98 Armatolen und Klephten
venbgi-Vaschl Übertragen wurde. Es gehört nicht hierher, die Verhältnisse weiterauseinanderzusetzen, welche sich hieraus für die Stellung der Armatolen undKlephten zur Pforte entspannen. Gelang es Ali Pascha auf der einen Seite, mehrdurch List als durch die Waffen einen Theil der Armatolen sich zu unterwerfen, soward auf der andern die Opposition derjenigen, welche ihre Unabhängigkeit zu be-haupten wußten, um so kraftiger und bestimmter. Ihre Überlegenheit und zugleichdie Anerkennung ihrer politischen Wichtigkeit war völlig entschieden, als Ali sj»durch besondere Begünstigungen für seine Plane gegen die Pforte zu gewinnensuchte, und diese dagegen sie durch neue Bewilligungen fester an ihr Interessezu knüpfen und als Hauptmacht gegen Ali zu gebrauchen gedachte. Dieses ge-hört in die letzten Jahre vor dem Griechenaufstande 1821, und hat wesentlichdazu beigetragen, diesen zu beschleunigen. Es war natürlich, daß unter den an-gegebenen Verhaltnissen die ursprüngliche Stellung der Armatolen, vorzüglichseit der Mitte des vorigen Jahrhunderts, bedeutenden Veränderungen unterlag.Wir erinnern nur noch daran, wie der durch unaufhörliche Fehden mit denPaschas veranlaßte öftere Rücktritt der Armatolen in den Zustand der Klephtennach und nach jenen unbestimmten Gebrauch beider Bezeichnungen herbeiführte,welcher vorzüglich im Westen häufige Begrisssverwechselung unvermeidlich mach? >te. Zur Berichtigung diene Folgendes. Klephten und Armatolen standen infortwährender Verbindung. Waren die Letztern nicht mehr im Stande, sich inihrem Armatolik gegen die Übermacht des Dervendgi-Baschi zu halten, so pfleg-ten sie sich mit ihrer Schar in das Innere der Gebirge zu den Klephten zurück-zuziehen, ihre Macht zu verstärken, und den günstigen Augenblick zu einem neuenAusfall abzuwarten. Die bedeutendsten Stationen der Klephten waren im Pe-lion die Dörfer Makriniza, Saiades, Portaria, Graykos, Argalisti, Mouruzi,Anilli, Zagora, Megales; im Agraphagebirge Rentila, Patrilos, Fourna, Am-belakia; im Tempethal Alassona; an den Quellen des Acheloos Xeloparikos;im Olympos Millins, die bedeutendste aller Klephtenstationen; auf dem eigent-lichen Pindos Mezzovo, und auf dem Gebirgsarme desselben, der sich nachThessalien erstreckt, Koutzana, -Dramisst, Kerachia. So hatten sich z. B. in denersten Iahren, wo Ali Pascha das Amt des Dervendgi-Baschi verwaltete, beinahealle Armatolen in den Stand der Klephten begeben, und erst nach und nach erhiel-ten Einige, unter der Bedingung der Unterwerfung, ihr Armatolik zurück. Mitden Armatolen ging aber auch ihr Name zu den Klephten über, während diesenicht selten den ihrigen jenen leihen mußten; je mehr die bestimmte Grenzliniezwischen beiden Zuständen verschwand, desto häusiger war die Verwechselung der siebezeichnenden Namen; man wandte diese bald ohne Unterschied auf Beide an,und erst nach und nach bekam der Sprachgebrauch wieder einige Bestimmtheit, in-dem nach der Verschiedenheit der Provinzen oder Districte der eine oder der andereName der vorherrschendere wurde. In einigen Gegenden heißen daher sowol dieunterworfenen als die unabhängigen Heerführer Armatolen; in andern, z. B. inThessalien, werden beide mit dem Namen der Klephten bezeichnet. Ganz ähnlicheUmstände bewirkten auch den Wechsel in der Zahl der Armatoliks, welche nie be-stimmt war, sondern in demselben Verhältnisse ab- und zunahm, in welchem dieMacht des Dervendgi-Baschi wuchs oder sich verminderte. Kurz vor der Revolu-tion zählte man deren IV: 10 in Thessalien oder Livadien, 4 in Aetolien, Akarna-nien und Epiros, und 3 in Makedonien diesseit des Apos.
Aus dem Bisherigen ergibt sich von selbst, daß die Armatolen und Klephtennicht allein für die nationelle Erhaltung, sondern auch für die politische Erhebungdes neugriechischen Volkes von hoher Bedeutung sein mußten. Allein ihre ur-sprüngliche Stellung verhinderte sie einestheils, ihre besondern Interessen mit de-nen ihres Volkes überhaupt in nähere Beziehung zu bringen, anderntheils unter