffentlichen Haushalt dieStaatsbedürfnisse zu befriedigen, da die Quellen der Einnahme während des wil-den Parteikampfes im Innern und bei der gelähmten Gewerbsamkeit versiegten, derStaatscredit durch die Nichtanerkennung der Cortesanleihen erschüttert war, und i,dem von befreundeten Regierungen empfohlenen Systeme der Mäßigung eine mäch-tige Partei entgegenarbeitete. Zur Wiederherstellung des öffentlichen Credits wurde1824 eine Tilgungscasse für die Staatsschuld, jedoch nur für die vor dem 7. März1820 bestandenen Schulden und für neue Anleihen errichtet, und der Betrag der .anerkannten Federungen in das große Schuldbuch eingeschrieben, indem die lau- >sende verzinsliche Schuld durch Papiere repräsentirt wurde, die Jnscriptionsscheine,zu deren Tilgung jahrlich eine bestimmte Summe zurückgelegt werden sollte.Bei dem fortdauernden Schwanken der Regierungsgrundsätze konnte diese Maßre-gel allein noch kein festes Vertrauen erwecken, und je zerrütteter der Zustand des lLandes wurde, desto höher stiegen die jahrlichen Ausfälle in der Staatseinnahme, so-daß der Finanzminister im Sommer 1826 dem Staatöratbe die Erschöpfung aller