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Erster Band (1832) A bis E
Entstehung
Seite
96
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M Ärmatolen und Klephten

Ärmatolen in dem Zeitalter des Konstantin Porphyrogenetus; der Neugrieche RizoNeroulos betrachtet ihre Entstehung als eine Folge der Freiheitskampfe des noch inden Liedern der Ärmatolen hochgefeierten epirotifchen Helden Georg Kaftriotta(Skanderbeg), und Fauriel behauptet dagegen, daß man vergeblich nach den Spn.ren einer ahnlichen Erscheinung vor der Eroberung Griechenlands durch die Tür-ken suchen würde. Man wird ohne Bedenken der Meinung des Letztern beitreten,wenn man die formelle Gestaltung der Ärmatolen und Klephten, wie sie uns inneuerer Zeit erschienen sind, auf ihren Ursprung zurückführen will. Denkt man ab«dabei überhaupt an jene wilden Kriegerscharen, die im unabhängigen Zustande eineAnzahl selbständig geordneter Gemeinwesen bildeten, und aus welchen ohne Zwei-fel Klephten und Ärmatolen hervorgingen, so ließen sich Spuren ihres Daseinsselbst in früherer Zeit nachweisen, als Pouquevillc meint. Sie waren ein natürli-ches Erzeugnis; des aufgelösten, gesetzlosen Auslandes, der nach dem Untergangeder Selbständigkeit der althellenischen Freistaaten eintrat, und vom macedonischenund römischen Despotismus nicht weniger als von dem der Byzantiner und Os-manen genährt wurde. Ganz nach Art der spätem Klephten erscheint eine solcheBande schon im Dienste des Aratos (Plutarch bei Aratos, Cap. 6, wo selbst der, denjetzt gebräuchlichen Bezeichnungen analoge, Ausdruck vorkommt).

Die Organisation der heutigen Ärmatolen- und Klephtengemeinschaften steht mitder Begründung der Herrschaft der Pforte in Griechenland in genauem Zusammen-hange. Die ersten Sultane, genugsam mit der Befestigung ihrer neuerrungenenMacht beschäftigt, hatten weder Zeit noch Mittel, in dem entferntesten Theile ihresneuen Reiches einen beschwerlichen und langen Gebirgskrieg zu führen. Nach meh-ren vergeblichen Versuchen, die bewaffneten Bergbewohner des Olympos, Pelion,Pindos und Agrapha zu unterwerfen, sahen sie sich genöthigt, ihnen bestimmteRechte einzuräumen, welche die Grundlage- ihrer fernem Unabhängigkeit bildeten.Für einen geringen Tribut an die Pforte wurde ihnen gestattet, die Waffen zu be-halten, je in ihrem Districte militairische Gemeinwesen zu bilden und fortan nacheignen Gesetzen und Rechten zu ordnen und zu verwalten. Unter diesen Bedingun-gen traten die meisten mit der Pforte in Unterhandlungen, denen zufolge ihnen derSchutz ihres eignen Cantons und der diesem nahgelegenen Provinzen, nach be-stimmter Abgrenzung, durch ein förmliches Diplom übertragen wurde. Die aufdiese Weise blos scheinbar unterworfenen Klephten (denn warder, von

ihren Raubzügen nach dem platten Lande entnommene allgemeine Name) erschei-nen von jetzt an unter der Benennung der Ärmatolen; auch findet man die Unter-scheidung von zahmen, unterworfenen 71^05x^0/) und wilden(«/mach Klephten. Mit dem letztern Beiworte werden nämlich diejenigen bezeich-net, welche auf gar keine Unterhandlungen mit der Pforte eingingen, sich nach denunzugänglichsten Bergthälem zurückzogen und fortwährend in völliger Unabhän-gigkeit lebten; später heißen diese vorzugsweise Klephten, und der Ort ihres gewöhn-lichen Aufenthaltes und ihrer Zusammenkünfte Klephtenlandwovon in einem Liede bei Fauriel, Nr. 19, V. 5, die Erklärung gegeben wird:

"Oer' e/ouv 071 >5« , zum Unterschiede der

den Ärmatolen angewiesenen Districte, der Armatolien (f. Bd. 1). Die Be-wohner des Berges Agrapha waren die ersten, welche das Vorrecht erhielten, eineneignen Häuptling und eine Schar Krieger zur Aufrechthaltung der Ordnung undzur Sicherheit der benachbarten Städte und Dörfer zu bewaffnen. Ihrem Bei-spiele folgten bald Andere, und so waren in kurzer Zeit Ärmatolen über das ganzehellenische Festland vom Isthmus bis nach Makedonien jenseit des Axos vertheilt.Daß Ärmatolen in diesem Sinne auch über Morea und Negroponte verbreitet ge-wesen fein sollen, wie Rizo anzunehmen scheint, wird von Andern mit Grund ge-leugnet. Der älteste Armatole des Olympos, welcher sich bestimmt nachweisen