88 Anton Clemens Theodor (König von Sachsen)
aus politischen Rücksichten. Nach Paris zurückgelangt, wäre er fast von Perier,wie die Polen, nach Avignon verwiesen worden. Er gilt für einen eifrigen Napo-leonisten. Zu Ende 1831 verließ er Paris und reiste über Brüssel nach Italien zu-rück. Persönlich ist A. ein sehr bescheidener Mann, ohne Stolz auf seine Ver-dienste und die überstandenen Gefahren, doch stolz in hohem Grade ist er aufden Besitz einer Gypsbüste Napoleons, nach einem Abdruck, der gleich nach dessenTode von seinem Antlitz gemacht wurde. Um alle Schatze der Welt würde er sichnicht von der Büste des Kaisers trennen. (15)
Anton Clemens Theodor, König von Sachsen, geboren 27. Dec. 1755,der vierte Sohn des 1763 verstorbenen Kurfürsten Friedrich Christian und decgeistreichen Marie Antonie von Baiern, der Tochter Kaiser Karls VII. Er wur-de von verschiedenen geschickten Lehrern unterrichtet. Außer der Musik wardauch die Genealogie früh seine Lieblingsbeschäftigung; in jener erwarb er sich sogründliche Kenntnisse, daß er Mehres componirte, und seine genealogische Kundekonnte nicht selten Zweifel lösen, über welche andere Genealogen nicht Auskunftzu geben wußten. Er war ursprünglich zum geistlichen Stande bestimmt; um aberbei der lange unfruchtbaren Ehe des Kurfürsten die Fortdauer der albertinischenLinie zu sichern, wurde jener Plan aufgegeben, und der Prinz fand 1731 in der sieb-zehnjährigen Prinzessin Marie von Sardinien eine Gemahlin, die ihm jedoch schonim nächsten Jahre durch den Tod entrissen wurde. Fünf Jahre spater vermahlteer sich wieder mit der vielseitig gebildeten und edlen Marie Therese, der ältesten Toch-ter des Kaisers Leopold 1l-, die 1767 zu Florenz geboren war. Vier Kinder, mitwelchen diese lange Ehe gesegnet wurde, starben in zarter Jugend, wahrend die Nach-kommenschaft seines jüngern, seit 1792 mit der Prinzessin Karoline von Parmavermählten Bruders, des Prinzen Maximilian, eine erfreuliche Bürgschaft für dieErhaltung des fürstlichen Stammes gab. Der Prinz lebte während der RegierungFriedrich Augusts, von allem Antheil an den Negierungsgeschästen fern, unter denAnnehmlichkeiten eines glücklichen Familienkreises, welchem die älteste Tochter desPrinzen Maximilian, Marie Amalie, später durch Adoption angehörte, und in demGenuße einer kräftigen Gesundheit, die er der von früher Jugend an beobachtetenEinfachheit seiner Lebensweise verdankte, bis die Drangsale, die nach 1806 dasfriedliche Land ergrissen, auch ihn oft schmerzlich berührten. Seit 1809, wo nach30 Jahren zum ersten Male feindliche Scharen in Sachsen einbrachen, mußte ermit der königlichen Familie nicht selten einen sichern Aufenthalt in der Fremde su-chen, in Frankfurt, in Prag, in Wien. Im Mai 1813 mit dem Könige zurück-gekehrt, blieb auch er mit seiner Gemahlin in den bangen Tagen, wo die Heere derVerbündeten die Hauptstadt bedrohten, in der Mitte des duldenden Volkes, underst nach der Schlacht bei Leipzig begab er sich wieder nach Böhmen, später nachSchönbrun. Nach dem Frieden machte er einige Reisen, wie nach Wien und 1819nach Italien, wo er in dem befreundeten Florenz und in Rom mehre Monate ver-weilte. Der TodFriedrichAugusts (s. Bd. 4) rief ihn, 71 Jahre alt, auf denThron. Seine ersten Erklärungen gaben die Versicherung, die Verwaltung des Lan-des nach den Grundsätzen seines Bruders zu führen. Bei derHuldigung, die der Kö-nig im October nach herkömmlicher Sitte in jedem Kreise des Landes persönlich an-nahm, äußerten sich vielfältig die Gesinnungen der treuen Anhänglichkeit des Volkesan den Fürstenstamm, und die festlichen Tage wurden nur durch den Tod derKönigingetrübt, die am 7. Nov. 1827 zu Leipzig starb. Eine der ersten Verordnungen desneuen Regenten war die Verminderung des Wildstandes, welche eine alte Be-schwerde des Landmannes erleichterte. Diese und mehre einzelne wohlthätige An-ordnungen der inncrn Verwaltung, die Gründung einiger lange gewünschten Cu^turanstalten, z. B. einer landwirtschaftlichen Lehranstalt, einer polytechnischenSchule, die Einleitungen zur Verbesserung der veralteten Verfassung der Landes-