1Z8 Australien
genthümliche Schöpfung dar. Die organische Natur hat sich anscheinend vondem festen Lande auf die Inseln und zwar gegen den Zug der Winde, von W.nach O. verbreitet. Sie erinnert auf den östlichem Inseln zugleich an Südasicnund Neuholland, ist aber von Amerika völlig entfremdet. Manche Pflanzengat-tungen breiten sich über den indischen und großen Ozean von der afrikanischenKüste bis auf diese Inseln aus, nach welchen man aufdergegenüberliegenden KüsteAmerikas vergebens sucht. Verschwenderisch scheint zwar die Natur in ihren or-ganischen Reichen den Samen des Lebens ausgestreut zu haben, aber zu sparsamist sie offenbar in Anweisung der Nahrung gewesen. Neuholland hat nur wenigeBaume, die nährende Früchte darbieten. Weder die 15 Arten von Drachenbaumen,die sich von der Südspitze Afrikas über Indien und die Eiland« des großen Erdmee-res zerstreuen, noch eine der IL Amomumarten (eine dreizehnte wachst aufJa-maica), die von Bengalen bis zu den Sandwichsinseln verbreitet sind, kommen inAustralien vor. So erblickt man weder die nützliche Kohlpalme, noch die riesigeSäulencypresse, noch den Pisang, den Brot- und Papiermaulbeerbaum, noch dasschönste der Graser, das fast rings um die Erde verbreitete Bambusrohr. Dünn-belaubte Eukalypten sind Neuholland, die Flachslilie (kRoi-mium tenax) aberNeuseeland eigenthümlich. Die Flora, die auf den Asien zunächstliegenden Ei-landen so reich ist, scheint auf den Inseln des großen Ozeans von W. nach O.zu verarmen. Nach Chamisso schwinden die Palmen zuerst bis auf den Ko-kos, der den niedrigen Inseln anzugehören scheint und namentlich die Penrynmit einem luftigen Baldachin überschattet, der Bambus aber tritt zurück. NurKnollengewachse, als Pams, Aarons, Pataten und andere eßbare Wurzeln die-nen da zur Nahrung. Aus der Kawapflanze (Taumelpfeffer) wird ein berau-schendes Getränk bereitet, und fast durchgängig Betel gekaut. Das Thierreich lie-fert außer dem Hunde, dem Schwein und der Ratte kein einziges Hausthier. Inmehren Gegenden gedeihen jedoch die verpflanzten europäischen Hausthiere vor-trefflich, und besonders hat sich die Zucht veredelter Schafe in Neuholland undVandiemensland so sehr gehoben, daß Wolle bereits ein wichtiger Ausfuhrarti-kel ist und 1830 aus Neuholland 500,000 Pfund nach Europa gingen. DerFische in den süßen Gewässern sind nur wenige, und unter den wenigen nur einigegenießbar. So ist der Südindier genöthigt, da, wo ihm Wald und Meer nichthinlängliche Nahrungsmittel darbieten, zu den Pams- und Farnkrautwurzeln,ja selbst zu ekeln Insekten und Amphibien seine Zuflucht zu nehmen. Alle einge-borenen Thiere des Continents bieten merkwürdige Eigenthümlichkeiten dar; eincharakteristisches Kennzeichen der Vierfüßler, die zu der Ordnung der Beutelthieregehören, sind die am Bauche kreisförmig geordneten Zitzen, mit einer Hautfalteumgeben, die einen Beutel darstellt, in welchem die Jungen, als unreife Embryo-nen geboren, erst ihre völlige Ausbildung erlangen. Australien gehören eigenthüm-lich an: das Känguruh, wovon gegenwärtig schon zehn Arten aufgefunden sind, dasHepuna-Ru oder fliegende Eichhorn, der Wombat, der Kola, die Beutelmaus, dasSchnabelthier (Oinitllorll^ncllus ^i^ckoxus), vielleicht das abenteuerlichste Ge-schöpf auf der Erde, dem die Natur zu dem Körper eines Säugethiers mit Schwei-nehäuten den Schnabel eines Vogels gab, der Dingo oder neuholländische, stimm-lose Hund, der sich dem Wolfe nähert, die Opossum-Hyäne, der Hirscheber, derOleck und der Meerelefant (1Ruc<l j>rodosciäerr). Erwähnt man unter den Vö-geln den weißen Adler, den schwarzen Schwan, die grünen Turteltauben, blauenund weißen Reiher, Vögel mit Haaren statt der Federn, den Nashornvogel (La-oeros), den Emu mit seinen am Ende der Fittige in eine scharfe Kralle sich endi-genden Schwungfedern, die schwarze Schlange, gelbe Natter, so hat man Beweisegenug, daß die Sonderbarkeit der organischen Bildung durch alle Naturreiche durch-geht. Unlängst hat man auf dem Festlande eine Bienenart ohne Stacheln entdeckt.