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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
97
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Armatolen und Klephten

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läßt, war Kara Michali gegen das Ende des 15. Jahrhunderts. Übrigens wurdeihnen der Name Armatolen nur von den Türken beigelegt; die gewöhnliche Be-zeichnung von leiten der Griechen selbst war Kapitän (/tttTre^A^oH; jedoch fandauch hier wieder nach den verschiedenen Provinzen Verschiedenheit statt; die Sou-lioten nannten ihre Führer gewöhnlich Polemarchen (TlaXstttt^oH, die Bewoh-ner des Pindos Kephaladen und in Morea war die etwas abwei-chende Form^Kawetani gebrauchlich. Der Ausdruck Kapitän, dem romanisch-ger-manischen ^prachftamme zugehörig, kam durch die Venetianer, wahrscheinlichschon zur Zeit der Kreuzzüge, nach Griechenland. Die Würde eines Kapitän, wel-cher zugleich in dem ihm angewiesenen Districte die Gerichtsbarkeit ausübte, warerblich nach dem Rechte der Erstgeburt; der Sohn erhielt mit dem Degen des Va-ters zugleich ein neues Belehnungsdiplom von dem Pascha oder Moussellim (Stell-vertreter, Abgeordneter des Pascha), unter dessen Hoheit sein District stand. Dievorzüglichsten erblichen Familien waren die Bateski im Pelion, die Boukovallas imAgrapha, die Sturnaris am Acheloos, die Blachavos von Kassia, die Zachilas vonAlassona, die Lazos auf dem Olympos und die Thasos in Thessalien und Make-donien. Dem Kapitän stand der, aus der Schar seiner Soldaten (Palikaren) ge-wählte Protopalikari zur Seite. Die Zahl der Palikaren war unbeschränkt, über-stieg aber in früherer Zeit nicht leicht 200, und stand häufig unter 50, je nach-dem der Kapitän durch den Ruhm stiller Thaten oder die Gunst des Zufallssich das Vertrauen der Palikaren zu erwerben und zu sichern wußte. Kannman diese Palikaren und ihre Häuptlinge vielleicht mit dem meisten Rechte für denKern des alten, wenn auch nicht völlig ungemischten Hellenenstammes halten, sowar es für die Erhaltung der Reinheit desselben von hoher Bedeutung, daß nurGriechen, und nie Abkömmlinge fremden Blutes, unter die Palikaren aufgenom-men wurden. Die politische Wichtigkeit der Armatolen kann man von der Zeitherschreiben, in welcher sich die Pforte genöthigt sah, sie zu ihren eignen Zweckengegen die aufrührischen Timarioten, welche schon von Amurath und Mohammed!l.in Epiros und Albanien bedeutende Lehngüter erhalten hatten, und zum Schutzeder Colonien zu gebrauchen, welche aus Kleinasien nach dem Flußgebiete des Pe-neus versetzt worden waren. Die Folge davon war die Erweiterung ihrer Machtund ihres Einflusses, welche sie in feindliche Berührung mit den benachbarten Pa-schas brachte und jene ununterbrochene Reihe kleiner Kriege herbeiführte, welche, imEinzelnen unbedeutend, im Ganzen für ihre Stellung zur Pforte und für die Er-hebung des neugriechischen Volkes überhaupt entscheidend, den größten Theil ihrerfrühern Geschichte ausfüllen. Auf der einen Seite galt es, die Rechte der Armato-len zu beschränken, auf der andern, die erlangte Unabhängigkeit zu behaupten undzu erweitern. Schon zu Anfang des 17. Jahrhunderts suchte die Pforte denFortschritten der Armatolen, welchen die benachbarten Paschas nicht mehr ge-wachsen waren, durch die Ernennung des Dervendgi-Baschi (Aufsehers über dieWege und Engpässe, ganz ähnlich dem der Byzantiner) Grenzenzusetzen. Dieser ward mit einer Schar Krieger, welche unter den von ihm selbstgewählten Dervenagas standen, nach dem nördlichen Hochlande des griechischenContinents ausgesandt, um die Armatolen im Zaume zu halten. Die Spannungwurde dadurch nur vermehrt, und im Wesentlichen nichts geändert. Die Pforteglaubte 1740, ihren Maßregeln gegen die Armatolen noch mehr Nachdruck zu ge-ben, indem sie zu dem Paschalik von Epiros Aloanestr beförderte, welche zum Mo-hammedanismus übergetreten waren und den unversöhnlichsten Haß gegen die christli-chen Armatolen hegten. Zugleich wurde von jetzt an mit diesem Paschalik dieWürde des Dervendgi-Baschi verbunden: ein Umstand, wUcher erst Bedeutung er-hielt, als dem berüchtigten Ali Pascha von Tepelen (s. Bo. 1) 1787, kurznach seiner Ernennung zum Pascha von Trikala in Thessalien, das Amt des Der-Conv.-Lex. der neuesten Zeit und Literatur. I. ^7